Holstein 1660 -
das erste Stempelpapier im
Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation

 

Für den königlichen Anteil an Schleswig und Holstein wurde die Stempelpapier- Impost-Verordnung im Jahre 1660 eingeführt.

Im Jahr 1661 wurde dann eine Verordnung für den Herzoglichen (Fürstlichen) Anteil an Schleswig und Holstein in Vollzug gesetzt. 

Es war für mich schon eine riesige Neuheit, zumal es ausgerechnet mein Sammelgebiet betrifft, wonach es die Holsteiner waren, die das erste Stempelpapier im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation verausgabt haben.

Damit kann das Einführungs-Datum des Stempelpapiers von 1666 für die Pseudo-Reichsstadt Emden noch einmal um 6 Jahre auf das Jahr 1660vorverlegt werden!

In Dänemark ist die erste Stempelpapierverordnung mit 3 Klassen am 21. Juli 1657 in den Umlauf gekommen. Diese wurde 1660 für den Königlichen Anteil an Schleswig + Holstein erneuert.  
Ich werde noch versuchen, diese Verordnung von  1657 ausfindig zu machen! Denn es könnte sein, daß wir das Datum von 1660 noch einmal auf 1657 vorverlegen dürfen.

Denn das Herzogtum Holstein gehörte sowohl über den königlichen, den herzoglichen, aber auch über den gemeinsam verwalteteten Anteil daran zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, und der König von Dänemark hatte als Herzog von Holstein einen Sitz im Reichsfürstenrat und war somit auch in der Reichsmatrikel eingetragen!

 

Zur Ausbreitung der Stempelabgabe schreibt 1905, der k. und k. Oberfinanzrat in Wien, Koczynski dazu:

Von Holland aus trat 1624 (Anm.: besagtes Edikt ist von mir vorgelegt worden in dem ARGE Rundbrief # 38) die Stempelabgabe einen geradezu beispiellos raschen Siegeszug an. Nachdem zunächst die meisten übrigen Provinzen der Niederlande (und zwar Utrecht 31. März 1625, Seeland 14. Juni 1625, Friesland 26. März 1628, Gelderland 14. Mai 1628 und Oberyssel 20. März 1635) dem Beispiele Hollands gefolgt waren und dann auch die Generalstaaten am 18. Mai 1635 die neue Abgabe eingeführt hatten, verbreitete sich dieselbe bald auch über die Grenzen der Niederlande hinaus von Land zu Land. Und dies mit einer für die damaligen Verhältnisse kaum begreiflichen Schnelligkeit. Es war eben die gleiche Triebfeder - die durch die unaufhörlichen Kriege bedingte Finanznot -, welche die Regierenden überall gleich gebieterisch zwang, nach neuen Mitteln zur Füllung der Staatskassen Umschau zu halten. Als sich nun die Kunde verbreitete, es sei eine neue Abgabe gefunden worden, die nicht lästig empfunden werde und dabei doch reichen Ertrag abwerfe - war es da ein Wunder, wenn man überall eifrig zugriff? Der mit diesen Eigenschaften ausgestattete Stempel erschien ja geradezu als das Ideal einer Abgabe und man vermeinte  bei den Untertanen damit auf weniger Widerstand zu stossen als mit jeder anderen Finanzmaßregel.

Wirft man einen Blick auf die Schicksale der Papierstempelabgabe in den nächsten zwei Jahrhunderten, so drängt sich unwillkürlich der Vergleich mit einem Baume auf, dessen Früchte der Wind nach allen Weltgegenden verstreut, und die überall dankbares Erdreich finden, worin sie dann üppig sprossen. So wie aber die Verschiedenheit von Boden, Luft, Licht und aller übrigen Bedingungen bald dazu führt, dass aus den Körnern einer und derselben Pflanze neue, einander immer unähnlicher werdende Gattungen entstehen, so entwickelte sich auch die Stempelabgabe aus der primitiven, gleichsam embryonalen Gestalt, welche sie ursprünglich in Holland hatte, in jeder neu gewonnenen Heimat in eigenartiger Weise weiter. Es ist von besonderem Interesse, diesen Differenzierungsprozess und alle Richtungen, die er einschlug, zu verfolgen. Man erkennt dabei, welcher Reichtum an Gestaltungskraft der Idee v a n den B r o u k s (Erfinder der Stempelabgabe) innewohnte, wie sie sich den Eigenschaften und Eigenheiten eines jeden Volkes und seines Staatswesens anzupassen und mit denselben gleichsam zu verwachsen vermochte, und wie sie trotzdem immer in ihrem inneren Wesen unverändert dieselbe bleibt. So wie ein kundiges Ohr aus allen Variationen das eine musikalische Grundthema herauszuhören vermag, so erschliesst sich dem Forscher dieses eigenartige Wesen der Stempelabgabe aus allen ihren Umgestaltungen.

Leider ist die Forschung auf diesem Gebiete durch die Kargheit des zu Gebote stehenden Materials sehr beengt. Die Geschichte des Stempelwesens in den einzelnen Staaten ist ein noch sehr wenig bebautes Feld. Es gibt nur vereinzelte Vorarbeiten auf diesem Gebiete und auch diese sind zumeist recht dürftig. Bloß ausnahmsweise ist es möglich, auf die Normen selbst zurückzugehen, während doch ohne Kenntnis derselben eine genaue Einsicht in die Struktur der Abgabe nicht gewonnen werden kann. Die einschlägigen Arbeiten gehören größtenteils den letzten drei Jahrzehnten an. Fast könnte es danach scheinen, als ob - während früher kaum alle 100 Jahre ein Gelehrter diesem Gegenstande seine Aufmerksamkeit widmete - nunmehr die Wissenschaft sich demselben mit immer reger werdendem Eifer zuwende. Doch ist hier fast alles erst noch zu leisten. Was die Aufhellung dieses Gebietes am meisten erschwert, ist wohl der Umstand, dass dieselbe von verschiedenen Seiten aus in Angriff genommen werden muss.

Die Finanzwissenschaft mit ihrer Einsicht in die Eigentümlichkeiten, welche den Haushalt der Gemeinwesen auszeichnen, der Rechtshistoriker mit der Erkenntnis der Entwicklung des Rechtslebens, an welche die Stempelabgabe sich ihrer Natur nach enge anlehnen musste, und endlich, aber nicht in letzter Reihe, der Stempelsammler, welcher den sichtbaren Spuren des Stempelwesens der früheren Zeit nachgeht und sie zusammenträgt, um Verständnis und Kontrolle der Ergebnisse der rein wissenschaftlichen Forschung zu ermöglichen - sie alle müssen zusammenwirken, wenn klare und sichere Ergebnisse erreicht werden sollen.

Nur ein Land kann genannt werden, wo man bereits in allen diesen Richtungen rege an der Arbeit ist, freilich auch erst seit den letzten Jahren: Frankreich. Seit jeher ein Land von sehr entwickeltem und verfeinertem Fiskalismus besaß es auch schon frühe gute Kenner der Stempelabgabe und ihrer Entwicklung. Noch lange nachdem Boucher d'Argis Frankreich die erwähnte, allgemein gekannte und noch heute lesenswerte Darstellung seines Stempelwesens gegeben hatte, weiß der Deutsche Beckmann bezeichnenderweise in Bezug auf das Stempelwesen nur das zu berichten, was in der Fremde vorgegangen ist. Sowie er auf sein eigenes Vaterland zu sprechen kommt, wird er unsicher; was er diesbezüglich anzuführen in der Lage ist, das ist so gut wie nichts. Selbst heute vermögen wir bezüglich der weiteren Geschichte der Stempelabgabe nach ihrer Entstehung im allgemeinen nicht viel mehr als den Weg zu bezeichnen, den sie bei ihrer Ausbreitung genommen hat. Und auch diesbezüglich werden die Nachrichten je weiter desto spärlicher, so dass eigentümlicherweise die ältere Geschichte wider alles Erwarten heller ist, als deren spätere Phasen.

Das erste Land, welches die in den Niederlanden entstandene Stempelabgabe adoptierte, war Spanien (15. Dezember 1636).

Der Krieg der Niederlande gegen Spanien und die hierdurch verursachte Finanznot war ja die Hauptveranlassung für die Entstehung des Stempelwesens gewesen. Es war da nur natürlich, dass die Spanier vom Feinde auch das zu lernen suchten, wie man die Kriegskosten am leichtesten aufbringen könne. Ueber das spanische Stempelwesen ist nicht viel zu sagen. Am 28. Dezember 1638 auf die überseeischen Kolonien ausgedehnt, blieb es in ganz merkwürdiger Weise durch mehr als zwei Jahrhunderte unverändert - ein sprechender Beweis für den konservativen Zug dieses Volkes. Die Vierzahl der Stempelklassen bleibt immer dieselbe und alle Veränderungen beschränken sich auf eine Vervielfachung der Stempelsätze. Sogar die Stempelzeichen, für welche der von den Holländern lediglich projektierte mittels Buchdruckerfarbe herzustellende Schwarzdruck gewählt wurde, sind nach dem Geschmacke der Zeichnung und der Zähigkeit des Festhaltens derselben Typen ein ganz charakteristisches Element.

An zweiter Stelle steht dann Frankreich 1655? 1657? (Anm. Siehe auch den Artikel vom Stempelpapier "La Chatellenie de Montfort", im französischen Fiskalrundbrief Nr. 82)

Zwar ist das Edikt vom 20. März 1655, welches die Stempelabgabe nach dem Vorbilde Hollands und Spaniens einführte, wegen des Widerstandes der Stände undurchgeführt geblieben. (Anm. Nicht nur Frankreich, schon 1652 hat es der Churfürst von der Pfalz versucht, eine Stempelpapier Verordnung einzuführen, scheiterte aber auch an den Widerstand der Stände. Siehe mein Artikel vom Churpfälzischen Finanzier Jud Süß Oppenheimer, der bis heute noch bei der ARGE schlummert).

Aber es bleibt das angeführte Datum noch immer die Antwort auf die Frage, wann die neue Idee in Frankreich die ersten Wurzeln geschlagen hatte??

Wie L e o n S a l e f r a n q u e anführt, wurde seinerzeit D e s c h i e n s de C o u r t i s o l s für den Verfasser des Edikts gehalten und als solcher angefeindet. Zur wirklichen Geltung kam die Stempelabgabe erst später und zwar durch Co l b e r t. Die Art, wie dies bewirkt wurde, ist ganz merkwürdig und erscheint als ein schlaues Strategem, welches den dahinter stehenden geschickten Staatsmann verrät. Colbert knüpfte nämlich an die Versuche an, für das Rechtsleben behufs Sicherung, Vereinfachung und Verbilligung der Rechtsakte gleichmäßige Formulare zu schaffen. Mit dem Edikte vom 19. März 1673 wurde unter Androhung sonstiger Nullität die obligatorische Verwendung gedruckter Formularien vorgezeichnet und nebenbei, gleichsam als handle es sich um eine Art Taxe, bestimmt, dass jede dieser "formules" mit einer "fleur de lys" als Stempelzeichen gemarkt sein müsse und dass für diese Bezeichnung eine Abgabe einzuheben sei. Dem Ansturme gegenüber, der sich gegen diese einschneidende und die Interessen der Kreise, welche aus der bisherigen Vielschreiberei reichen Gewinn gezogen hatten, arg beeinträchtigende Maßregel erhob, wurde in Hinsicht auf die Formularien nachgegeben, gleichzeitig aber als ein nunmehr nicht weiter bestrittenes Recht die Stempelabgabe festgehalten. Als Andenken an diese ursprüngliche Verknüpfung mit den Formularien für Rechtsakte behielten die Stempelbogen noch lange die Bezeichnung "formules", wiewohl es zur wirklichen Einführung solcher nicht gekommen war und die Stempelbogen lediglich durch einige Zeit neben dem Stempelabzeichen die Angabe, zu welcher Art Ausfertigung sie bestimmt waren (z. B. für Notare, Greffiers, zu ersten Niederschriften oder Ausfertigungen u. s. w.), trugen. Selbst diese Angaben fielen bald weg. Immer deutlicher aber tritt in der Folge ein neuer Gedanke hervor, den C o l b e r t s Geist als Keim in seine Vorschrift hineingepflanzt hatte: das Dimensionsprinzip.

Es tritt nämlich zunächst - außer der Verschiedenheit der Abgabe je nach der Art des Rechtsaktes und je nach der Verwendung von Papier oder Pergament, welch letzteres durch Rechtsvorschriften für bestimmte wichtigere Schriftstücke obligatorisch vorgezeichnet war - eine Abstufung des Stempels je nach dem Formate des verwendeten Papiers ein, welche sich an die bereits übliche Unterscheidung der kleinen, mittleren und grossen Bogen anlehnte. Der Zug der Entwicklung ging dann dahin, die Sonderbehandlung des Pergaments fallen zu lassen und die Rücksichtnahme auf den Inhalt des Schriftstückes auf die besonders steuerkräftigen kaufmännischen Urkunden zu beschränken (ad valorem-Stempel, Gradationsstempel), im übrigen aber für alle Arten rechtlich relevanter Verwendung nur einen einzigen, dem Flächeninhalte des Papiers proportionalen Abgabensatz beizubehalten. Die Stempelgesetzgebung der grossen Revolution führte diesen Gedanken mit voller Konsequenz durch. Die Wahl des Schwarzdruckes für die französischen Stempelzeichen deutet auf Spanien als unmittelbares Vorbild hin.

Das dritte Land, in welches die Stempelabgabe gelangte, war Dänemark 1657 (Anm. und das Gottorfer Haus mit den fürstlichen und herzoglichen Anteilen an Schleswig und Holstein 1660/1661. Holstein gehörte immer schon zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation).

K o l h a r d t erwähnt in seiner Dissertation eine Constitutio danica vom 26. Juli 1667. Nach Auskünften, welche der Verfasser von der königlichen Bibliothek in Kopenhagen erhielt, betraf diese Norm aber nicht das eigentliche Dänemark, sondern den dänischen Anteil der Herzogtümer Schleswig und Holstein und war sie auch hier nicht die älteste Stempelvorschrift, vielmehr, lediglich die Modifikation einer älteren Verordnung vom 18. August 1660. In Dänemark selbst datiert das Stempelwesen vom 21. Juli 1657, an welchem Tage aus Anlass des Krieges mit Schweden ausser anderen Finanzmaßregeln die Einführung des gesiegelten Papiers erfolgte. Was über die technischen Details dieser beiden Stempelnormen in Erfahrung gebracht werden konnte, ist höchst merkwürdig.

Denn in der dänischen Verordnung vom 21. Juli 1657 "betreffend Konsumptionsgeld, Vieh- und Zehntensteuern, item Erhöhung der Zölle und anderer Abgaben und gesiegeltes Papier" gibt es für letzteres nur einen Abgabensatz, indem der Stempel 8, 4 oder 2 Schillinge betrug, je nachdem ein ganzer, halber oder Viertelbogen verwendet wurde, Angesichts des Datums dieser Verordnung und der völligen Verschiedenheit dieser Gestaltung des Dimensionsprinzipes von der Art, wie es im älteren -französischen Stempelrechte zur Geltung kam, muss anerkannt werden, dass hier eine autochthone Form dieser Idee vorliegt. Nicht minder originell war, die Gestalt des Stempelzeichens, welches aus einem Wachssiegel - bestand und lediglich durch den jährlichen Wechsel der in der Zeichnung angebrachten Jahreszahl an Holland gemahnte.

Näheres über die erste schleswig-holsteinische Stempelverordnung ist nicht bekannt worden. Was K o l h a r d t aber aus des späteren Verordnung vom 26. Juli 1667 anführt, ist wieder ganz eigenartig. Die Stempelzeichen sollen mittels Schwarzdruck hergestellt werden, und die Gefällsbeamten dieselben unterschreiben. (Anm. Das ist war) Die Stempelsätze haben 15zehn Abstufungen und gibt es insbesondere für den Wertstempel bereits acht Klassen. (Anm. und das ist auch ganz richtig erwähnt)!

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Karte mit Dänemark, den königlichen und herzoglichen Anteilen an Schleswig 
und Holstein, Pinneberg, Bistum Lübeck, Plön- Sonderburg.

 

Als vierter in der Reihe der Staaten, welche die Stempelabgabe der Niederländer einführten, ist England zu nennen 1671.

Aber auch hier ist das älteste Datum cum grano salis zu verstehen.

Nach A s s e n d e l f t d e C o n i n g h, welcher in seiner "Academisch Proefschrift" dem englischen Stempelrechte eine ausführliche Behandlung zu teil werden ließ, hat zuerst König Karl II. 1671 einen Stempel für den Schriftwechsel zwischen Behörden und Parteien eingeführt. Nach 2 Jahren trat diese Abgabe wegen des Widerstrebens des Parlamentes außer Wirksamkeit. Erst der Krieg gegen Frankreich führte 1694 zur neuerlichen Einführung derselben in erweiterter Form und zwar zunächst auf 4 Jahre. Nach Ablauf der jeweiligen Geltungsdauer immer in reformierter Gestalt erneuert, wurde 1706 eine 100jährige Geltung dieser Abgabe dekretiert. Doch schon 1714 wurde sie als "perpetuell" erklärt. Das englische Stempelrecht hat einen prononciert englischen Charakter. Bei der ausgesprochenen Aversion dieses Volkes gegen Generalisierungen setzte sich - gleich anderen Partien des englischen Rechtes bis zu den Modifikationen der neuesten Zeit - auch das Stempelrecht aus einer Unzahl von Einzelnormen zusammen. Die Fortbildung des Rechtes erfolgte hauptsächlich in den jährlichen Finanzgesetzen über die Budgets. Im Effekt gibt es daher nicht eine einheitliche Stempelabgabe, sondern eine ganze Anzahl selbständiger Abgaben mit speziellen Normen und Voraussetzungen. So wird die Klage über die grossen Schwierigkeiten, welche das Eindringen in das englische Stempelrecht bereite, begreiflich. Es ist bezeichnend, dass in England bis ins 19. Jahrhundert hinein, und teilweise noch bis zur Gegenwart für die Stempelzeichen die Reliefauspressung festgehalten wurde: ein Beweis dafür, dass Holland das Vorbild Englands gewesen ist.

In den Achtzigerjahren des 17. Jahrhunderts gelangte die Stempelabgabe in die deutschen Lande (Anm. Heute wissen wir, wohl wesentlich früher, z.B. Emden 1666), in K u r s a c h s e n wurde sie am 22. März 1682 eingeführt, in B r a n d e n b u r g am 15. Juli 1682, in K ö l n am 23. Juni 1683 und in M a i n z am 6. Dezember 1684 eingeführt. Von diesen Stempelvorschriften ist die brandenburgisch preussische darum bemerkenswert, weil sie die Beschränkung der Stempelpflicht auf den e r s t e n B o g e n des Schriftstückes zum Prinzip erhob, was bis ins heutige Recht nachwirkt. (Das ist auch so!)

Nach dem Vorbilde der spanischen Stempelnorm, dann der brandenburgischen, Kölner und Mainzer Vorschrift wurde am 29. April 1686 in Oesterreich die "Siegelabgabe" eingeführt. (Anm. In den Vorderösterreichischen Landen versuchte man es vergeblich 1687. Es scheiterte ebenso, wie in anderen Ländern auch, an den Widerstand der Stände)

Der Schwarzdruck der Stempelzeichen und die Irrelevanz der Dimensionen des Schreibstoffes weisen deutlich auf das spanische Muster hin. Begreiflicherweise machte diese in den kaiserlichen Erblanden geschaffene Einrichtung im ganzen römisch-deutschen Reiche wirksame Propaganda für die neue Abgabe.

So beruft sich die Nürnberger Stempelordnung vom 28. Februar 1690 ausdrücklich auf den Vorgang des Kaisers in seinen Erbkönigreichen und Ländern.

Auch in Bayern, wo nach W. Besobrasof, Etudes sur les revenues publies (Memories de l'Academie Imperiale des sciences de St. Petersbourg, 1866) der Stempel ebenfalls im Jahre 1690 eingeführt worden sein soll, dürfte das österreichische Stempelrecht maßgebend gewesen sein. Zum mindesten bestand in der napoleonischen Zeit, als die wechselnden Gebietsveränderungen eine mehrfache Alternierung des österreichischen und des bayrischen Stempelregimes in einzelnen Gebieten herbeiführte, eine auffällige Ähnlichkeit der beiderseitigen Normen.

In Russland wurde das Stempelwesen laut Besobrasofs Angabe durch Peter den Grossen mit Ukas vom 23. Januar 1699 unter dem Namen "Adlerpapier" - später heißt es wie anderwärts Stempelpapier (gebovaja bumaga) - eingeführt.

Der Vorschlag soll von Kurbatoff, dem Majordomus Scheremetieffs, ausgegangen sein, welcher diese Abgabe bei einer Reise im westlichen Europa kennen gelernt hatte.

Von den weiteren Ländern, in welche sich die Stempelabgabe um die Wende des 17. Jahrhunderts verbreitete, kennen wir nur die Namen: Brabant, Flandern, Sardinien, Savoyen und Schweden. (Anm. sowie einer ganzen Menge von mir aufgefundener, anderer Altdeutschen Staaten).

Nicht einmal Jahreszahlen können angeführt werden. Für Hannover wird das Jahr 1709 und für den Kirchenstaat endlich der 1. April 1741 als Einführungsdatum genannt.

Damit versiegen dann die bisher bekannten Nachrichten über diesen Gegenstand vollständig. (Im Jahre 1908 (Erscheinung dieses Artikels) schon!)

(Anm. Nun sind 100  Handbücher mit den entsprechenden Edikten von mir bis dato fertiggestellt worden, sowie auch die Ersterscheinung einer Stempelverordnung im Altdeutschen Reich um 21 Jahre vorverlegt werden konnte. Erst von 1682 auf 1666 und nun auf vorerst 1661) (Eventuell sogar noch auf das Jahr 1660?). Die 1657 und 1660iger Verordnung werde ich sicher noch nachreichen!!!

Hier gibt es also noch reichlich Raum und Stoff für weitere Forschungen, wie im Jahre 1905 auch schon!

 

Es gab den Herzoglichen, den Königlichen und den Gemeinschaftlichen Anteil an den Herzogtümern Schleswig und Holstein. Hier in der Karte farblich dargestellt!

Diese gezeigten Verordnungen vom 4.1.1661 und 3.4.1666 wurde zeitgleich vom König von Dänemark und dem Herzog von Gottorp in Vollzug gesetzt, als beide Herrscher in den erblichen Gebieten noch am gleichen Strang zogen. Dieser Umstand sollte sich später aber wesentlich ändern!

Anm. Es ist in diesem Edikt alles beschrieben worden, der Stempel und wie viele Stempel pro Blatt zu nehmen sind, die Währung, der Entwerterstempelnamenszug, die Größe des Papiers, Laufzeit der Verordnung, die Tax, die Accise, der Zoll (bei der Accise ein neuer Umstand, denn die war auch der Stempelsteuer unterlegen) und der Ausdruck ist neu: "die Versiegelung des Papiers", gemeint "das gestempeltes Papier " und dem holländisch gebrauchten Ausdruck: "Das gesiegelte Papier" ähnlich!

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Es folgt ein Anriss einer königlichen Verordnung vom 26.7. 1667, für die königlichen Anteile an den beiden Herzogtümern Schleswig und Holstein. Hierin bezieht sich der Dänische König klar auf eine ergangene Verordnung von 1660. Damit könnte diese Verordnung auch für Holstein ergangen worden sein und dann wäre dieses Jahr 1660 die früheste Erwähnung einer Einführung der Stempelsteuer im Altdeutschen Reich.

Ich bleibe auf jeden Fall dran, auch, weil es zudem noch mein Sammelgebiet ist!

 

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Stempelpapier von Krämern zu überhöhten Preisen verkauft und die Jahreszahl 1660 ist oben erwähnt!

Und so könnte das Stempelpapier in 1661 ausgesehen haben!
(Stempel aus der Sammlung Wisso Weiss im Deutschen Buch- und Schriftmuseum / Kultur- und Papierhistorische Sammlungen Leipzig).

Hier aus dem Herzogtum Holstein von 1700 No. 2 zu 2 Schilling, Herrschermonogramm doppelt, das "F" für Friedrich.

Ein weiteres aus Tellingstedt 1731, ein schwarzer Aufdrucknasstempel mit der Herzogkrone, der Jahreszahl, dem holsteinischen Nesselblatt und dem Namensmonogramm CF = Christian Friedrich und der Nummer bzw. dem Wert des Stempels in der Nummer 2 zu 2 Schilling.

Anm. Was wohl 1660/1661 in Oldenburg, Delmenhorst und in dem Bistum Lübeck in Sachen Stempelpapier gelaufen sein mag, wird die weitere Forschung zeigen müssen!

Sicher haben die Gottorper da auch an der Gebührenschraube mit gedreht!!

www.stempelpapier.de