Ein weiterer Höhepunkt für die Fiskal-Philatelie Bayerns:

Der bis dato völlig unbekannte Anstellungs-Gebührenstempel, 
ein sogenannter Chargenstempel für die General Militärkasse 
- ähnlich dem in Preussen


Bisher waren uns die nur dem König von Bayern vorbehaltenen Gebühren- und sonstige Stempel und die in die bayerisch- militärische Chargenkasse einfließenden Stempelsteuer- Einnahmen unbekannt!

Charge: Charge = Gebühr, Charge = Dienstrang, Charge = Rechtsbelehrung, Charge = Beschuldigung usw. 
z. B. das Chargengeld: 
Chargengebühr, Chargensteuer, in Brandenburg später in Preussen seit 1686, diese Stempelsteuer gab es schon viel früher mit dem königlich brandenburgischen Gnadensigill ab 1628, 
es sind dies die einbehaltenen ersten drei Monatsgehälter neu ernannter Beamter für die zu Anfang erstellte „General Marinekasse“ = genannt Marinegeld, 
danach diente die „Chargenkasse“ Heereszwecken, ab 1721 war sie als „Rekrutenkasse“ zur Anwerbung der „langen Kerls“ bestimmt. 
Als die Höhe der Charge von Fall zu Fall festgesetzt wurde, entstand dabei eine ART – Ämterkauf. 
In Österreich entsprach die Charge der Karenztaxe, 
in Württemberg gab es die – Dienstgelder und – Besoldungsgroschen, die in die Schatulle flossen.
Herkunft: von dem französischen Wort charge mit der ursprünglichen Bedeutung  Last, Ladung. 
Synonyme:  Serie,  Nebenrolle, Charakterrolle,  Amt, Stelle 


Gleichbedeutend wie die Bezeichnung „Recommandiert“ ist der französische Begriff „Charge“
.

Hier also handelt es sich um eine Beförderung, und gezeigt wird von mir hier ein Beförderungsbrief auch Chargenbrief genannt und darin wurde Eingeschrieben die Erhöhung oder die zu erhaltende Pfründe in die Dienstrang- Stammrolle, eben die Charge und es wurde und wird hier also auch Recommandiert, 
es ist eben nur kein postalischer Brief! 

HONI . SOIT . QUI . MAL . Y . PENSE .


  

                                         Nun zum Dokument, dem Chargenbrief!


 

Einleitung: 
Ludwig II. König von Bayern und Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Bayern, Franken und in Schwaben…etc. etc. 
Wir dem rechtkundigen Sekretär beim General- Auditoriat, Regiments Auditeur Maximillian Schleicher…… 
den Charakter als Stabsauditeur allergnädigst zu verliehen geruht haben…... 
so wir ihm gegenwärtiges Decret, um diese Gnade allenthalben beweisen zu können,  unter UNSER allerhöchstnig anförmigen Unterschrift und beigedrucktem und größerem Kriegsministerials Insigel ausgefertigt und zugestellt ………

gegeben zu Hohenschwangau 
den vierundzwanzigsten Dezember Eintausend achthundert, neun und siebenzig 

Original Unterschrift Ludwig II von Bayern




 


Der in blau abgeschlagen Anstellungs- Gebühren Stempel 1879/80, 
der K. (Königlichen) Gen. (General) Milit. (Militär) Kasse. 

Für diese militärische Beförderung hätte der jetzige Stabsauditeur Max Schleicher eine Anstellungsgebühr in die militärische Chargenkassen zahlen müssen, 
aber wie zu sehen, ist diese Zahlung für diese Beförderung nicht erfolgt! 

Es ist kein Gebühreneintrag vorzufinden! 

Der Grund war hier, diese seine Ernennung war mit keiner Besoldungsvermehrung verbunden und daher brauchte Schleicher nichts in die Königliche General Militärkasse bezahlen!

Warum keine Stempelmarken benutzt worden sind, darüber klärt uns eine Verordnung im bayerischen Finanz- Ministerialblatt vom 29. Oktober 1879 auf und die besagt: 

Auf Grund des § 2 der Allerhöchsten Verordnung vom 15. September des Jahres, betreffend die Verwendung von Gebührenmarken (Gesetz und Verordnungsblatt Nr. 63 Seite 1171) wird hiermit bestimmt, daß für Anstellungen und Beförderungen (Besoldungsmehrungen) im Militärdienste (Art. 197 des Gesetzes über das Gebührenwesen vom 18. August 1879) die Gebühren an die Staatskasse bis auf Weiteres nicht durch Verwendung von Gebührenmarken, sondern wie bisher auf dem Wege der Gebühren-Verrechnung zu entrichten sind.

Die gleiche Gebühren- Verrechnung hat für die Verleihung von Würden oder Titeln im Bereiche der Militär-Verwaltung (Art. 199 des Gesetzes und § 1 der Allerhöchsten Verordnung vom 20 September d. Jahres, Gebühren für Würden und Titel betr. Ges.- u- Verord. Bl. Nr. 63 Seite 1193) stattzufinden.


Vollzugsbestimmungen folgen….

München, den 29. September 1879
Von Maillinger und von Riedel 
Der Chef der Central-Abtheilung: Sixt, Oberstlieutnant z. D.
 

 

         



Original Unterschrift Ludwigs!

 

 



Gegeben zu Hohenschwangau den 24. Dezember 1879

 

  



Decret für den als Stabsauditeur charakterisierten Regiments Auditeur Maximillian Schleicher. 

 
Auditeur (frz. [oditör] = „Zuhörer; Zuseher“) war bei Militärgerichten der den Gerichtsherren beigegebene Rechtsgelehrte, welcher bei Untersuchungen das Technische des Rechtsgangs leitet, jedoch weder richterliche Befugnisse noch diejenigen eines Anwalts hatte. Im Deutschen Reich stand ein Generalauditeur an der Spitze des ganzen Militärjustizwesens. Außerdem gab es Korpsauditeure, Divisions-, Gouvernements- und Garnisonsauditeure.

 

 



Auf seiner Königlichen Majestät allerhöchsten Befehl, 
Der Chef der Central Abtheilung Sixt 
Oberlieutenant z. D

 

 



Inschrift königliches Insiegel:
K. M.  LUDOVICUS II DIE GRATIA REX BOIOARIAE S. E.


 
Philatelistisch Charge = 
Chargé <fr.; Part. Perf. von charger (une lettre) "(ein Dokument eine Beförderung einen Beförderungsbrief) darin die Erhöhung einschreiben lassen">: es wurde Eingeschrieben, in die Dienstrang- Stammrolle!!

 
Fazit aus meiner Sicht:  

Das Wort „Charge“  ist nicht nur ein Bestandteil der Postalischen Philatelie,
nein, 
auch in der Fiskalischen Philatelie ist dieses Wort ein fester Bestandteil der fiskalischen Stempelkunde / Stempelforschung und dieser Begriff wurde schon seit 1628 / 1654 / 1686 vom brandenburgischen Kurfürst und auch später vom preussischen König für alle einzutragenden Standeserhöhungen, Dienstränge und Beamtenstellen bzw. sonstige Pfründe vom Staat,  manchmal mit bis zu drei Monatsgehältern wie oben zu lesen ist, für die Chargenkasse und für die vom ihm zu erteilenden Chargenbriefe benutzt und auch angewendet!


Siehe auch meinen Artikel 
Eine Sternstunde der Fiskal-Philatelie: Highlights für Preussen aufgefunden!

 
 

Quellen: 
- Das Stempelpapier Handbuch Essay über Preussen 2008, von Wolfgang Morscheck Bad Säckingen
- Wikipedia freie Enzyklopädie
- Das Dokument wurde mir freundlichst zur Verfügung gestellt von Gunter Wagner Filderstadt,
  dafür und für all die vielen anderen Dokumente
möchte ich mich nochmals bedanken!
- Mit dem Zehnten fing alles an, von Uwe Schulz
- Infos zur Ausarbeitung von Hans Renn Köln, diesem Danke ich sehr für seine unermüdliche Hilfe
  in Sachen Fiskal - Philatelie Bayerns!

 

www.stempelpapier.de