Das bis heute älteste, von mir aufgefundene, Stempelpapier aus dem Churfürstentum Brandenburg mit einem Gebührenwertstempel, der in der Verordnung von 1682 zwar angemerkt ist, aber bis zum heutigen Tage noch nie  (auch nicht in den aufgefundenen Aktenbelegstücken) aufgezeigt werden konnte!



Martin Erler nannte sein Handbuch Essay = Revenue Stamped Papers of Prussia,
obwohl die Stempelpapiere überwiegend aus dem Kurfürstentum  Brandenburg kamen,
und das Preussen, welches wir meinen, als Königreich, das gab es ja erst ab 1701!
Das Stempelpapier mit den Schwarzstempeln, die gibt es aber schon seit 1682!



 

Zur Geschichte Friedrich III.

 

Der Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg war noch unter dem Namen Friedrich VI. Burggraf von Nürnberg und als Friedrich II. Herzog von Preußen anzusprechen.

Er regierte in Personalunion das Herzogtum Preußen, das kein Teil des Reiches war, und das Kurfürstentum Brandenburg mitsamt einigen weiteren Besitzungen, die im Reich verstreut lagen. Am 9. Mai 1688 starb sein Vater, der „Große Kurfürst „ Friedrich Wilhelm I. Entgegen der seit 1473 festgeschriebenen Einheit des Kurfürstentums Brandenburg hatte der Verstorbene testamentarisch verfügt, dass nun eine Aufteilung der Herrschaft unter allen 5 noch lebenden Söhnen zu erfolgen hatte. Der Kurprinz Friedrich, der älteste Sohn aus erster Ehe konnte und wollte dies nicht akzeptieren. Langwierige Verhandlungen und ausführliche Rechtsgutachten waren die Folge dieses Testaments. Schließlich konnte der Kurprinz als Friedrich III. sich 1692 gegen seine Geschwister durchsetzen und die Einheit Brandenburgs bewahren.

Neu war sein Regierungsstil. Sein Vater hatte noch alle Fragen selbst entschieden. Friedrich III. übertrug als eine seiner ersten Amtshandlungen die Führung der Regierungsgeschäfte an Eberhard von Danckelmann.

Bauwesen, Kultur, Bildung und Kunst wurden von Friedrich mit dem Ziel gefördert, die Ebenbürtigkeit mit den großen europäischen Mächten zu erreichen. Er begründete 1696 die Vorgängerorganisation der Akademie der Künste und stiftete 1694 die Universität Halle sowie 1700 die spätere Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften. Er ließ die Königliche Bibliothek erweitern und zog bedeutende Wissenschaftler und Künstler nach Preußen.

Berlin entwickelte sich in seiner Regierungszeit zu einer prächtigen barocken Residenz. Andreas Schlüter realisierte den Umbau des Berliner Stadtschlosses. Daneben entstanden ab 1694 das Zeughaus und 1703 das Schloss Monbijou. Von 1695 bis 1699 wurde am Schloss in Lietzenburg, dem späteren Charlottenburg, gebaut. 1695 begann der Bau der Parochialkirche. Schließlich wurden 1701 die beiden Dome auf dem Gendarmenmarkt begonnen.

Die Regierungszeit Friedrichs muss zu den wichtigeren Abschnitten in der Kulturgeschichte von Brandenburg gerechnet werden. Die Kehrseite dieser Medaille war allerdings eine zu starke Beanspruchung der Finanzen des mit Ressourcen nicht so reich gesegneten Staates. Die in Personalunion geführten Länder Brandenburg und Preußens waren den Ansprüchen seines Herrschers nicht ganz gewachsen.

Dann kam es noch 1697 zur Aufdeckung von Misswirtschaft und Skandalen. Danckelmann wird entlassen und kommt in Haft. Regierungschef wurde Graf Johann Kasimir Kolbe von Wartenberg mit den Ministern Graf Wittgenstein und Graf Wartensleben. 

Dieses Kabinett der drei Grafen musste den stetig wachsenden Finanzbedarf des Herrschers auftreiben. Steuererhöhungen und neue Steuern waren ihr Rezept. Die führten aber zu einer Verarmung breiter Kreise.

Außenpolitisch unterstützte Friedrich III. 1688 Wilhelm von Oranien bei der Landung in England. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg von 1688 bis 1697 beteiligte es sich mit brandenburgischen Truppen an der großen Allianz gegen Frankreich und war 1689 bei den Belagerungen von Kaiserwerth und Bonn in vorderster Linie zu finden.

Seit 1696 ging der Kurfürst Friedrich III. mit der Idee einer Rangerhöhung zum König schwanger. Im Hintergrund ging es ihm auch um eine Klammer für das zerrissene Herrschaftsgebiet. Gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Sophie Charlotte von Hannover arbeitete er für dieses Ziel. Erste Sondierungen am Wiener Hof des Kaisers Leopold I. riefen dort allerdings heftige Ablehnung hervor.

Aber nach dem Tod des spanischen Königs Karl II. am 1. November 1700 kam es zu Konflikten der europäischen Mächte um die spanische Thronfolge. Die Habsburger brauchten Verbündete und der Kurfürst Friedrich III. wollte die Königswürde. 

Nach Verhandlungen gab 1700 der Kaiser Leopold I. seine Zusage, allerdings mit erheblichen Auflagen verbunden. 

Aus dem Kurfürsten Friedrich III. wurde der König Friedrich I. in Preußen.

 

 

Die Stempelpapier- Edikte von 1682 – 1695


 
Zu Cölln an der Spree, den 10ten Maji, Anno 1695!

 

  



Pergament mit angehängter Siegelkapselrolle

 



Hochherrschaftlich Insiegel 
des Churfürsten von Brandenburg,
mit dem Wappen des Gesamthauses Brandenburg




 

 
Lehnbrief über die Criminal Jurisdiktion zu Mörmpter 
de anno 1698 = 22. Januar:
pro
Elbertin. Johan. Maria 
verwitibte Freifr. von Quadt
geboren von und zu der v. Hoeven

  

Inhalt vom Pergament:

Kurfürst Friedrich III. (ab 1701 als erster preussischer König dann Friedrich I.) bestätigt dem Hofgerichtsadvokaten Matthias Knops die Übernahme der Criminal Jurisdiktion über das Haus Mörmter, die dieser nach dem Tod des Stephan Vincenz Freiherrn von Quadt von dessen Witwe Elbertina Johanna Maria v. Hoeven übernahm. 

Mit anhängendem Siegel in einer Kapselrolle, 
dem frühesten Taxstempel "6"  „G“ = Groschen,
signiert von Conrad von der Reck – 
dieser erscheint auf einem späteren Dokument auch als preussischer Regierungspräsident auf. 

 



Wir Friedrich der Dritte von Gottes Gnaden Marggraf zu Brandenburg…. 

 


…  des Heil: Römischen Reichs  …

 



Unterschrift: Conrad von der Reck.

 

 



Einer der ersten Gebührenstempel, der vom Haus Brandenburg ab dem Jahr 1682
in Vollzug gesetzt worden ist.

Es handelte sich hierbei um den Brandenburgischen Adler mit einem Herzschild. Und dieses ist mit einem Zepter belegt worden, den Insignien der Macht des Churfürsten von Brandenburg, der sich nun anschickt, 
König von Preussen zu werden.


 

Diese Wertbezeichnung war im Kurfürstentum Brandenburg
6 G(roschen). also solche der obersächsischen Währung, 
jeder Groschen zu 12 Pfennig, 
und 24 Groschen auf den Reichstaler gerechnet. 
Diese Groschen wurden (zur Unterscheidung von anderen Rechnungseinheiten) auch "Gute Groschen" genannt.

Demnach wurde das mir vorliegende Dokument also im Auftrag des Empfängers in Luxusausführung hergestellt und war deshalb mit einer höheren Stempelgebühr (6 [Gute] Groschen = 72 [Gute] Pfennig) belegt.
 

Im Stempeledikt von 1695 ist nur von Papier die Rede zu 18 Pfennig und von
3 Groschen pro Bogen. Und bei besonders und extra langen Dokumenten muss ein Bogen mit dem Churhutstempel über 12 Groschen um diese Akte geschlagen werden!

Das Pergament war doppelt zu bezahlen, statt 3 Groschen nun 6 Groschen wie in der Verordnung von 1682 angemerkt!


Deshalb steht Martin Erlers erste Abbildung vom 6 Groschen Adlerstempel in seinem Handbuch = Revenue Stamped Papers of Prussia von 1988 an falscher Stelle:
das kann ja, wie wir hier nun sehen, nur ein Pergamentstempel sein;  und ein solcher steht sowieso nicht in den Edikten bis 1698 und auch nicht im Zusammenhang mit den Katalog-Nummern 1 bis 3! 
Dieser sollte eine gesonderte Katalognummer erhalten, nämlich Nr. 4!


  


Ein sog. Aktenbelegstück = also Musterstempel,
als Anhang aus dem Edikt von 1701

 

Da ist links oben der Kronenstempel zu 12 Groschen, daneben der Adlerstempel zu 18 Pf. (Pfennig) und daneben der 3 ggl = Gute Groschen Adlerstempel mit der Punktschleife nach „g“ gut zu erkennen!

Darunter folgt der Zepterstempel zu 4 Pfennig und rechts unten der Kontrollstempel zu allen anderen Gebühren- bzw. Taxstempeln,
mit  umlaufendem „FR“ unter den vier Kronen = Friedrich Rex König von Preussen! 
In der Mitte der Brandenburgische Adler mit Zepter und Reichsapfel., eigentlich auch die Insignien des deutschen Königs und Kaiser aus dem Hause der Habsburger!

 

 

Der Numismatiker Dr. Gerhard Schön beantwortete mir verschiedene Fragen zur Numismatik

und ich erlaube mir, einige in diesem Zusammenhang geschichtlich relevante Passagen aus seinem Brief an mich zu zitieren:


... Herr Morscheck,
vielen Dank für die weiteren Abbildungen der brandenburgischen Gebührenstempel.
Ich nehme an, dass die genannten Verordnungen über das Stempelpapier von Berlin
aus erlassen worden sind? 

(eigene Anmerkung: Nein, das Edikt kam 1695 aus Cölln an der Spree (
Berlin gab es zu der Zeit noch nicht als Regierungssitz)).

An dem Adlerstempel zu 18 Pfennig ist wieder zu ersehen, dass nicht die Währung in Preußen (dann hätte man 1 Groschen schreiben können), sondern die in Brandenburg gemeint ist (18 Pfennig war hier 1½ Groschen). 
Auf den Gebührenstempeln von 1701 sind es also Gute Groschen zu je 12 Guten Pfennigen.

Was den Adler auf dem Kontrollstempel (und noch heute im brandenburgischen
Wappen) betrifft, so stammt er vom Geschlecht der Askanier. Das Szepter im
Regalienschild bezieht sich auf das Amt der Kurfürsten von Brandenburg als
Erzkämmerer des Heiligen Römischen Reiches. 

Interessant ist zu sehen, wie Friedrich III./I. nach der Annahme des Titels eines "Königs in Preußen" auf seinen Münzen im Regalienschild (etwa den 1/12 Talern, Brandenburg S#8) weiterhin dieses Szepter verwendet, dem Adler als königlichem Hoheitszeichen allerdings sein Monogramm F(ridericus) R(ex) auf die Brust und ein anderes Szepter (nicht des Reiches, sondern mit dem preußischen Adler besetzt) und einen Reichsapfel (wiederum nicht den des Reiches, sondern ein preußisches Pendant) in die Krallen gibt.

Bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation 1806 war
freilich das Königreich Preußen (mit seiner Residenzstadt Königsberg) juristisch
Ausland und hatte der preußische König als solcher keinen verfassungsmäßigen
Einfluss im Reich. Nachdem der Kaiser als Reichsoberhaupt auch den Titel eines
römischen Königs führte, konnte kein Fürst einen eigenen Königstitel innerhalb
des Reiches erlangen (von Böhmen mal abgesehen). Deshalb konnte die Königswürde
damals nur für auswärtige Territorien erworben werden, etwa Großbritannien,
Schweden, Polen und eben Preußen. Ihre rechtliche Stellung im Reich verdankten
die preußischen Könige ausschließlich ihrer Eigenschaft als Kurfürsten zu
Brandenburg. Erst nach 1806 konnte umbenannt werden und auch die auf Reichsgebiet
liegenden Besitzungen (einschließlich Brandenburg) in einen Gesamtstaat mit dem
Namen Preußen einbezogen werden und Berlin zu dessen Hauptstadt gemacht werden.

Ende der Zitate!

 



Das nenne ich Fiskalphilatelie pur!

Da nützt es wenig, sich mal so nebenher die Fiskalphilatelie einverleiben zu wollen, selber aber nur rein Postalisch - Philatelistische Bücher zu verfassen und vor der Briefmarken- und Vorphila-Sammlerschaft so zu tun, als wenn damit alles gesagt wäre!

Dazu gehört doch etwas mehr, als altgediente Briefmarken Sammler nach Hintergrundwissen zur Fiskalphilatelie abzufragen! 



Im Zusammenhang mit den Quellen verweise ich auf mein Handbuch: 

- Handbuch zum Stempelpapier- Impost aus der Markgrafschaft Brandenburg und dem Königreich Preussen, von Wolfgang Morscheck Bad Säckingen 2008. 

Das Dokument wurde mir freundlichst von Gunter Wagner Filderstadt zur Verfügung gestellt, 
vielen Dank dafür!  

Die weiterführenden Währungsinformationen habe ich freundlichst von Herrn Dr. Gerhard Schön,
dem deutschen Buchautor und einem Numismatiker von Weltrang (!), erhalten.


www.stempelpapier.de