Auch das gab es: 
Ein irrtümlich falsch ausgestellter Reisepass aus Ansbach…
aber die Stempelgebühr ist trotzdem cassiert worden!

 

 

Das Fürstentum Ansbach wurde zwar mehrfach in Personalunion mit dem Fürstentum Kulmbach (bzw. seit 1604 Bayreuth) regiert (1495-1515, 1557-1603 und 1769-1791), es blieb aber bis zum Ende des alten Reiches ein staatsrechtlich eigenständiges Territorium. 
Mit dem Fürstentum Bayreuth wurde es 1791/1792 an den peußischen Staat angegliedert und mit diesem zusammen als Ansbach-Bayreuth zunächst von Karl August von Hardenberg gemeinsam verwaltet. 
Noch vor der Niederlage Preußens im vierten Koalitionskrieg fiel es 1806 durch einen von Napoleon erzwungenen Gebietstausch mit dem Wittelsbachischen Herzogtum Berg an das Königreich Bayern.

 

 



Falsch ausgestellter Reisepass auf den Namen:
Nehemias Kallman, dann geändert auf den Namen: Jacob Lazarus 

 




Bayerischer Gebührenstempel aus dem Stempelamt Ansbach von 1810
über 3 Kreuzer mit Umschrift Im Stempel = Ansbach.

 

 





Bemerkung des Stempelamtes am Ende:
„Ist cassiert worden, da die Ausfertigung unrichtig geschehen.“ 

 

Ja der Reisepass ist cassiert worden, denn ein verschriebenes Stempelpapier, damit wurde dieser Pass ja ungültig, musste an das auszustellende Stempelamt zurück gegeben werden. 


Diese Vorkommnisse sind in der Stempelpapier Verordnung gesetzlich geregelt 
und darin heißt es wörtlich: 

„ Wenn jemand ein Stempelpapier verdirbt, so kann das verdorbene Papier bey dem Stempelamte übergeben, kassiert, und das zur Umschreibung erforderliche reine Papier, oder das umgeschriebene Instrument mit vorgelegt werden, wonach die neue Siegelung ohne weitere Bezahlung geschieht.“

 

 



Veröffentlichung der  Stempelordnung von 1805 im Jahre 1809
 
 

Also wurde beim Stempelamt das verdorbene, alte Stempelpapier cassiert und  zurück genommen bzw. gegen ein neues umgetauscht, und danach wurde das alte Papier an das Hauptstempelamt zurückgesandt. 

Daher erscheint auf diesem Dokument der Vermerk unten handschriftlich:
„Ist cassiert worden, da die Ausfertigung unrichtig geschehen!.

 
Daß dieses Dokument als „kassiert“ angesehen wurde, besagt, 
daß es damit für eine weitere Verwendung unbrauchbar gemacht, also vom Staat zurück genommen wurde! 

Und sollte der Verursacher ein neu gefertigtes, reines Stempelpapier mit zum Stempelamte bringen, so wird das unbrauchbare einbehalten und das neue kostenlos mit der gleichen Gebührentaxe = 3 Kreuzer, gestempelt!

 
Nur, daß der eigentliche Gebührenstempel, die 3 Kreuzer Ansbach,
dabei nicht entwertet wurde, das war so nicht gesetzeskonform!

 
 

 

Wasserzeichen im Papier die Regensburger Schlüssel,
und die Namenskürzel des Papiermachers = GAW

 
 

Quelle: 
- Handbuch über den Stempelpapier- Impost aus den Markgraftümern- Fürstentümern 
Brandenburg- Ansbach und Bayreuth, von Wolfgang Morscheck Bad Säckingen 2004,
sowie eine revidierte Fassung von 2008 

Und wie immer bin ich  Hans Renn aus Köln dankbar für seine unermüdliche Hilfe 
beim Auffinden des gezeigten Verordnungstextes!

www.stempelpapier.de