Hier nun wieder Geschichte pur
im Bereich der staatlichen, indirekten Steuereinnahmen:

Ein bayrisches Stempelpapier von 1807
mit einem österreichischen Erfüllungsstempel aufgefunden

 

Es handelt sich hier um ein Dokument von höchstem staatlichen, weil finanziellem Interesse!

Eine Vollmacht für den Finanzminister Freiherr von Hompesch, in der es um eine bedeutende Finanztransaktion geht
(hier: Abtretung von Forderungen gegen den Grafen von Stiber, den Fürsten von Salm usw. an den Fürstl. Lobkowizischen dirigierenden Rat und ehemaligen Churtrierischen Geheimen Rat.... ).

Auf der erste Seite ist das große Insiegel des Königs von Bayern, Maximilian Joseph 
und seine Original Unterschrift aus München 1807, 
zusätzlich ist die des Ministers von Hompesch zu finden.

Oben links ist ein österreichischer Erfüllungsstempel über 20 Gulden aus
"P" = Prag abgeschlagen worden
.

Dieses Dokument ist wohl auf Reisen gegangen, denn auf der zweiten Seite befinden sich zwei österreichische Insiegel von 1807 und 1808.

Es sind Eintragungsvermerke in den Archiven vor Ort festzustellen, zu lesen =
z. B. Tomo 1704.Inst. sub litb. F.6 von Stadt zu Stadt eingetragen..1807

oder auch
Tomo 106. Instrumen, Forum Folio 97. von Stadt zu Stadt eingetragen...1808

Bei allgemeinen Urkunden, die einen Geldwert beinhalten (wie Finanztransaktionen, Grundstücksverkäufe, andere Geldgeschäfte, etc) mussten in Österreich diese gestempelt werden, 
und bei Beträgen von 10.000 bis 20.000 fl. waren das 20 fl.

Natürlich waren bei solchen Transaktionen öfters verschiedene Staaten involviert, so dass eine Urkunde, die im Staat A (z.B. Bayern) ausgestellt wurde und in einem anderen Staat B (z.B. Böhmen) vorgelegt wurde, den Urkundenstempel vom Staat B (oder von beiden Staaten) auf dem Titel tragen konnte.

Ein sog. "Aufbruchspapier" macht - sofern es denn vorkommt (Österreich hat ja im Jahre 1809 seine ganzen Stempelapparat beim Herannahen von Napolens versteckt) - natürlich nur bei Vorratsstempelpapieren Sinn und nicht bei Erfüllungsstempeln.

Das Original- Dokument selbst wurde ja 1807 ausgestellt und noch im Dezember 1807 und dann im März 1808 in einen anderen Ort vorgelegt.

Dort ist dann das Finanzgeschäft abgeschlossen  und entsprechend mit dem Prager Erfüllungsstempel besteuert worden.

Erfüllungsstempel
hießen jene Stempel (Signetten), welche die Partei auf das von ihr selbst beigebrachte Papier bei den Stempelämtern aufdrucken ließ oder welche auf Urkunden aufgedruckt werden mussten, die auf ungestempelten Papier geschrieben waren und zur nachträglichen Stempelung vorgelegt wurden.

Bisher gab es diese unterschiedliche Bezeichnung nicht, weil Signetten, gleichgültig ob es sich um vorrätiges, schon vor dem Gebrauch gestempeltes Papier oder um nachträgliche Stempelung handelte, immer dieselben waren.

Das Stempelpatent von 1802 brachte nun eine Neuerung in der Hinsicht, daß für die "Vorratsstempel" und "Erfüllungsstempel" besondere Stempel (Signetten)- Formen vorgeschrieben wurden.

Erstere waren kreisrund ---- "zirkelförmig", letztere hingegen hatten die Form eines auf der Spitze gestellten Quadrates.

Wie schon erwähnt, wurde für die Erfüllungsstempelsignette eine andere Form als für die Vorratsstempel angeordnet, um beide Arten auch äußerlich leicht unterscheiden zu können.

Die Erfüllungsstempel sind in ihren verschiedenen Werten für alle Stempelämter gleichartig und nur durch das Stempelamtszeichen verschieden. Letzteres wird durch den Buchstaben des Namens der betreffenden Landeshauptstadt, in welcher ein Stempelamt amtierte, dargestellt. Die Wertstufen sind bei den Erfüllungsstempeln die gleichen wie bei den Vorratsstempeln.

D
ie Signetten zu 40, 80, 100 Gulden wurden bei manchen Stempelämtern, besonders solchen mit geringerem Verkehr, nur sehr selten verwendet. Man ließ diese hochwertigen Signetten im Kasten versperrt und hielt sich nur die gängigeren Werte bei der Hand. War dann ein Erfüllungsstempel z. B. von 100 Gulden auf einer Urkunde anzubringen, so drückte man einfach die 20 Gulden Signette fünfmal nebeneinander auf. Auch noch einen anderen Weg schlug man ein, um sich die Arbeit des Heraussuchens der wohlverwahrten Signettenstöckl zu ersparen, indem man statt den Erfüllungsstempel aufzudrücken einen von den stets bei der Hand befindlichen Vorratsstempelbogen des entsprechenden Wertes nahm und ihn an die Urkunde anheftete oder dem Akte beilegte. In einem solchen Falle wurde dann dieser leere Vorratsstempelbogen mit einer Bemerkung, etwa
"Zur Abhandlung.....gehörig", versehen.

Stempelämter gab es in Wien, Prag, Brünn, Linz, Graz, Klagenfurt, Laibach, Görz, Krakau und Lemberg.Gebührenwertstufen: 3 kr. 6 kr. 15 kr. 30 kr. 45 kreuzer. 1 fl. 2 fl. 4 fl. 7 fl. 10 fl. 20 fl. 40 fl. 80 fl. 100 fl. = Gulden

 

mit seiner Unterschrift und seinem Sigill und zu fertigen..
München den 6ten Dezember 1807

 

Ein österr. Erfüllungsstempel über 20 Gulden,
ein auf der Spitze stehendes Quadrat von 23 - 27 mm Seitenlänge, enthaltend spärliche, einfache Verzierungen, sowie Wertangabe und in der oberen Spitze das Stempelamtszeichen schwarz auf weiß, wie hier "P" für PRAG.

 

 

In der Mitte des Quadrates innerhalb eines Kreises in farblosen Prägedruck der österreichische Doppeladler, der im Brustschild (genau wie beim Vorratsstempel) ebenfalls 
die Wertangabe "20" 
und darunter die Jahreszahl "803" (1803) enthält!

 

 

An den königlichen Staatsminister Freiherrn von Hompesch.
Im Auftrag und Vollmacht...

 

 

Das große Bayerische Insiegel des Königs!!

 

 

Unterschrift vom bayr. König = Max Joseph

 

 

zweimal ist dieser Brief in Österreich versendet und bearbeitet worden..!

 

Das Erste mal am 30. Dezember 1807...!

 

KOENIGL : HOMPESCH: LANDTAFEL INSIEGEL.
ist von Stadt zu Stadt eingetragen worden...im Jahre 1807

 

das Zweite mal am 12. Martii 1808..!

 

ist dieser Vorgang auch hier
noch von Stadt zu Stadt eingetragen worden...... im Jahre 1808

 

 

Quelle, Sonderdruck aus "DIE BRIEFMARKE"
Organ des Deutschen Philatelistenverbandes in der Tschechoslowakei,
Ladislav Haus, Stempelsignetten- Katalog von Oesterreich-Ungarn, Prag 1930.

 

Mein besonderer Dank geht an Carsten Mintert aus Solingen 
für seine fachkundigen Erläuterungen zu den Stempelpapieren Österreichs!

 

www.stempelpapier.de