Ein Kondominatsbesitz

Die Vordere und die Hintere Grafschaft Spohnheim




und der bisher aufgefundene Stempelpapier- Impost

 

Kondominats - Besitzungen

Unter das Kondominat, der (lat.) auch Kondominium genannt, bemerkt der Herder von 1933 = Miteigentum, gemeinschaftliche Ausübung der Gebietshoheit durch mehrere Staaten. Unstimmigkeiten führen meist zu baldiger Auflösung des Kondominates. Die Ausdrucksweise entspricht nicht der modernen Rechtsauffassung, zutreffender ist die Bezeichnung Koimperium =

(Mitherrschaft). In neuerer Zeit z. b. in 1933, zwischen Großbritanien, Ägypten und dem Sudan.

 

Die Geschichte dieses Kondominiums zwischen den Pfalzgrafen bei Rhein und dem Markgrafen von Baden ist von W.Dotzauer ausführlich behandelt worden, seine Darstellung dient im Folgenden als Leitfaden für Herrn Mötsch. Ich stelle diese Abhandlung von Johannes Mötsch vorne an, weil sie mir die gelungenste erscheint und aus vielen Abhandlungen anderer Autoren über dieses Gebiet entstanden ist. Es macht den Text von Herrn Nahmer erfahrbarer, der alle Orte und Herdstellen aufgezählt hatte und diese wiederum zur Zuordnung von Stempelpapieren sehr zweckdienlich ist.

 

Die vordere Grafschaft Spohnheim.

Gemeinsherren der Grafschaft waren 1437 der Kurfürst Ludwig IV. mit zwei Fünfteln sowie Markgraf Jakob von Baden und Graf Friedrich von Veldenz mit Eineinhalb Fünfteln; an dessen Stelle des Grafen von Veldenz trat 1444 dessen Enkel Pfalzgraf Friedrich von Simmern. Durch den Besitz zweier Anteile und aufgrund seiner Stellung in der Reichsverfassung hatte der Kurfürst von Anfang an ein Übergewicht. Der letzte Graf von Spohnheim hatte über lange Jahre versucht, umstrittene Rechte als Teile der von ihm ganz besessenen Hinteren Grafschaft zu reklamieren und so dem kupfälzischen Einfluss zu entziehen. Seine Erben mussten 1440 der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands zustimmen.

Als Folge einer militärischen Niederlage gegen Kurfürst Friedrich I. bei Seckenheim (1462) und anschließender Gefangenschaft musste Markgraf Karl von Baden am 6. März 1463 seine Anteile an der vorderen Grafschaft Spohnheim, zu der auch die Anteile an Neu - Bamberg und Landstuhl gerechnet wurden, mitsamt den Lehns- und Burgmannen an Kurpfalz verpfänden; Pfalzgraf Friedrich von Simmern gab dazu seine Zustimmung.

Wie die folgenden Jahre (Verpfändung der Hinteren Grafschaft) zeigen, waren die finanziellen Probleme des Markgrafen dadurch allerdings noch nicht gelöst. Die Lehnsmannen beider Grafschaften waren zunächst von Graf Friedrich von Veldenz (gest.1444) und schließlich dann von Markgraf Jakob (gest. 1453) und schließlich von Pfalzgraf Friedrich von Simmern (gest. 1480) belehnt worden. Da 1463 auch die Mann- und Burglehen mit verpfändet worden waren, ging die Vergabe der Lehen 1480 an Kurpfalz über; " ältester Graf " in der Hinteren Grafschaft aber war nunmehr Markgraf Christoph von Baden. Daher war es notwendig, die große Menge der spohnheimischen Lehen, die seit 1417 von einer Hand vergeben worden waren, in solche von der Vorderen und von der Hinteren Grafschaft zu scheiden. Dies erfolgte durch Vertrag vom 28. Mai 1482, in dem die Lehnsmannen namentlich aufgezählt wurden. Zwischen den verbliebenen Gemeinsherren aus dem pfalzgräflichen Hause kam es immer wieder zu Streitigkeiten, die im August 1497 von Räten beider Seiten beigelegt wurden. Seit dem Mai 1500 versuchte Pfalzgraf Johann von Simmern, das 1422 vom letzten Grafen an Kurpfalz verpfändete Fünftel auszulösen. Obwohl der Wortlaut der Verpfändungsurkunde eindeutig war, versuchte Kurfürst Philipp, die Auslösung mit Hinweis auf formale Mängel des Ersuchens hinauszuschieben. Am 4. April 1503 gestand er dem Vetter allerdings eine Lösung des Pfandes mit der Summe von 20000 Gulden zuzüglich inzwischen entstandener Baukosten zu. Im Hintergrund stand die Beteiligung des Kurfürsten am Landshuter Erbfolgekrieg, die große Summen erforderte.

Die, Pfalzgräfin Elisabeth, Tochter des Kurfürsten Philipp, war in erster Ehe mit dem Landgrafen Wilhelm III. von Hessen (gest. 1500) verheiratet gewesen und besaß aus dieser Ehe ein umfangreiches

Wittum = (laut Herder 1933, (das; im germanischen Recht das an Stelle des ursprünglichen dem Muntherrn (Vormund, Vater) der Frau zufallenden Kaufpreises vom Mann der Frau zu Eigentum oder als Witwenversorgung verschriebene, später den Kindern zukommende Gut (Güter oder Nutzungen),

zu dem u.a. Darmstadt gehörte. 1503 heiratete sie den Markgrafen Philipp von Baden, einen Sohn des Markgrafen Christoph, der Gemeinsherr der Hinteren Grafschaft Spohnheim war und dem an den Anteilen der Vorderen ein Lösungsrecht zustand. Durch Vertrag vom 22. Januar 1508 wurde geregelt, dass die von den Erben des Landgrafen von Hesssen für das Wittum gezahlte Lösungssumme auf die Vordere Grafschaft Spohnheim angelegt werden sollte. Die Pfalzgräfin Elisabeth und Markgraf Philipp als deren Ehemann wurden so Inhaber der bis 1463 badischen Anteile der Vorderen Grafschaft Spohnheim. Gemeinsame Kinder waren erbberechtigt. Die seinerzeit vom Markgrafen Karl ausgestellte Verpfändungsurkunde wurde dessen Sohn Markgraf Christoph übergeben. Weitere Details wurden an den darauffolgenden Tagen vertraglich geregelt. Zu diesem Zeitpunkt war der Pfalzgraf von Simmern noch im Besitz von Zweieinhalb Fünfteln an der Vorderen Grafschaft Spohnheim. Wenig später scheint auch eine Hälfte des 1503 von Pfalz - Simmern ausgelösten Fünftels an Baden gekommen zu sein. Die vertragliche Basis dazu hat sich nicht ermitteln lassen; möglich ist ein Tausch des halben Fünftels gegen die badischen Anteile an bestimmten Burgen und Schlösser; Schloß und Tal Gemünden etwa waren 1514 zu vier Fünfteln in die Hand des Pfalzgrafen Johann, das restliche Fünftel gehörte Kurpfalz.

Wie vom letzten Grafen vorgesehen, hatte nun Pfalz - Simmern und Baden je zwei Fünftel, Kurpfalz ein Fünftel inne. Am 7. Februar 1509 bekundete Markgraf Phillipp, dass Kurfürst Ludwig V. ihm die seit 1481 von seinem Vater wegen der Vorderen Grafschaft Spohnheim empfangenen Lehnsreverse übergeben habe. Am 4.Februar 1514 verkauften Kurfürst Ludwig V. und Pfalzgraf Johann von Simmern, denen ein bzw. vier Fünftel von Schloß und Tal Gemünden gehörten, diese an Friedrich von Schmidtburg und seine Erben. Ein Rückkaufrecht blieb zwar vorbehalten, jedoch ist die Herrschaft Gemünden bis zum Ende des 18. Jahrhunderts im Besitz der Schenken von Schmidtburg geblieben. Diese Familie hatte von 1553 bis 1554 kurzfristig auch die beiden simmerischen Fünftel des Amtes Koppenstein inne, die 1554 von Baden ausgelöst wurden; 1564 gab Markgraf Philibert sie an den nunmehrigen Kurfürsten Friedrich III. gegen Zahlung des Pfandschillings zurück.

Markgraf Philipp I. von Baden starb am 17. September 1533; seine Ehefrau; Pfalzgräfin Elisabeth, war ihm bereits 1522 vorangegangen. Die beiden ehemals badischen, dann kurpfälzischen und seit 1508 im Besitz dieser Eheleute befindlichen Fünftel der Vorderen Grafschaft kamen auf dem Erbweg an die einzige überlebende Tochter, die mit Herzog Wilhelm IV. von Bayern verheiratet war. Die Markgrafen Bernhard IV. und Ernst von Baden, die unter sich uneins waren, verhandelten mit dem Herzog. Durch Vermittlung des Kurfürsten Ludwig V. von der Pfalz kam es 1534 zu einer Einigung. Nach Zahlung von 46 000 Gulden Pfandschilling kam Markgraf Bernhard IV., Gründer Linie Baden - Baden, in den Besitz von zwei Fünfteln der Vorderen Grafschaft; am 8. Oktober 1534 beschwor er in Kreuznach den Burgfrieden.

In diesen Jahrzehnten entschied sich aufgrund persönlicher Entscheidung der Landesherrn, die 1555 auch reichsrechtlich verbindlich gemacht wurde, die künftige Konfession der Territorien des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Markgraf Bernhard IV. (gest. 1536) und sein Sohn Philibert (gest. 1569) waren Protestanten; allerdings war Philibert bis 1557

unmündig. Maßgebend war daher die Stellung der Pfalzgrafen zur Reformation. Pfalzgraf Johann II. ( gest. 18. Mai 1557) war bis zum Tode Katholik, sein ältester Sohn Protestant, ebenso Kurfürst Ottheinrich. Dieser bezog 1556 Kreuznach in die kurpfälzische Visitation mit ein; der Pfalzgraf von Simmern stimmte zu. Dies hat die endgültige Hinwendung der Vorderen Grafschaft zur Reformation, die unter den Einwohnern schon lange Anhänger hatte, eingeleitet.

Am 10. Juni 1557 beschwor der mündig gewordene Markgraf Philibert von Baden den Burgfrieden der Vorderen Grafschaft Spohnheim. Am gleichen Tag wurde durch Vertrag mit Pfalzgraf Friedrich II. von Simmern die Definition des Begriffes " ältester Graf " die die Beinheimer Entscheid von 1425 verwendet hatte, auf Dauer festgeschrieben. Sie stand dem zu, der zuerst in die Gemeinschaft eingetreten war, nicht dem an Jahren älteren. Markgraf Philibert, geboren 1536, war im Alter von fünf Monaten seinem Vater als Gemeinsherr gefolgt, der 1515 geborene Pfalzgraf aber erst im Mai 1557. Allerdings sollte der " älteste Graf " künftig die Mannen der Grafschaft auch im Namen des Mitherrn belehnen.

Mit Ottheinrich erlosch am 12. Februar 1559 die Kurfürstliche Linie der Pfälzer Wittelsbacher. Die Kurwürde fiel an Pfalzgraf Friedrich von Simmern; er vereinigte nunmehr die beiden Fünftel seiner Linie mit dem Erbfünftel der Kurpfalz. Allerdings wurde das Erbfünftel nacheinander an Friedrichs jüngere Brüder Georg (gest. 1569 = und Reichard (gest. 1598) als Apanage ausgegeben. Durch Vertrag vom 25. Januar 1560 schriebe der Kurfürst und Markgraf Philibert diese Regelung fest. Die Urkunde ging auch auf das weitere Schicksal der Hinteren Grafschaft ein.

Aus dem Jahr 1565 datiert die badische Zustimmung zur Reformation der Kirchen und Klöster in der Vorderen Grafschaft Spohnheim. Die Klöster und Stifte, allen voran das alte Hauskloster Spohnheim, wurden aufgehoben.

Anm. : so ist geschichtlich gesehen eine Säkularisation von kirchlichen Gütern in 1565 und die von 1803 durch Napoleons Allmacht mit dem Reichsdeputationshauptschluß , als nichts Neues oder Überraschendes mehr anzusehen. Kaiser Joseph II. hatte es in seinen Stammländern auch schon vorgemacht. Als er wegen Mangel an Geld, sprich Überschuldung, sich die kirchlichen Pfründe und angehäuften Sachwerte aneignete.

Das dem Kloster bisher zustehende Dorf Auen kam an die Vordere Grafschaft.

Am 17. Juni 1588 starb kinderlos Markgraf Philipp II. von Baden, einziger Sohn des Markgrafen Philibert. Ihm folgte sein Vetter Markgraf Eduard Fortunatus, der durch hemmungslose Schuldenmacherei 1594 die obere Markgrafschaft ( Baden - Baden ) an den Vetter Markgraf Ernst Friedrich aus der Durlacher Linie verlor. Durch Vertrag mit dem Pfalzgrafen Karl von Birkenfeld, seinem Gemeiner in der Hinteren Grafschaft, verlegte er 1595 seine Residenz nach Kastellaun. Für die umfangreichen, stetig steigenden Schulden Eduards gegenüber Kurpfalz wurden Einkünfte aus dem badischen Anteil der Vorderen Grafschaft angewiesen, die den Einfluss des Kurfürsten immer mehr vergrößerten und nach dem Tod des Markgrafen (18. Juni 1600) zur Annexion der Anteile durch Kurpfalz führten. Als Begründung wurde angegeben, ein rechtmäßiger badischer Sukzessor stehe nicht fest. Der Markgraf war mit einer Dame unebenbürtiger Herkunft verheiratet gewesen; darüber hinaus wurde die Rechtmäßigkeit der Eheschließung angezweifelt.

Durch Urkunde vom 27. August/ 6. September 1610 verschrieb Kurfürst Friedrich IV. seinem jüngeren Sohn Ludwig Philipp neben dem Fürstentum Simmern, wie es zuvor die Pfalzgrafen Georg und Reichard innegehabt hatten, die Städte Kreuznach mit Zubehör (d.h. den entsprechenden Ämtern der Vorderen Grafschaft) auch die beiden Fünftel, die in kurpfälzischen Händen waren, bis ein rechtmäßiger badischer Nachfolger feststehe.

Erst die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges haben den Markgrafen von Baden - Baden wieder in den Besitz von zwei Fünfteln der Vorderen Grafschaft Spohnheim gebracht. Dies aber war mit unendlichem Leid für die Bevölkerung verbunden, die den Soldaten - Feinden wie " Freunden " - wehrlos ausgeliefert war.

Ende August 1620 besetzten die Spanier Kreuznach. Am 26. August 1622 wurde Markgraf Wilhelm, Sohn Eduard Fortunatus, in den Besitz der oberen Markgrafschaft (Baden - Baden) eingesetzt; später folgte der Anteil an den Grafschaften Spohnheim; am 21. November 1622 nahm ein Beauftragter Wilhelms in Kirchberg die Huldigung der vorderspohnheimischen Ämter entgegen. Zwischen dem Dezember 1631 und dem Februar 1632 waren die Ämter Kirchberg und Kreuznach in den Händen der Schweden; Pfalzgraf Ludwig Philipp von Simmern war für einige Zeit alleiniger Landesherr der Vorderen Grafschaft; allerdings wurde Kirchberg im März 1632 wieder von den Spaniern, Kreuznach Ende 1635 von den Kaiserlichen besetzt. Baden - Baden erhielt seine beiden Fünftel zurück, die kurpfälzischen Anteile wurden von kaiserlichen Beauftragten verwaltet. Von November 1639 bis Mai 1641 war das Amt Kreuznach in den Händen der Franzosen; es folgten erneut die Spanier, bis Ende 1644 nach einer zweiten französischen Besetzung Pfalzgraf Ludwig Philipp auf Dauer in Possession kam. Nach Kriegsende versuchten beide Seite, ihre Ansprüche durchzusetzen. Ab Januar 1652 wurde in Kreuznach verhandelt. Am 4./14. Dezember1652 kam es zu einer ersten Einigung, die vor allem die Religionsausübung betraf. Fortan waren in Kreuznach Franziskaner und Karmeliter ansässig; eine Pfarrei allerdings durfte nicht eingerichtet werden; in Kirchberg war Katholischer Gottesdienst nur an Sonn - und Feiertagen im Hause des badischen Truchsessen gestattet; die Präentationsrechte für reformierte Lehrer und Geistliche standen allein dem Pfalzgrafen zu. Ein zweiter Vertrag datiert vom 1./ 11. Juni 1653. In der Folge erhielt Kurpfalz das Erbfünftel zurück; nach dem Tode des Pfalzgrafen Ludwig Philipp (8. Jan. 1655) kam es zu Streitigkeiten zwischen Kurpfalz und Pfalz - Simmern. Zwischen Kurpfalz und Baden strittige Punkte wurden durch Vertrag vom 14./24. Oktober 1661 ausgeräumt. Am 24. Dezember 1673 (3. Jan. 1674) erlosch mit dem Tod des Pfalzgrafen Ludwig Heinrich die Simmerner Linie. Kurpfalz war von nun an wieder im Besitz von drei Fünfteln der Vorderen Grafschaft.

Nachdem mit dem Kurfürsten Karl II. auch die Kurlinie erloschen war, kam es zum Pfälzer Erbfolgekrieg; der u. a. auch Kreuznach Krieg und Zerstörung brachte (1689). Die Pfalzgrafen von Neuburg, die die Kurwürde erbte, war katholisch, so dass von nun an für Jahrzehnte die reformierte Vordere Grafschaft ausschließlich von katholischen Landesherren regiert wurde.

 

 

 

 

Die Verwaltungen der frühen Neuzeit waren bemüht, einen einheitlichen Untertanenverband zu schaffen. Kondominien wie die Grafschaft Spohnheim bildeten für derartige Bestrebungen ein unüberwindliches Hindernis. Daher bemühte man sich, diese Relikte des Mittelalters einvernehmlich zu beseitigen. Kurpfalz und Baden - Baden verhandelte seit dem Frühjahr 1702 über eine Aufteilung der Vorderen Grafschaft entsprechend den althergebrachten Anteilen (drei Fünftel zu zwei Fünftel). Grundlage bildete die Schatzung der Jahre 1676 bis 1687. Die Verhandlungen wurden am 22. Dezember 1706 abgeschlossen; der Vertrag datiert vom 24. August 1707; Nebenrezesse stammen vom 22. September 1708. Kurpfalz erhielt Kreuznach, Bosenheim,( Pfaffen-) Schwabenheim, Ober- Hilbersheim, Zotzenheim, Langenlonsheim, Gensingen, Hackenheim, ( Frei-) Laubersheim, Siefersheim, Wöllstein/Gumbsheim/Pleitersheim, Rüdesheim,

Hargesheim, Roxheim, Weinsheim, Traisen, Gutenberg, Spohnheim, Bockenau, Auen und Brauweiler. Baden wurden Ämter Kirchberg, Koppenstein und Naumburg sowie aus dem Amt Kreuznach die Dörfer Sprendlingen und St. Johann zugesprochen. Außerdem trat Kurpfalz aus dem Oberamt Simmern die Dörfer Denzen und Reckershausen an Baden ab; der Markgraf erhielt alle Wälder der drei genannten Ämter, dazu einen Teil des großen Soonwaldes; weitere Tauschobjekte lagen außerhalb der Vorderen Grafschaft.

Diese blieb reichsrechtlich weiter bestehen, die Aktivlehen wurden fortan gemeinsam verliehen. Beide Teilhaber hatten künftig im oberrheinischen Kreistag eine Stimme; das zu stellende Reichskontingent war entsprechend den Anteilen zu stellen. Da die Kurpfälzischen Lehen Siefersheim und Frei - Laubersheim an Kurpfalz gefallen waren, wurde die Lehnseigenschaft stattdessen auf die nun badischen Dörfer Sohren und Womrath übertragen. Die kurtrierischen Lehen fielen ganz an Baden. Von den Reichslehen

(u.a. Sohren) war keine Rede mehr; sie wurden als Eigen behandelt.

Beide Teilhaber betrieben auf der Basis ihrer nun allein besessenen anteile in diesem Raum Territorialpolitik.

Durch Vertrag zwischen Kurpfalz und Kurmainz vom 6. Juni 1714 verzichtete der Erzbischof auf alle Ansprüche auf das Amt Böckelheim; er erhielt dafür das Dorf Siefersheim, die Anteile an Wöllstein/ Gumbsheim/ Pleitersheim und ein Viertel von Neu - Bamberg (bisher Vordere Grafschaft Spohnheim) sowie aus dem Oberamt Alzey das Dorf Volxheim.

Das bisherige Amt Böckelheim wurde verwaltungstechnisch als Unteramt dem Oberamt Kreuznach unterstellt; im 18. Jahrhundert erhielt es weitern Zuwachs. Es wurde allerdings dadurch nicht Teil der Grafschaft Spohnheim, die ja reichsrechtlich weiterhin bestand.

Baden erwarb durch Vertrag vom 7. August 1716 von den Grafen von Schönborn deren Hälfte der Herrschaft Martinstein ( Schloß und Tal Martinstein, Seesbach, Weitersborn, Horbach und Weiler ) sowie ein Achtel des Hochgerichts Kellenbach. Burg und Tal Martinstein und das Dorf Seesbach wurden am 7./17. September 1716 durch Kurfürst Lothar Franz von Schönborn (Bruder des Verkäufers) von der kurmainzischen Lehnsbindung befreit. Am 22. September 1716 verzichtete der Wild- und Rheingraf Carl auf die Lehnsherrschaft über das seit Jahrhunderten von seinen Vorfahren rührende Viertel des Dorfes Weiler. Die expansive badische Politik in diesem Raum wurde nach Aufteilung der Hinteren Grafschaft (1766) fortgesetzt. Darauf wird weiter unten im Detail eingegangen.

Das durch den Vertrag von 1708 beendete Kondominat lebte kurzfristig noch einmal auf, als es wegen der 1750 von einer Linie des Hauses Sickingen an Kurpfalz abgetretenen Herrschaft Ebernburg zu Auseinandersetzungen zwischen Kurpfalz und den sickingischen Erben kam. Kurpfalz berief sich dabei auf uralte spohnheimische Rechte. Um diese Rechtspositionen zu verbessern, wurden durch Vertrag vom August/ September 1767 zwei Fünftel dieser Herrschaft an Baden abgetreten; ein gemeinsames Amt wurde eingerichtet. Nachdem eine kaiserliche Kommission zwischen Kurpfalz und Baden einerseits, der Reichsritterschaft und dem Hause Sickingen anderseits geschlichtet hatte (9. Sept. 1771), wurde die badischen Fünftel wieder an Kurpfalz übergeben, Ebernburg wurde Unteramt im Oberamt Kreuznach (6. Nov. 1771). In dieser Form hat die Vordere Grafschaft Spohnheim die französische Besetzung von 1794 erlebt.

 

 

Gemeinsherren der Vorderen Grafschaft ÄG: Ältester Graf

Kurpfalz:

Ludwig III. gest. 1436

Ludwig IV. gest. 1449

Friedrich I. gest. 1476 ( zunächst Vormund; 1451 Kurfürst )

Philipp gest. 1508 ( ÄG 1480 )

Ludwig V. gest. 1544

Friedrich II. gest. 1556

Ottheinrich gest. 1559

Erbe an Linie Pfalz-Simmern

Veldenz bzw. Pfalz-Simmern:

Friedrich Graf von Veldenz gest. 1444 ( ÄG 1437 )

Friedrich I. Pfalzgraf gest. 1480 ( ÄG 1453 )

Johann I. gest. 1509 ( ÄG 1508 )

Johann II. gest. 1557 ( ÄG 1527 )

Friedrich II. (III.), 1559 Kurfürst gest. 1576 ( ÄG 1569 )

Ludwig VI., Kurfürst gest.1583

Friedrich IV. , Kurfürst gest. 1610 ( ÄG 1588 )

Ludwig Philipp zu Simmern) gest. 1655 ( bis 1622 alleiniger Inhaber, ÄG )

Ludwig Heinrich zu Simmern) gest. 1674

Karl I. Ludwig, Kurfürst gest. 1680 ( ÄG 1677 )

Karl II., Kurfürst gest. 1685

Erlöschen der Linie Simmern, Erbe an Pfalz-Neuburg

Pfalz - Neuburg:

Philipp Wilhelm, Kurfürst gest. 1690

Johann Wilhelm, Kurfürst gest. 1716 ( ÄG 1707 )

Karl Philipp, Kurfürst gest. 1742

Karl Theodor; Kurfürst gest. 1799 ( ÄG 1761 )

Rechtsnachfolger war Pfalzgraf Maximilian von Zweibrücken (siehe Hintere Grafschaft)

Baden:

Jakob gest. 1453 (ÄG 1444 )

Karl bis März 1463

1463 bis Jan. 1508 an Kurpfalz verpfändet

Philipp I. gest. 1533 ( ÄG 1509 )

1533/34 umstritten, am 27. März 1534 an Baden - Baden

Bernhard IV. gest. 1536

Philibert gest. 1569 ( ÄG 1557 )

Philipp II. gest. 1588 ( ÄG 1576 )

Eduard Fortunat gest. 1600

1600 bis Nov. 1622 kein badischer Gemeinsherr,

kurpfälzischer Alleinbesitz

Wilhelm gest. 1677 ( ÄG 1655 )

Ludwig Wilhelm gest. 1707 ( ÄG 1680 )

Ludwig Georg gest. 1761 ( ÄG 1716 )

August Georg gest. 1771

Erlöschen der Linie Baden- Baden, Erbe fällt an Linie Baden- Durlach

Karl Friedrich gest. 1811 als Großherzog von Baden

 

 

 

 

 

 

Die Hintere Grafschaft Spohnheim.

Anders als in der Vorderen Grafschaft war der letzte Graf von Spohnheim hier alleiniger Landesherr gewesen. Seine Vettern und nächsten Erben folgten ihm Ende Oktober 1437 gemeinsam; jeder besaß eine Hälfte Territoriums. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ist es bei zwei Gemeinsherren geblieben.

Auf den Grafen Friedrich von Veldenz und Spohnheim folgte 1444 sein gleichnamiger Enkel aus der Simmerner Linie der Pfalzgrafen. Markgraf Karl von Baden, der 1462 in die Gefangenschaft des Pfälzer Kurfürsten geraten war, musste 1463 nicht nur seine Anteile der Vorderen Grafschaft an Kurpfalz verpfänden. Die finanzielle Notlage zwang ihn darüber hinaus, die Verpfändung der Hinteren Grafschaft zu erwägen. Der Markgraf dachte an den Grafen von Katzenelnbogen als Pfandnehmer; dem standen jedoch die Bestimmungen des Beinheimer Entscheids entgegen. Durch Schiedsspruch vom 12. November 1465 wurde ihm das noch einmal vor Augen geführt. Daher versetzte er am 3. Juni 1466 seine Hintere Hälfte der Hinteren Grafschaft an den Mitgemeiner Pfalzgraf Friedrich; den Fernbesitz der Hinteren Grafschaft sollte er erst dann wieder an sich bringen können, wenn er die Gesamte Grafschaft ausgelöst hatte. Die Markgräfin Katharina gab am gleichen Tag dazu ihre Zustimmung.

Die finanzielle Sanierung des markgräflichen Hauses begann durch die Eheschließung zwischen Karls Sohn Markgraf Christoph und der Gräfin Ottilie von Katzenelnbogen, zu deren Erbe auch die rheinhessischen Besitzungen dieses Hauses zählten.

 

Am 25. September 1469 konnte Markgraf Karl eine Hälfte der Hinteren Grafschaft (Starkenburg, Grevenburg, Trarbach, Kastellaun und Dill) auslösen. Am gleichen Tag kam auch der spohnheimische Anteil an Stadecken wieder in die Hände des Markgrafen; dies war deshalb von Bedeutung, weil zur Mitgift der Gräfin Ottilie die bisher katzenelnbogischen Anteile dieser Burg gehörten. Am 28. März 1480 gelangte Markgraf Christoph auch in den Besitz der übrigen, 1466 verpfändeten Teile der Hinteren Grafschaft (Birkenfeld, Frauenberg, Allenbach, Herrstein und Winterburg).

Zwischen 1456 und 1511 waren die Markgrafen Johann und Jakob nacheinander Mitglieder des badischen Hauses Erzbischöfe von Trier. Dies ermöglichte es, die uralten Streitigkeiten zwischen dem Erzstift und der Hinteren Grafschaft Spohnheim in mehreren Verträgen gütlich beizulegen. Einen ersten Vertrag vermittelte Bischof Georg von Metz zwischen seinem Bruder Erzbischof Johann und dem Pfalzgrafen Friedrich, Grafen zu Spohnheim, am 16. April 1470. Durch Tauschvertrag vom 28. August 1489 sollten Bruttig an Kurtrier, die Pflege Achtelsbach und die kurtrierischen Leute zu Lötzbeuren an die Hintere Grafschaft fallen.

Allerdings war Achtelsbach nicht in der Hand des Erzbischofs; der Inhaber Salentin von Isenburg räumte den Grafen von Spohnheim am 9. Januar 1499 immerhin ein Vorkaufsrecht ein. Am 30.September 1507 folgte ein weiterer Vertrag wegen Bruttig. Da aber nie alle Voraussetzungen für das Inkrafttreten der Verträge gegeben waren, blieben zahlreiche Punkte weiter ungeklärt. Auch die folgenden Jahrhunderte sind von Auseinandersetzungen zwischen dem Erzstift und der Grafschaft Spohnheim erfüllt.

Unmittelbar nach Herrschaftsantritt hat Pfalzgraf Friedrich II. von Simmern in seine Territorien die Reformation eingeführt. In diesem Sinne schrieb er am 16. Juni 1557 an den Oberamtmann zu Trarbach. Im gleichen Jahr fand eine erste Visitation statt, deren Akten allerdings - im Gegensatz zu denen einer zweiten Visitation von 1560 - nicht erhalten geblieben sind.

 


Da der badische Gemeinsherr, Markgraf Philibert (gest. 1569), selbst Anhänger der Reformation war, sind diese Maßnahmen im Einvernehmen beider Landesherrn durchgeführt worden. Die Hintere Grafschaft blieb bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ein reformiertes Territorium. Die Ämter Birkenfeld, Frauenberg, Herrstein und Dill waren zeitweise in der Hand des Pfalzgrafen Georg; Friedrich II. vermittelte am 10. Juni 1557 einen Vertrag zwischen seinem Bruder und dem Markgrafen Philibert, der die Anstellung der gemeinsamen Diener betraf. Am gleichen Tag war die oben bereits erwähnte Definition des Begriffes " Ältester Graf " festgeschrieben worden.

1559 erbte Friedrich die Kurwürde. Dies war der Anlass zu einer umfassenden Neuregelung der Anteile unter den Mitgliedern der pfälzischen Familie.

Kurfürst Friedrich trat seine Hälfte der Hinteren Grafschaft an seine Vettern Wolfgang und Georg Hans aus der Linie Veldenz ab. Die Anteile an der Vorderen Grafschaft blieben in Händen der Kurlinie, wurden aber, wie vorher dargestellt, zur Apanagierung jüngerer Söhne herangezogen.

Durch Vertrag vom 25. Januar 1560 stimmte Markgraf Philibert von Baden dieser Regelung zu; allerdings war damals noch nicht entschieden, welcher der Veldenzer Vettern den Anteil erhalten sollte. Am 30. März 1560 wurden die noch verbliebenen Streitpunkte geregelt, u.a. die Übergabe des Kurpfälzischen Fünftels der Vorderen Grafschaft an Pfalzgraf Georg, den jüngeren Bruder des Kurfürsten. Am 22. April 1560 beschwor Pfalzgraf Wolfgang den Burgfrieden der Hinteren Grafschaft. Seine Nachkommen sind bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Gemeinsherren der Hinteren Grafschaft geblieben.

Wolfgang war überzeugter Anhänger der Reformation. Um finanzielle Mittel zur Unterstützung seiner Glaubensbrüder in Frankreich zu erhalten, hat er am 12. Februar 1569 seinen Anteil der Hinteren Grafschaft Spohnheim sowie andere Herrschaften an den Kurfürsten Friedrich III., den früheren Inhaber verpfändet. Am 11. Juni 1569 ist Wolfgang in Frankreich gefallen. Seine Söhne sind im Februar 1571 an den Kurfürsten wegen Auslösung herangetreten; am 6. Juni quittierte dieser über die Pfandsumme. Pfalzgraf Wolfgang hatte testamentarisch eine Erbteilung vorgesehen; der Anteil der Hinteren Grafschaft sollte an den jüngsten Sohn Pfalzgraf Karl fallen. Durch Vertrag vom 1. Mai 1581 wurde festgesetzt, dass dieser bis zum Erreichen des 25. Lebensjahres eine Pension beziehen und erst dann die Herrschaft antreten sollte. Am 24. Juni 1584 wurde ihm der Anteil eingeräumt.

Nach dem Tod des Markgrafen Philipp II. (gest. 17. Juni 1588) fiel dessen Anteil an seinen Vetter Eduard Fortunat, der am 30. August 1589 den Burgfrieden beschwor. Nachdem dieser aufgrund finanzieller Misswirtschaft die obere Markgrafschaft (Baden - Baden) an seinen Vetter aus dem Durlacher Linie verloren hatte, schloss er am 1. (11) Januar 1595 mit dem Pfalzgrafen Karl ein Abkommen, nach dem bestimmte Ämter ganz einem Gemeinsherren zufallen sollte. Karl residierte fortan in Birkenfeld, das ihm zusammen mit Frauenberg zugefallen war, Eduard in Kastellaun.

Beide Gemeinsherren starben 1600. Da die Rechtmäßigkeit der Ehe Eduards umstritten war, konnte Markgraf Georg Friedrich von Baden - Durlach, der bereits Inhaber der Oberen Markgrafschaft war, durch kaiserliche Investitur vom 26. Jan./14. April 1605 auch den Anteil der Hinteren Grafschaft Spohnheim an sich bringen; am 14. (24.) August beschwor er den Burgfrieden, am 30. August wurde er als Gemeinsherr zugelassen. Erst die Ereignisse zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges brachten den katholischen Markgrafen Wilhelm, Sohn Eduards, wieder in den Besitz des väterlichen Erbes. Am 16. November 1622 beschwor er den Burgfrieden und wurde so Gemeinsherr der Hinteren Grafschaft Spohnheim.

Nicht weniger als die Vordere ist auch die Hintere Grafschaft von den Militärischen Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Allerdings sind hier die Besitzverhältnisse nach 1622 unumstritten geblieben. Pfalzgraf Georg Wilhelm, der seit 1600 (zunächst unter Vormundschaft) regierte, starb 1669; mit seinem Sohn erlosch 1671 die Birkenfelder Linie. Erbe war Pfalzgraf Christian II. zu Bischweiler (gelegen im Elsaß). Er kündigte den Vertrag von 1595 auf, so dass fortan die gemeinsame Herrschaft in allen Ämtern wiederhergestellt war.

 

 


Eine neue Zeit der Prüfungen begann nach der Errichtung einer Reunionskammer in Metz durch König Ludwig XIV. von Frankreich

(23. Oktober 1679). Sie hatte Ansprüche der französischen Krone auf den Reich liegende Territorien zu prüfen. Da die Burg Veldenz an der Mosel mit Zubehör Lehen vom Hochstift Verdun war und die Grafen von Veldenz zeitweise Anteil an der Grafschaft Spohnheim hatten

(1437 - 1444, 1560 - 1569, 1584). geriet auch dieses Territorium in das Blickfeld der Kammer. Pfalzgraf Christian II. der der Krone Frankreichs eng verbunden war, leistete zusammen mit seinem Bruder Johann Karl wegen der Hinteren Grafschaft Spohnheim den Treueeid gegenüber Ludwig XIV.; die Urkunde der Kammer darüber datiert vom 17. April 1681; am 30. April wurden die Vasallen der Grafschaft aus Metz aufgefordert, ihre Lehen im Detail zu bezeichnen. Ein Reunionskommissar weilte am 17. / 20. Mai und am 23. Juni 1681 in Trarbach, am 24. Juni in Spohnheim; gleichartige Versuche in Kreuznach (Oktober 1680; 1681) schlugen fehl. Von badischer Seite hatte Markgraf Ludwig Wilhelm am 6. März 1679 gegenüber dem Pfalzgrafen den Burgfrieden beschworen.

Um die Stellung gegenüber der französischen Krone zu verbessern, hat man es offenbar vorgezogen, nicht Ludwig Wilhelm, sondern seine Tante, die verwitwete Markgräfin Marie Franziska, als Vasallen zu präsentieren. Diese war eine geborene Gräfin von Fürstenberg und Schwester der dem französischen König nahe stehenden Bischöfe von Straßburg; Franz Egon (gest. 1688) und Wilhelm Egon (gest. 1702) von Fürstenberg. Das Ludwig Wilhelm und seine Tante im Einvernehmen handelten, geht daraus hervor, dass beide gemeinsam den Beamten bevollmächtigten, der die Hintere Grafschaft in Metz zu Lehen empfangen sollte. Die Urkunde Ludwigs XIV. datiert vom 28. Dezember 1683. Unmittelbar vorher hatte Pfalz - Zweibrücken eine genaue Aufzählung der zur Grafschaft gehörigen Güter und rechte vorgelegt; das badische Gegenstück ist in der eben erwähnten Lehnsurkunde inseriert. Am 7./17. April 1684 wurde die Markgräfin Marie Franziska durch Vertrag mit dem Pfalzgrafen Christian als Gemeinsherrin in der Hinteren Grafschaft zugelassen; der Pfalzgraf gab einen zunächst in Metz eingelegten Einspruch auf.

Allerdings scheint dieser Schachzug der badischen Politik nicht von Erfolg gekrönt worden zu sein; denn am 26. August 1689 schenke König Ludwig XIV. die Einkünfte, Rechte und Renten aus dem badischen Anteil der Hinteren Grafschaft dem Kardinal Fürstenberg, Bischof von Straßburg; dies sollte so lange gelten, wie sich die Markgräfin außerhalb des französischen Machtbereichs aufhielt. Vom Juli und Oktober 1690 datieren Anweisungen des Kardinals auf diese Einkünfte. Inwieweit der Kardinal in die Rechte seiner Schwester

tatsächlich eingegriffen hat, bleibt zu prüfen. Auszuschließen ist nicht, dass beide im Einvernehmen handelten.

Durch den Frieden von Rijswijk (30. Oktober 1697) wurden die Reunionen rückgängig gemacht. Der Markgraf von Baden und der Pfalzgraf von Zweibrücken waren nun wieder als Fürsten des Reiches gemeinsame Besitzer der Hinteren Grafschaft Spohnheim. Nach der Teilung der Vorderen (1708) war Baden auch an einer Aufteilung der Hinteren Grafschaft interessiert. Die Pfalzgrafen haben sich dazu nicht bereit gefunden. Dabei mögen auch konfessionelle Motive eine Rolle gespielt haben. Allerdings traten die Pfalzgrafen von Zweibrücken- Birkenfeld in der Jahrhundertmitte zum Katholizismus über. Pfalzgraf Christian IV. bestätigte am 9. Januar 1759 den Status Quo in Religionssachen der Hinteren Grafschaft Spohnheim; dasselbe tat sein Nachfolger Karl II. am 17. Dezember 1775. Kurzfristig waren somit beide Gemeinsherren katholisch. Allerdings erlosch die Linie Baden - Baden 1771. Nachfolger war Markgraf Karl Friedrich aus der evangelischen Linie Durlach. Sein Selbstverständnis als Regent war das des aufgeklärten Absolutismus. Relikte aus dem Mittelalter; etwa das Kondominium Spohnheim, musste er als Anachronismus empfinden. Er hat daher energisch das Teilungsprojekt wieder aufgenommen.

Am 11. Mai bzw. 14. Juni 1775 vereinbarte man die Modalitäten einer Teilung. Baden sollte die Nutzungen und Lasten der Grafschaft ermitteln und aufteilen, der Pfalzgraf die Wahl zwischen den beiden teilen treffen. Die einschlägigen Akten der badischen Verwaltung sind erhalten geblieben. Folgende Teile wurden gebildet: erstens das Oberamt Trarbach mit dem Kröver Reich, das Amt Allenbach, das Amt Kastellaun mit dem Dreiherrischen, die Vogtei Winningen und aus dem Amt Birkenfeld das Dorf Siesbach; zweitens die Ämter Birkenfeld, Herrstein, Dill und Winterburg sowie die Vogtei Senheim mit zugehörigen Weinrenten. Die Hintere Grafschaft sollte weiter bestehen bleiben und ihren Namen behalten; das Votum auf den Reichstagen sollte entsprechend der bisherigen Übung wahrgenommen werden. Klagen und Ansprüche waren auch künftig gemeinsam zu verfechten. Die Aktivlehen sollte, wie bisher, der " Älteste Graf " vergeben; Passivlehen waren gemeinsam zu empfangen. Heimfallende Güter und Rechte sollten gemeinsam bleiben, bis jeweils ein Äquivalent gefunden wurde. Dieser Teilungsvertrag (Hauptrezeß) wurde am 26. bzw. 27. September 1776 vom Pfalzgrafen bzw. vom Markgrafen unterzeichnet.

Offenbar war die badische Seite davon ausgegangen, dass der Pfalzgraf den an sein Territorium angrenzenden zweiten Teil wählen werde; dieser entschied sich jedoch für den ersten. Daher entschloss man sich zu einer geringfügigen Korrektur der anteile.

In einem Nebenrezeß vom gleichen Tag überließ der Pfalzgraf dem Markgrafen das Dorf Siesbach, das im Amt Birkenfeld bleiben sollte, die Vogtei Winningen sowie weitere, z. T. außerhalb der Grafschaft gelegene Rechte; er erhielt die Vogtei Senheim und Bruttig, das Dorf Eisen, den Anspruch auf die Hoheit über Lötzbeuren, das mit der Vorderen Grafschaft strittig war, sowie Rechte am Oberrhein. Die Herrschaft Gräfenstein sollte badisch, Heiligenmoschel Pfalz-Zweibrückisch bleiben; der jeweils anderen Seite stand ein Lösungsrecht zu. Das Lehen Burg Osterspai, dessen Heimfall bevorstand, sollte gegen Vergütung dem Markgrafen zufallen.

In einem weiteren Nebenrezeß, ebenfalls vom 26./27. September, wurden die sequestrierten bzw. zu erwartenden Teile der Herrschaft Züsch dem Markgrafen, das auf Heimfall stehende Lehen Kleinich dem Pfalzgrafen zugesprochen. Weitere Punkte, darunter die geistlichen Angelegenheiten, wurden in mehreren Verträgen aus den Jahren 1776 bis 1782 geklärt. Demnach war aufgrund des Normaljahres 1624 die katholische Religionsausübung lediglich im Kröver Reich, in der Vogtei Senheim, im Dreiherrischen

(ausgenommen Uhler), in den Dörfern Panzweiler, Hesweiler und Haserich sowie Schnellbach im Amt Kastellaun, im Dorf Malborn, Amt Birkenfeld, sowie in Wederath, Oberamt Trarbach, gestattet; dies hatte seine Ursache stets in dort vorhandenen Rechten bzw. dort lebenden Eigenleuten des Erzstifts Trier.

Die Teilung der Hinteren Grafschaft gab beiden Gemeinsherren in ihren Anteilen freie Hand. Der Markgraf von Baden setzte schon früh begonnene expansive Territorialpolitik; darauf wird weiter unten eingegangen.

Der Pfalzgraf konzentrierte sich auf die Beseitigung der noch bestehenden, an sein Amt Kastellaun angrenzenden Kondominien, an denen neben der Grafschaft Spohnheim das Erzstift Trier sowie der Graf von Metternich als Inhaber der Herrschaft Beilstein beteiligt war. Dieses Gebiet, das so genannte Dreiherrische auf dem Hunsrück, bestand aus der Vogtei Senheim, an der die Partner jeweils ein Drittel besaßen, sowie der Vogtei Strimmig und dem Beltheimer Gericht, die je zur Hälfte dem Erzstift und zu einem Viertel den beiden anderen Teilhabern gehörten.

 


Aufgrund eines Vertrages vom 15. Dezember 1780 wurde schließlich folgendes Ergebnis erzielt: Die Vogtei Senheim (Senheim, Senhals und Grenderich) fiel ganz an Kurtrier; aus dem Beltheimer Gericht erhielt

das Erzstift die Dörfer Beltheim, Burgen, Lahr. Lieg. Petershausen und Zilshausen. Metternich-Winneburg wurden die Vogtei Strimmig (Alt und Mittelstrimmig), Briedern und Liesenich) ganz sowie aus dem Beltheimer Gericht Dommershausen, Evershausen und Macken zugesprochen. Dem Pfalzgrafen von Zweibrücken als Grafen von Spohnheim fielen schließlich aus dem Beltheimer Gericht die Dörfer Buch, Mörsdorf, Mörz und Uhler zu. Der Distrikt Löhe wurde zu zwei Fünfteln dem Amt Kastellaun, zu drei Fünfteln dem (nun kurtrierischen) Dorf Beltheim zugeteilt. Erzbischof und Pfalzgraf regelten daneben weitere, oft lange umstrittene Punkte. So wurden die Dörfer Panzweiler und Haserich spohnheimisch, Schauren und Walhausen trierisch; ebenso fielen Hesweiler und das zum 1778 heimfallenen Lehen Kleinich gehörende Wederath an Kurtrier. Die Landesherrschaft im Kröver Reich wurde definitiv zu zwei Drittel der Grafschaft Spohnheim, zu einem Drittel dem Erzstift Trier zugesprochen. Der Vertrag wurde am 30. Dezember 1784 in Zell unterzeichnet. Da Spohnheim an der Vogtei Senheim, die Lehen vom Herzogtum Kleve gewesen war; fortan keine Rechte mehr hatte, wurde die Lehnseigenschaft auf die Dörfer Uhler und Mörz sowie auf den Reichardshof zu Buch übertragen. König Friedrich II. von Preußen belehnte als Herzog von Kleve den Pfalzgrafen von Zweibrücken und den Markgrafen von Baden am 4. Januar 1783 damit.

In dieser, durch Verträge von 1776 und 1780/84 geschaffenen Form hat die Hintere Grafschaft Spohnheim allerdings nur zehn Jahre, bis zum Einmarsch der französischen Revolutionstruppen 1794, bestanden.

 

 

Gemeinsherren der Hinteren Grafschaft
Veldenz bzw. Pfalz-Simmern/-Birkenfeld/-Zweibrücken:

Friedrich Graf zu Veldenz und Spohnheim (gest. 1444 (ÄG 1437)

Friedrich I.,Pfalzgraf (gest. 1480 (ÄG 1453)

Johann I. (gest. 1509 )

Johann II. (gest. 1557 (ÄG 1527)

Friedrich II. 1559 Kurfürst (Friedrich III.), Gemeinsherr bis 1560 und als Pfandinhaber 1569 bis 1571

Wolfgang, zu Veldenz (gest. Juni 1569) Gemeinsherr bis Febr. 1569

Johann als Vormund seines Bruders Karl, bis 24. Juni 1584

Karl, zu Birkenfeld (gest. 1600 (ÄG 1588)

Georg Wilhelm, bis 1618 unter Vormundschaft (gest. 1669 (ÄG 1600)

Karl Otto (gest. 1671)

Christian II. zu Bischweiler ( gest. 1717 (ÄG 1677)

Christian III. ,ab 1731 zu Zweibrücken (gest. 1735)

Christian IV. (gest. 1775 (ÄG 1761)

Karl II. (gest. 1795)

Maximilian Josef, Kurfürst von Pfalz - Bayern, 1806 König von Bayern, erbt 1799 auch den Anteil der Vorderen Grafschaft.

Baden:

Jakob I. (gest. 1453 (ÄG 1444)

Karl (gest. 1475)

Cristoph (gest. 1527 (ÄG1480)

Bernhard IV., zu Baden ( gest. 1536)

Philibert (gest. 1569 (ÄG 1557)

Philipp II. (gest. 1588 (ÄG 1569)

Eduard Fortunat (gest. 1600)

1600 - 1605 kein badischer Gemeinsherr

Georg Friedrich , zu Durlach, bis 5. November 1622

Wilhelm (gest. 1677 (ÄG 1669)

Ludwig Wilhelm (gest. 1707), Bruder

(von 1683 bis 1697 Inhaberin des Anteils Markgräfin Marie Franziska geb. Gräfin von Fürstenberg)

Ludwig Georg (gest. 1761 (ÄG 1717)

August Georg (gest. 1771)

Karl Friedrich, zu Durlach, als Großherzog von Baden,(gest. 10. Juni 1811)

 

ÄG = Ältester Graf

 

 

 

Besitz von den Grafen bei Rhein - Zweibrücken:

Die Hälfte der hinteren Grafschaft Spohnheim

Der letzte Graf Friedrich von Veldenz erbte 1437 von dem Grafen Johann von Spohnheim

(Spahnheim) die halbe hintere Grafschaft Spohnheim. Bis 1559 hatte Kurpfalz die halbe hintere Grafschaft Spohnheim und 1559 kam dieselbe nach dem Tode des Kurfürsten Otto Heinrich an Zweibrücken. Von 1568 an hatte eine Zweibrückische Nebenlinie, die Pfalzgrafen von Birkenfeld unter Zweibrückische Hoheit, die Regierung über den Zweibrückischen Anteil an Spohnheim. Diese Nebenlinie kam mit Herzog Christian III, nach Aussterben der Hauptlinie auf den Zweibrückischen Thron. Von da an bildete Spohnheim stets eine Besitzung vom Herzogtum Zweibrücken.

In 1776 teilten die Gemeindeherren der Grafschaft Spohnheim, Pfalz - Zweibrücken und Baden die hintere Grafschaft Spohnheim so, das Zweibrücken privativ erhielt:

Das Oberamt Trarbach mit Einschluß des Cröver Reichs.

Das Amt Allenbach.

Das Oberamt Castelaun.

Die Vogtei Senheim.

Die Spohnheimischen Anteile an dem Dreiherrischen, nämlich an dem zwischen Kurtrier, Spohnheim und der Herrschaft Winneberg - Metternich gemeinschaftlichen Beltheimer und Strümmischer Gericht.

 

Besitz von den Grafen bei Rhein und Baden:

Markgrafschaft Baden; an badischen Ortschaften sind in Rheinbayern enthalten.

Kanton Lauterecken: der Ort Roth.

Kanton Edekoben: der Ort Rhodt.

Kanton Waldmohr: der Ort Münchweiler (gemeinschaftlich mit Hessen- Darmstadt).

Kanton Pirmasenz: die Orte Rodalben und Petersberg.

Kanton Waldfischbach: die Orte Merzalben, Clausen und Lennen.

 

Erbfolge der verschiedenen Badischen Linien, der Markgrafschaft Baden und Durlach bis 1771

Der Enkel Bertholds von Zähringen, Hermann II, vermählte sich mit der Erbtochter der Dynasten von Baden und nahm zuerst den Titel eines Markgrafen von Baden und Hochberg an. Von ihm stammen alle Markgrafen von Baden ab. Die verschiedenen, nach ihm entstandenen Linien waren 1503 bis auf eine erloschen, so das Markgraf Friedrich 1503 alle Badischen Länder besaß. Von seinen 2 Söhnen stiftete Bernhard IV (gest. 1537) die Baden Badische Linie, welche am 21. Okt. 1771 erlosch. Der zweite Sohn Ernst (gest. 1537) stiftete die Baden Durlachsche Linie, welche am 21. Okt. 1771 alle badischen Länder vereinigte.

Baden- Baden erwarb einen Teil der auf dem linken Rheinufer gelegene Grafschaft Spohnheim. Gehörte deshalb zum Oberrheinischen Kreise und Saß zwischen Hessen-Kassel und Österreich- Lothringen auf der weltlichen Fürstenbank dieses Kreises.

Die Verhältnisse der Grafschaft Spohnheim, deren Bestand und Abteilung in vordere und hintere Grafschaft weiter noch nachgewiesen wird, welche zuletzt zwischen Kurpfalz, Zweibrücken und Baden geteilt war, sind so verwickelt, dass sie einer engeren sorgfältigeren Erörterung bedürfen, welche diese ganz auf dem linken Rheinufer zwischen Mosel, Rhein und Nahe gelegene Grafschaft auch wegen ihres sehr bedeutenden Umfanges verdient.

 

 

 

Vererbungsart der Grafschaft Spohnheim

 

Die Starkenburgische und Kreuznachsche Linie der Grafen von Spohnheim. Die vordere und hintere Grafschaft unter den Grafen von Spohnheim.

Schon 1044 kommt ein Graf Eberhard von Spohnheim vor. Zu Anfang des 13. Jahrhunderts gründeten die Söhne des Grafen Johann I. = 4 Linien.

1. Johann II erhielt Starkenburg, die hintere Grafschaft Spohnheim.

2. Simon II erhielt Kreuznach, die vordere Spohnheimische Grafschaft.

Der Mannesstamm dieser letzten Linie erlosch 1414. Die Erbtochter des letzten Grafen Simon, Elisabeth, Gemahlin von Rupert, ältesten Sohne des Pfalzgrafen, nachherigen römischen Königs Ruprecht, schenkte 1408 = 1/5 der vorderen Grafschaft ihrem Schwager, Kurfürst Ludwig III von der Pfalz. Die übrigen 4/5 fielen der an oben unter Nr. 1 erwähnten Starkenburgischen Linie zu. (von den beiden anderen Söhnen erhielt Heinrich die Herrschaft Heinsberg im Herzogtum Jülich und Eberhard die Saynischen Länder). Auch diese Starkenburgische Linie starb mit Johann IV 1437 aus. Er hatte die ganze vordere und hintere Grafschaft bis auf das 1408 an Kurpfalz geschenkte 1/5 der vorderen Grafschaft besessen.

 

Kurpfalz hat 1/5 der vorderen, Baden und Veldenz den Rest der vorderen und hinteren Grafschaft

Johann VI. kinderlos, bestimmte in einer von seinen Erben genehmigten Erbordnung, dass Markgraf Bernhard zu Baden und der Graf Friedrich zu Veldenz, ihn in der Art erben sollten, dass von Seiten des Markgrafen dessen Söhne, von Seiten des Grafen Veldenz dessen Enkel von seiner Tochter Anna, Gemahlin des Pfalzgrafen Stephan und ihre männlichen Nachkommen, jedoch allezeit von beiden Stämmen nur der älteste, die Grafschaft Spohnheim erben und in ewiger Gemeinschaft besitzen sollte. Wenn ein Stamm abging, sollte der andere alles haben.

Als Johann VI. 1437 starb, errichteten der Sohn des Markgrafen Bernhard von Baden Jakob und der Graf Friedrich von Veldenz wegen der hinteren Grafschaft unter sich und wegen der vorderen Grafschaft zugleich mit dem Kurfürsten von der Pfalz, eine ewige Gemeinschaft mit Stephan, Herzog zu Pfalz - Simmern.

 

 

Veldenz stirbt aus, Simmern tritt dafür ein. Kurpfalz hat an der vorderen Grafschaft 4/10, Baden 3/10 und Simmern 3/10

1437 starb Friedrich Graf von Veldenz. Mit ihm erlosch sein Haus. Nach seinem Tode hatte an der vorderen Grafschaft seine Tochter Anna 2/5, Kurpfalz 1/5 und Baden 2/5.

Die hintere Grafschaft wurde gemeinschaftlich von seiner Tochter Anna und von Baden besessen. Diese Anteile kamen durch Vermählung an Simmern. Kurpfalz erwarb an der vorderen Grafschaft durch Kauf zu seinem 1/5 noch 1/5 dazu, so das 1422 Pfalz 4/10, Baden 3/10 und Simmern 3/10 an der vorderen Grafschaft hatte.

 

 

An der vorderen Grafschaft erhält Kurpfalz 3/5, Baden 2/5. Die hintere Grafschaft wird gemeinschaftlich von Zweibrücken und Baden besessen.

Markgraf Karl von Baden wurde vom Kurfürsten Friedrich I von der Pfalz gezwungen, an Kurpfalz seine 3/10 der vorderen Grafschaft zu verpfänden, so das Kurpfalz außer seinen 4/10 noch die badischen 3/10, im Ganzen7/10 der vorderen Grafschaft erhielt. Durch die Heirat des Markgrafen Philipp von Baden mit Elisabeth, Tochter des Kurfürsten Philipp von der Pfalz, erhielt 1508 Baden seine 3/10 der vorderen Grafschaft zurück.

1559 erlosch die alte Pfälzische Kurlinie, Simmern erhielt die Kur. Hierdurch kamen die Simmerischen 3/10 der vorderen Grafschaft und die 4/10 von Kurpfalz, also 7/10 unter Kurpfalz zusammen.

Baden erhielt 2/5, Kurpfalz 3/5 der Einkünfte.

1659 wurde 1/5 des Amtes Kreuznach an Kurpfalz abgetreten, so dass Kurpfalz 1/5, Baden 2/5 und Simmern ( die neue Linie Simmern ) 2/5 der vorderen Grafschaft besaß.

Die Simmernschen 2/5 kamen mit dem Aussterben der neuen Simmernschen Linie 1673 an Kurpfalz. Von 1673 an hatte also Kurpfalz an der vorderen Grafschaft 3/5, Baden 2/5.

Die hintere Grafschaft blieb nach wie vor in Gemeinschaft zwischen Baden und Simmern, dann Kurpfalz. Und statt der Kurpfalz trat 1566 der Herzog Wolfgang von Zweibrücken in diese Gemeinschaft ein. Dieses Verhältnis der hinteren Grafschaft dauerte bis 1776.

 

Teilung der vorderen Grafschaft in 1707

In 1707 teilten sich Baden und Kurpfalz in der vorderen Grafschaft nach dem Verhältnis 3/5 für Kurpfalz und 2/5 für Baden. Baden erhielt das Oberamt Kirchberg, das Unteramt Koppenstein, die Ämter Nauenburg und Sprendlingen, den Ort Denzen bei Kirchberg, einen Teil von Reckertshausen, endlich Neuburgweiler im Oberamt Germersheim.

Kurpfalz erhielt das eigentliche Oberamt Kreuznach und die Unterämter Böckelsheim und Ebernburg.

 

 

Teilung der hinteren Grafschaft Spohnheim

Baden und Zweibrücken besaßen, wie vorher bemerkt, die hintere Grafschaft Spohnheim gemeinschaftlich. Die Söhne des Pfalzgrafen Stephan von Zweibrücken, Friedrich und Ludwig, teilten ihre Länder.

Friedrich schrieb sich Graf von Spohnheim und erhielt seines Vaters Rechte an der hinteren Grafschaft. 1553 erhielt Pfalzgraf Wolfgang von Zweibrücken Friedrichs Anteil an Spohnheim und vereinigte ihn mit dem Herzogtum Zweibrücken. Vermöge seines Testaments bekam sein Anteil an der hinteren Grafschaft sein jüngster Sohn Karl unter dem Namen Pfalzgraf von Birkenfeld. Einer dessen Nachkommen erbte, als mit Christian III die zweibrückische Linie erloschen, deren Länder. Seitdem blieb der ursprünglich zweibrückische Anteil an der hinteren Grafschaft Spohnheim wieder unmittelbar unter

Zweibrücken.

1776 hoben Baden und Zweibrücken die gemeinschaftliche Regierung auf und jeder von beiden Gemeinherren erhielt die unten anzugebenden Orte.

 

 

 

Nachweise, in welcher Art die vordere und hintere Grafschaft Spohnheim, unmittelbar vor der Vereinigung des linken Rheinufers mit Frankreich, besessen wurde.

 

Vordere Grafschaft Spohnheim = Badischer Anteil:

Oberamt Kirchberg, Stadt Kirchberg mit den Aussenburger Ortschaften = Schönborn, Oppertshausen, Rüdern, Dillendorf und Maizborn.

Pflege oder Schultheißerei Denzen = Denzen, Reckershausen, Womrath, Dickenschied, Rohrbach,Schlierschied, Panzweiler und Hecken.

Pflege Konstanz = Ober und Niederkonstanz, Schwarzen, Maizenhausen, Todtenrath und Kludenbach.

Pflege Belch = Belch, Wurrich, Altlay und Kappel.

Pflege Sohren = Sohren, Lanzenhausen, Bährenbach, Hahn, Büchenbayern, Wahlenau und Niederweiler.

Amtsschultheißerei Koppenstein = Göhlweiler, Hönau, Schwarzerden, Kellenbach, Königsau und Weitersborn.

Schutheißerei Seesbach = Seesbach und Brauwieler.

Pflege Hottenbach = Hottenbach, Hellertshausen, Bruchweiler und Schauren.

Amt Dill = Dill, Sahrschied, Niederfohren. (Dill und Sahrschied gehören zur hinteren, nur Niederfohren zur vorderen Grafschaft).

Amt Naumburg = Schloß Naumburg oder Neumburg, Mittel - Roidenbach, Bollenbach, Bärenbach und Martin - Weiersbach.

Amt Sprendlingen = Sprendlingen und St. Johann.

Baden hatte außerdem (nach Teilung von 1707) = Denzen bei Kirchberg, einen Teil an Reckertshausen und Neuburgweihern und Oberamt Germersheim.

Vordere Grafschaft Spohnheim = Kurpfälzischer Anteil:

Dasselbe bildete das Kurpfälzische Oberamt Kreuznach mit den dazu gehörigen Unterämtern Beckelnheim und Ebernburg.

Oberamt Kreuznach = Stadt Kreuznach, Oberhilbersheim, Genzingen, Zozenheim, Schwabenheim, Bosenheim, Hackenheim, Treisen, Auen, Bockenau, Spanheim, Weinsheim, Rüdesheim, Braunweiler, Roheim, Gutenberg, Langenlohnsheim und Hargesheim.

Unteramt Beckelnheim auch Böckelnheim genannt = Böckelheim, Waldbeckelnheim, Boos, Obenstein, Sobernheim, Monzingen, Stundernheim, Distbodenberg, Odernheim, Durchrod, Oberhausen, Hochstetten, Hallgarten, Pontfort und Nussbaum.

(Wegen des Amts Böckelnheim hatte Kurpfalz streit mit Mainz, 1714 wurde dieser verglichen und zwar dahin, dass Mainz vom Oberamt Kreuznach abgetreten erhielt = Völlstein, Seisersheim, Gunsheim, Pleitersheim und Volxheim)

 

Unteramt Ebernburg = bis 1750 besaßen es die Grafen von Sickingen, 1750 trat es Karl Friedrich von Sickingen, unter Druck, an die Kurpfalz ab. Dieser Vergleich wurde angefochten und 1771 ein neuer Vergleich abgeschlossen, wodurch die von Sickingen die Herrschaft Ebernburg an Kurpfalz und Baden abtraten. Baden überließ seinen Anteil ganz an die Kurpfalz und erhielt dagegen die im Oberamt Bretten gelegenen pfälzischen Orte = Helmsheim und Spranthal.

Das Unteramt Ebernburg bestand in = Ebernburg, Feil, Bingard und Narheim.

Das Unteramt Ebernburg gehörte von jeher zur vorderen Grafschaft Spohnheim. 1482 erhielt es Schweickardt von Sickingen von Kurpfalz zum Pfande. 1522 wurde von der Kurpfalz, Ebernburg, (die Feste Franzens von Sickingen, ein revolutionärer Geist), eingenommen und zerstört. Sickingen scheint wohl noch lange Rechte an Ebernburg gehabt zu haben. Erst wie oben erwähnt, verzichteten die von Sickingen auf alle Rechte an dem Unteramt Ebernburg, das aus den o.g. Orten bestanden hatten.

 

 

 

Hintere Grafschaft Spohnheim Zweibrückischer Anteil:

Am Oberamt Trarbach mit Einschluss des Cröverreichs:

Das Untergericht oder der Stadtrat zu Trarbach: mit Trarbach,

Traben, Litzig, Nißbach und Starkenburg.

Das Untergericht Enkirch: mit dem Flecken Enkirch.

Schultheißerei Wolf : mit dem Dorf Wolf.

Schulth. Irmenach : mit Irmenach, Beuren, Thalkleinich, Lötzbeuren, Horburg, Hoschied und Oberkleinich.

Schulth. Kleinich: mit Kleinich, Fronhof, Pilmerod,

Emeroth,Gülzenroth, Ilzbach und Krautenbach.

Untergericht Cröverreich (Kröver Reich): welches gemeinschaftlich mit Kurtrier aus einem zweibrückischen Truchseß und einem kurtrierischen Untervogt bestand.

Die Abgaben gehörten 2/3 Zweibrücken und 1/3 Kurtrier oder den Grafen von Kesselstadt. Es bestand aus den Dörfern:

Cröv mit Kefenich, Reil, Kienheim, Bengel mit Springiersbach, Abtei Hetzhof, Kinderbeuren, Erden, Lesenich und Kindel heißen das Cröverreich, (Kröverreich) weil sie lange eine, die Dörfer Cröve, Reil, Kienheim, Erden, Kinderbeuren und Bengel, Reichsdomäne bildeten. Ein kaiserlicher Vogt stand ihm vor. Die Herren von Dhaun in der Eifel waren dies erblich. Um 1247 erhielten die Grafen von Spohnheim das Cröverreich als Pfandlehn. Kurtrier maßte sich die Rechte des Herrn von Dhaun an und zog den dritten Teil der Einkünfte ein.

Weiterhin gehörten dazu das Amt Allenbach im Idarwalde: mit Allenbach, Wörschweiler, der Distrikt Habeschied oder das Dörflein Langweiler.

Oberamt Castellaun: nur die unter der dreiherrischen Hoheit stehenden Ortschaften waren:

Die Vogtei Beltheim: mit Beltheim, Uhler, Morschdorf, Lich, Ebeshausen, Dommershausen, Lahr, Buch, Mörz, Zilshausen mit Petershauserhof, Sabershausen, Macken und Burgen.

Die Vogtei Strümmig: mit Vorderstrümmig, Mittelstrümmig,

Altstrümmig und Priedern.

Die Vogtei Senheim : mit Senheim, Senhalz und Grenderich.

An diesem ehemals dreiherrischen Gebiete hatten Anteil: an Beltheim der Kurfürst von Trier ½, die andere Hälfte gehörte zur niederen Grafschaft Spohnheim in dem Anteil von Pfalz Zweibrücken und zur Herrschaft Winneburg Beilstein, welche zuletzt der Graf von Metternich besessen hatte.

 

 

 

Markgräflicher Badischer Anteil an der hinteren Grafschaft nach der Teilung von 1776:

Mit dem Oberamt Birkenfeld :

Kirchspiel Birkenfeld: mit Birkenfeld, Dienstweiler, Eborn, Eisen,Brücken, Bulenburg, Abentheuer, Rinzenberg, Gollenberg, Ellenberg und Feckweiler.

Kirchspiel Reichenbach: mit Rimsberg, Nohen, Reichenbach, Frauenberg, Hammerstein und Ausweiler.

Oberkirchspiel Brambach : mit Hatgenstein, Schwollen, Leissel und Sesbach.

Unterkirchspiel Brambach : mit Hambach, Rockenthal, Rötzweiler, Oberbrambach, Kronweiler, Niederbrambach, Hoßweiler, Wilzenberg, Heupweiler, Böschweiler, Burbach, Elschweiler und Schmisberg. Ferner gehörten in dieses Amt : die Höfe Heiligenbusch, Einschied, Hommerich, Winneberg und das Dorf oder Meierei Mahlborn.

Das Dorf war geteilt, die Einwohner von der einen Seite gehörten zum Amt Birkenfeld und von der anderen Seite zu Kurtrier. Das Schloß gehörte Kurtrier.

Das Amt Herstein: mit Herstein, Mörschied,

Oberwörresbach, Niederwörresbach, Fischbach,

Niederhosenbach, Gerach, Tiefenbach, Regelshausen und Götschied.

Amt Winterburg: mit Winterburg, Allenfeld, Spall, Geberod, Winterbach, Ippenschied, Echweiler,Pferdsfelden, Rehbach, Daubach, Burg und Spohnheim.

Amt Dill: mit Dill, Sorschied (dieses Amt stand zuletzt unter dem badischen Oberamt Kirchberg in der vorderen Grafschaft).

Vogtei Winningen ( Vinningen ): mit Winningen.

(Der Vogt stand unmittelbar unter der Regierung in Karlsruhe).

 

 

Ein gemeinsames Stempelpapier Edikt vom Pfalzgrafen Christian bei Rhein und dem Markgrafen August von Baden, gegeben Zweibrücken 1765 und Rastatt 1766

 

 

August entstammt der Linie Baden- Baden

Christian der Linie Pfalzgrafen bei Rhein

 

 

Im Text steht auch, dass eine Stempelpapierordnung schon 1711, gemeinschaftlich für die Hintere Grafschaft Spohnheim eingeführt wurde.

 

 

Ich zeige hier ein sehr seltenes Impost- Stempelpapier, ein sog. (Manumissionsschein = Leibeigenschaftsschein),

in dem ein Antrag auf Entlassung aus der Leibeigenschaft des Fürstentums Pfalz- Veldenz- Birkenfeld-Bischweiler (Bishweiler) und das speziell aus der Grafschaft Spohnheim gestellt wurde. Nur dieses beglaubigte Dokument berechtigte den Besitzer aus der Leibeigenschaft frei zu kommen! Manchmal auch nur, unter Zurücklassung seines gesamten Hab und Gutes!

Dieses Dokument ist von der Spohnheimischen Kanzlei in Birkenfeld gesiegelt worden. Es zeigt keine Klassenangabe, Wert 6 Kreuzer. In schwarzer Farbe ein Aufdrucknasstempel mittig gesetzt, die Kosten für das Papier und für diesen Behördlichen Vorgang wurden handschriftlich eingetragen und sogleich vom Schreiber, nach Bezahlung der Gebühr, handschriftlich entwertet (siehe Kürzel links und rechts vom Gebührenstempel)!

 

Geschichte:

Pfalz Birkenfeld und Pfalz Bischweiler im Elsaß sind 1671 von den Veldenzern geerbt worden. Sie besaßen die Fürstentümer bis 1731/33, danach geht das Fürstentum Birkenfeld (mit Hintere Grafschaft Spohnheim)an Pfalz Zweibrücken und auch das Fürstentum Bischweiler geht an Pfalz Zweibrücken über, (auch genannt und geschrieben = Birkenfeld- Bischwiler).

 

Es ist die Epoche Christians II. zu Bischweiler = Bischwiler (gest. 1717)

 

 

Wasserzeichen im Stempelpapier Seite A

 

Ein wunderschönes, gut erhaltenes Petschaftssiegel der Herrschaft Pfalz - Veldenz - Bischweiler

 

 

Das Stempelpapier der Herrschaft Pfalz-Veldenz- Birkenfeld- Bischweiler

 

 

Anträge an die Herrschaft (Verwaltungsbehörde) waren auf Stempelpapier zu richten.
Birkenfeld 1711 mit dem Insiegel der Herrschaft

 

 

Das Spohnheimer Wappen im Doppelkreisstempel, Wert handschriftlich = 6 K für Kreuzer und auch handschriftliche Entwertung = Namenskürzel

 

 

Der gemeinsame Impost Stempel aus der Hinteren Grafschaft Spohnheim 1776. Impost- Stempel in der Klasse Nr. 1 zu 3 Kreuzer mit handschriftlicher Entwertung.

 

Beide gemeinsam regierende Herren der Hinteren Grafschaft Spohnheim werden im Dokumentgenannt, Christian IV. Pfalzgraf bei Rhein und August Georg von Baden. Impoststempel in der Klasse Nr. 2 zu 6 Kreuzer mit handschriftlicher Entwertung.

www.impoststempelpapier.de