Geschichte pur: 
ein weiteres unbekanntes Stempelpapier 
aus dem Gebiet Fürstbistum / Großherzogtum / Provinz Fulda 
unter preussischer Verwaltung für Nassau-Oranien 1815 – 1816 aufgefunden

 


Geschichte des Fürstbistum/Großherzogtum/Provinz Fulda von 1802 bis 1831 

1802 wird das Fürstbistum Fulda säkularisiert. Durch einen Vertrag vom 30.05.02 zwischen Frankreich und Preussen kommen die Hochstifte Fulda und Corvey, die Grafschaft Dortmund und die Herrschaft Weingarten an Fürst Wilhelm V. von Oranien Nassau. Dieser gibt sie an seinen Sohn Prinz Wilhelm Friedrich von Oranien, den späteren König Wilhelm I. der Niederlande, weiter.

1802 bis 1806 regiert Fürst Wilhelm Friedrich von Oranien. Am 02.10.02 erfolgt die Besitzergreifung und am 22.10.02 der Einmarsch eines preussischen Batallions.

Fürstbischof Adalbert III. weicht unter Protest der militärischen Gewalt.

Der neue Fürst hält am 06.12.1802 seinen Einzug, das Benediktinerkloster wird am 22.12.02 aufgelöst. Auch die Kollegiatstifte Fulda, Hünfeld und Rasdorf sowie alle fuldischen Propsteien werden aufgelöst.

1806, mit dem Sieg Napoleons über die Preußen bei Jena und Auerstedt endet die oranische Herrschaft.

1806 bis 1810 französische Herrschaft, Fulda wird Hauptstadt des französischen Departements Fulda. Die im Lehnsverband mit Fulda stehenden ritterschaftlichen Gebiete kommen an das Großherzogtum Würzburg (Gersfeld und Tann), an das Großherzogtum Darmstadt (Schlitz, Riedesel zu Eisenbach, Lauterbach und Stockhausen) und an Kurhessen (Buchenau, Wehrda, Mansbach, Lengsfeld, Gehaus und Weilar).

1807 weilt Napoleon das erste Mal in Fulda nach dem Frieden von Tilsit.

1808 schenkt Napoleon seinem Marschall Duroc das Schloß Fasanerie, die Domäne Ziehers und die ehemalige Probsteien Petersberg und Holzkirchen.

1810 bis 1813 Großherzogtum Frankfurt. Es wird für den Fürstprimas Karl Theodor von Dahlberg aus den Städten Frankfurt, Aschaffenburg, Hanau, Wetzlar und dem Hochstift Fulda gebildet.

1813 ziehen Napoleons Truppen zur Völkerschlacht nach Leipzig durch Fulda. Beim Rückzug entsteht in der Stadt eine Typhusepidemie.

1813 bis 1815 wird das Gebiet des Hochstiftes Fulda von Österreich als Provinz Fulda verwaltet.

1814 stirbt der letzte Fuldaer Fürstbischof  Adalbert III. von Harstall und Domkapitular Heinrich von Warnsdorf wird Apostolischer Vikar für das frühere Fürstbistum Fulda.

1815 wird auf dem Wiener Kongress die Provinz Fulda aufgelöst. Der Ulstergrund, Brückenau und Hammelburg kommen zunächst an Österreich und Geisa und Dermbach kommen zu Sachsen Weimar-Eisenach. Der Hauptteil geht an Preußen.

1815 bis 1816  Preussische Verwaltung

1816 tritt Preußen das Fuldaer Land an Kurhessen ab.

1816 bis 1821 regiert Kurfürst Wilhelm I. von Hessen Kassel

1821 wird Fulda Hauptstadt eine der vier hessischen Provinzen

1821 bis 1831 regiert Kurfürst Wilhelm II. von Hessen Kassel


  
                                                                                              



Das Großherzogtum Frankfurt unter österreichischer Verwaltung 1814

 

 



Die Reichsstadt Frankfurt, das Kurfürstentum Hessen, das Herzogtum Nassau und das Großherzogtum Hessen mit Hessen Homburg im Jahre 1816

 

Geschichte Hessen- Kassel ab 1813 

1813/16 wurde Hessen- Kassel wiederhergestellt und erhielt das Hochstift und spätere Großherzogtum Fulda als Ersatz für die an Nassau- Oranien gefallene Niedergrafschaft Katzenelnbogen.

Zur Provinz Fulda gehört auch das in Thüringen gelegene Gebiet Schmalkalden mit der Exklave Barchfeld. Die Provinz Fulda besteht aus dem Großteil des ehemaligen Großherzogtums Fulda, dem vormaligen Fürstentum Hersfeld sowie dem Amt Friedewald. 

Die Provinz Hanau umfasst das Gebiet der ehemaligen Grafschaft Hanau sowie das zuvor zu Fulda gehörende Amt Salmünster. 

 

Meiner Ansicht nach ist der Stempelpapier Ausschnitt  gelaufen in der Zeit von 1815 bis 1816.  

Preussische Verwaltung und damit Rückkehr zu Nassau Oranien........!!??

 


Zwei unbekannte neu entdeckte provisorische Stempel?
Oder ist es doch ein Aufbrauchpapier aus Nassau?

Der linke Hoheitsstempel ist geteilt in: Nassauischer – (Hessischer?)  Löwe links im Wappenschild,
sowie das Kreuz für das ehemalige Fürststift, Großherzogtum und oder der Provinz Fulda
(vormals österreichisch verwaltet!)

Der Gebührenstempel rechte Seite mit den Hoheitsinitialien
W F = für Wilhelm Friedrich ...  und da kommt eigentlich nur einer in Frage:

Wilhelm Friedrich Prinz von Oranien-Nassau (* 24. August 1772 in Haag; † 12. Dezember 1843 in Berlin) war (als Wilhelm VI.) Prinz von Oranien (1795-1813), 
Fürst von Fulda, Graf von Corvey, Weingarten und Dortmund (1802-1806) und 
(als Wilhelm I.) Souveräner Fürst der Niederlande (1813-1815), erster König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg (1815-1840) sowie Herzog von Limburg (1839-1840).

Unter dem Namensmonogrammstempel das Gebührenfeld = die Wertbezeichnung 6 Kr. =  für Kreuzer, 
und Porto……oben mittig, wurde für dieses Schreiben auch noch verlangt!



Anmerkung:  
Es regierte auch ein Wilhelm im Kurfürstentum Hessen, und der Löwe ist auch hier das Wappentier, aber einen zweiten Vornamen 'Friedrich', den hatte er nicht!
Da aber in diesem Hoheitsstempel die Kürzel = WF vorkommen, kann ich diesen Stempel ziemlich sicher nach Nassau-Oranien hin zuordnen!
Und einen Herrscher mit den Namenskürzeln  = JWF war nicht aufzufinden, 
auch keiner, der zu diesem Fuldaer Kreuz passen würde!

Für andere geschichtliche Deutungen aus der Sammlergilde würde ich mich freuen, auch wenn ich meine Zuordnung  revidieren müßte!

 

Quelle: Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig, 
Papierhistorische Sammlungen I. -  377.

www.stempelpapier.de