Die schwedische ... pardon:  Die dänische Charta Sigillata in Vorpommern 
1715 – 1721, nach dem Pommernkrieg (Dritter Nordischer Krieg) 1715/16 

 

Ein geschichtlich sehr komplexes und zudem auch noch sehr schwieriges Gebiet der deutschen Fiskalphilatelie!

 
Die Svenska Charta Sigillata = schwedische Charta Sigillata (Inseglat Paper, später auch Stamplat Papper genannt) wurde 1660 sicherlich wegen des Krieges mit Dänemark und zeitgleich auch in dem in Personalunion verwalteten Finnland wie in den Schwedisch/Baltischen Staaten eingeführt und im Jahre 1661 dann auch in ganz Pommern.

 


Das Hauptwappen der Herzöge von Pommern



 

Das pommersche Herzogshaus führte seit dem Jahre 1241 den „Greifen“ in ihrem Wappen und wird deshalb auch als "Geschlecht der Greifen" bezeichnet.

 

 


 
 

Vorpommern bzw. Hinterpommern

Das Gebiet setzt sich aus dem westlich der Oder gelegenen Vorpommern und dem östlich der Oder gelegenen Hinterpommern zusammen. Die östlich an Hinterpommern anschließende Landschaft bis zur Weichsel wird Pommerellen genannt, was soviel wie „Kleinpommern“ bedeutet. Der Name Pommern ist slawischer Herkunft (po more = „am Meer“).

„Schwedisch- Vorpommern“ ist ein der Rest von ganz „Schwedisch Pommern“, das von 1648-1715, von 1721-1807, von 1810-1813 und wieder 1814- 1815 zu Schweden gehörte. Dieses „Schwedisch Pommern" bzw. Schwedisch Vorpommern war mit Schweden in Personalunion verbunden: Der König von Schweden war auch Herzog von Pommern und als solcher deutscher Reichsfürst, ganz Pommern und auch Vorpommern blieben immer Reichsterritorium. 

Die dänische Hoheit über Vorpommern stellt keine Okkupation im eigentlichen Sinne dar, sondern die aus damaliger Sicht völkerrechtliche legitime Ausübung landesherrlicher Gewalt über ein im Krieg erobertes Territorium. Und trotz allem gehörte Vorpommern immer zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, das vom Kaiser nur als Lehen an den schwedischen König gegeben worden war!

 

Die Währung in Pommern:

In der Numismatik wird diese dänische Zeit, es sind nur 6 Jahre, so gut wie nicht aufgeführt oder gar erwähnt.  So wird sich bei der umlaufenden Währung wohl auch nichts verändert haben!

Mark: Mark Sundisch, Mark Lübisch, Silbermark (kölnische) Schillinge 
Pfennige: Pfennig, Witten = witte Pfennige = Weißlinge
Gulden: pommersche Gulden, rheinische Gulden
Taler: Taler, Reichstaler  

Stralsund bekam 1319 ein "Münze" verliehen, mit der Zusicherung, daß sie im ganzen Fürstenthum Rügen die einzige sein solle.
Doch bald spielte um ihres höheren Wertes willen die lübische (Lübecker) Mark eine Rolle. 
Sie galt zeitweise als das Anderthalbfache der sundischen, ja wohl gar das Zwei- und Dreifache. 1378, auf dem Höhepunkt der Hansezeit, wurden 660 Mark lübisch mit 1000 Mark sundisch gleich gesetzt.

Von der wendischen oder sundischen und von der lübischen Mark zu unterscheiden ist noch wieder die Silbermark, mit der namentlich in Köln gerechnet wurde. 
Sie übertraf noch wieder die lübische Mark. 1315 und 1324 wurde die Silbermark mit 4 wendischen, dann 2 1/2 sundischen bezahlt. 
 

Schillinge und Pfennige
Dort wo die Mark zu viel Wert war, wurde auch in Schillingen (solidus) und Pfennigen (denarius) gerechnet. Die Mark galt 16 Schillinge und der Schilling galt 12 Pfennige, so daß auf die Mark 192 Pfennige kamen. Man sprach von slawischen oder wendischen und von sundischen Pfennigen, die aber scheinbar dasselbe bedeuten.
Die Abkürzung für Schilling ist ß.

 

Gulden
Nach dem Beginn des großen Geldverfalles am Ende des 15. Jahrhunderts wurde der Gulden, zunächst der rheinische, als das beste Geld eingeschätzt, aber 1492 und 1498 der alten Silbermark doch gleich gesetzt. Damals zählten 33 rheinische Gulden wie 100 sundische Mark. 
1489 ordnete Bogislaw X. das pommersche Münzwesen neu und ließ auch pommersche Gulden prägen, wobei auch sie für 3 Mark gelten sollten. 
Die Abkürzung für Gulden ist fl.



Taler - Reichstaler
1772 hatte ein Reichstaler einen Wert von 1,5 Gulden pommersch. (Neustettin) 
 
 

 

Was ist damit gemeint: „Nordische Kriege“?

Der Begriff der Nordischen Kriege bezeichnet in der Geschichtswissenschaft mehrere militärische Konflikte, die zwischen verschiedenen Staaten um die Vorherrschaft im Ostseeraum geführt wurden. 

Aufgrund der unterschiedlichen nationalen Geschichtsschreibung der beteiligten Staaten konnte sich keine einheitliche Nomenklatur etablieren, sodass die Zählung der Konflikte, welche man als Nordischen Krieg bezeichnet, stark variiert. In den verschiedenen historiografischen Traditionen der verschiedenen beteiligten Staaten bildete sich eine unterschiedliche Nomenklatur heraus. 

So kam es, dass drei verschiedene Konflikte als Erster Nordischer Krieg bezeichnet wurden. 
Deutsche, russische, Skandinavische und angelsächsische Historiker verstehen darunter traditionell den Krieg von 1655 bis 1660.
Für andere schwedische Historiker war der Schwedisch-Moskowitische Krieg 1554–1557 der Erste Nordische Krieg, während manche russische Historiker den Begriff auf den Polnisch-Moskowitischen Krieg 1654–67 anwenden. 

In der Tradition der polnischen Geschichtsschreibung wurden vor allem drei Konflikte als Nordische Kriege zusammengefasst:
Der erste bezeichnete die Auseinandersetzung Polen-Litauens mit Moskowien von 1562 bis 1570, der zweite den Krieg von 1655 bis 1660, und den Großen Nordischen Krieg von 1700 bis 1721 schließlich als dritten Nordischen Krieg (Pommernfeldzug ab 1715).

Besonders unter dem Einfluss des Historikers Klaus Zernack adaptiert die deutsche Geschichtsschreibung zunehmend diese Nomenklatur, allerdings mit der Abweichung, dass der Begriff des Ersten Nordischen Krieges auf die Gesamtzeit von 1558 bis 1583 angewendet wird. 

Eine Besonderheit stellt der Konflikt zwischen dem Königreich Schweden, dem Königreich Dänemark und dem Kurfürstentum Brandenburg in den Jahren von 1674 bis 1679 dar. 
Der Konflikt wird in der dänischen und schwedischen Geschichtsschreibung als Schonischer Krieg, 
in der deutschen hingegen als Brandenburgisch-Schwedischer Krieg völlig unabhängig behandelt. 
Auch auf diese Auseinandersetzung wurde zusammenfassend der Begriff eines Nordischen Krieges angewandt.

 

 



Karte von Schwedens Kriegs- und Eroberungszüge ab 1617 bis 1721

 

 

 

Geschichtliches: Vor dem Dreißigjährigen Krieg 1618 – 1648

Das Herzogtum Pommern bestand zu Anfang des 17. Jahrhunderts aus den Teilfürstentümern Pommern-Stettin, das hauptsächlich Hinterpommern östlich der Oder umfasste, und Pommern-Wolgast oder Vorpommern westlich der Oder. 
Schweden griff erstmals 1628 mit einem Hilfskontingent bei der Verteidigung Stralsunds in den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) ein. 1630 besetzte es im Frühjahr zunächst die Insel Rügen, landete im Juni unter König Gustav II. Adolf von Schweden auf der Insel Usedom und drängte anschließend bis Sommer 1631 die kaiserlichen Besatzungstruppen aus dem Herzogtum hinaus. 
Im Stettiner Allianzvertrag mit Herzog Bogislaw XIV., der auf den 10. Juli 1630 rückdatiert wurde, sicherte sich Gustav Adolf die Eventualsukzession = Eventueller Rechtsnachfolger in Pommern, sollte der Nachfolger, also der Kurfürst von Brandenburg, nach dem zu erwartenden kinderlosen Tod des Herzogs nicht den schwedischen Entschädigungsforderungen nachkommen. 
Nachdem Bogislaw 1637 gestorben war, übernahm nach einer etwa einjährigen Periode, in der die herzoglichen Räte als hinterlassne pommersche Räte weiter im Amt verblieben, Schweden im Frühjahr 1638 auch die Zivilverwaltung in Pommern und setzte den Oberbefehlshaber Johan Banér als ersten Generalgouverneur ein. Ihm unterstanden je ein Vizegouverneur für Vor- und Hinterpommern. 
Nach langwierigen Verhandlungen mit Brandenburg, das zum Ausgleich u. a. das Erzstift Magdeburg und das Stift Halberstadt erhielt, kam es im Westfälischen Frieden 1648 zur Teilung: Hinterpommern fiel an das Kurfürstentum Brandenburg, während Schweden ganz Vorpommern und Rügen, das Mündungsgebiet der Oder und einen Streifen östlich der Oder erhielt.
Der genaue Grenzverlauf wurde nach langwierigen weiteren Verhandlungen zwischen Brandenburg und Schweden erst im Stettiner Grenzrezess von 1653 festgelegt.

 

 
 

Schwedische Zeit von 1648-1715, 1721-1807, de facto 1810-1813 und nochmals de facto 1814-1815

Schweden erhielt die pommerschen Besitzungen als ewiges Reichslehen, d. h. die schwedischen Könige regierten dort mit Titel und Rechten der vormaligen Herzöge aus dem Greifenhaus. 
Aufgrund diverser innen- und außenpolitischer Differenzen erhielt Schweden die kaiserliche Investitur aber erst Jahre später und auch die Einigung mit den Landständen über die Landesverfassung gelang erst 1663 mit der Verabschiedung der Regierungsform, die im Wesentlichen eine revidierte Fassung der Regimentsverfassung von 1634 darstellte, und der anschließenden Huldigung der Landstände. 
In dieser staatsrechtlichen Form gehörte jener Teil Pommerns von 1648 bis 1806 zu Schweden und unterstand einem Statthalter oder Generalgouverneur, der vom schwedischen König ernannt wurde und dem schwedischen Hochadel angehören musste. Das höchste Gericht der schwedischen Gebiete auf dem Kontinent war ab 1653 das Obertribunal mit Sitz in Wismar.
Die Zugehörigkeit zu Schweden hatte allerdings den Nachteil, dass sobald Schweden auf dem Kontinent in Kriege verwickelt wurde, auch Pommern betroffen war. Bereits im Zweiten Nordischen Krieg von 1655 bis 1660 wurde Pommern zum Kriegsschauplatz. Nur wenige Jahre später, im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg von 1674 bis 1679 musste Schwedisch-Pommern komplett durch die Schweden aufgegeben werden, ebenso wie beim Pommernfeldzug im Jahr 1715 während des Großen Nordischen Krieges. 
Im Frieden von Saint-Germain (1679) konnten sie zurückkehren, mussten aber die meisten Gebiete östlich der Oder Preußen überlassen. 
Das nördliche Vorpommern bis zur Peene wurde 1715 vom dänischen König Friedrich IV. in Besitz genommen, während Preußen den südlichen Teil und die Oderinseln besetzt hielt.
Die Dänen planten ihr altes Interessengebiet langfristig dem dänischen Staat anzugliedern. 
Im Frieden von Stockholm mussten sie ihren Teil aber wieder an Schweden abtreten, das ganze Land südlich der Peene blieb in preußischem Besitz. 
Seit 1721 bestand Schwedisch-Pommern also nur noch aus Rügen und dem vorpommerschen Gebiet nördlich der Peene.
Im Zuge der Auflösung des Alten Reichs 1806 änderte sich auch die staatsrechtliche Stellung Schwedisch-Pommerns. Da sich die Landstände weigerten, einer vom schwedischen König Gustav IV. Adolf geforderten Aufstellung einer Landwehr zuzustimmen, hob dieser am 26. Juni 1806 die bisherige landständische Verfassung und die Zugehörigkeit Schwedisch-Pommerns zum Reich auf.
Damit scherte dieses Territorium noch vor der Bildung des Rheinbundes und der Niederlegung der Kaiserkrone durch Franz II. aus dem Reichsverband aus.
Die auf dem Greifswalder Landtag vom August 1806 geplante Einführung der schwedischen Verfassung und zahlreiche Reformen im Rechtssystem, u. a. die Aufhebung der Leibeigenschaft, und in der Verwaltung kamen wegen der im Juli 1807 erfolgenden französischen Besetzung nicht oder nur mit erheblicher Verzögerung zustande.

 
 

Nochmaliger Besitz 1814/15 und endgültiger Übergang an Preußen im Oktober 1815

Nach zweimaliger Besetzung durch Frankreich und seine Verbündeten 1807 bis 1810 sowie 1812/13 gewann Schweden seine letzte verbliebene Provinz vorübergehend wieder zurück und setzte ab 1810 die 1806 beschlossenen Reformen zumindest teilweise noch um. 
1813 eroberte Schweden in einem Feldzug gegen Dänemark das mit diesem bis dahin in Personalunion verbundene Norwegen. 
Im Frieden von Kiel vom 14. Januar 1814 wurde Dänemark aber im Gegenzug der Erwerb von Schwedisch-Pommern in Aussicht gestellt. Da Dänemark die auferlegten Kriegsentschädigungen an Schweden nicht zahlen konnte, ergriff Preußen auf dem Wiener Kongress die Gunst der Stunde und vereinbarte den Erwerb Schwedisch-Pommerns gegen Abtretung des Herzogtums Lauenburg an Dänemark und Übernahme der dänischen Zahlungen an Schweden.
Die Übergabe durch den schwedischen Generalgouverneur an den Bevollmächtigten Preußens erfolgte im Oktober 1815. 
Aufgrund der vereinbarten Garantie der überkommenen Rechtsordnung hatte das 1818 als Regierungsbezirk Stralsund endgültig in die preußische Provinz Pommern eingegliederte Gebiet weiterhin lange Zeit eine Sonderstellung.

Umgangssprachlich bürgerte sich für Schwedisch-Pommern die Bezeichnung „Neuvorpommern“ bzw. „Neuvorpommern und Rügen“ ein. Damit sollte die Unterscheidung zum bereits 1720 preußisch gewordenen „Altvorpommern“ südlich und östlich der Peene bzw. des Oderstroms kenntlich gemacht werden.
Die schwedische Herrschaft über die Besitzung bei Wismar endete 1803, als das Königreich Schweden die Stadt für 99 Jahre an das Herzogtum Mecklenburg-Schwerin verpfändete.
Endgültig fielen Wismar und die umliegenden Gebiete aber erst 1903 an Deutschland zurück, als Schweden vertraglich auf die Einlösung des Pfandes verzichtete.

 

 
 

Der Große Nordische Krieg 
(gilt bei uns als dritter Nordischer Krieg; der Pommernfeldzug war 1715/1716)

Der Große Nordische Krieg war ein in Nord-, Mittel- und Osteuropa geführter Krieg um die Vorherrschaft im Ostseeraum in den Jahren 1700 bis 1721.

Eine Dreier-Allianz, bestehend aus dem Russischen Zarenreich, den Personalunionen Sachsen-Polen und Dänemark-Norwegen, griff im März 1700 das Schwedische Reich an, das von dem als jung und unerfahren geltenden König Karl XII. regiert wurde. 
Trotz der ungünstigen Ausgangslage blieb der schwedische König zunächst siegreich und bewirkte, dass Dänemark-Norwegen (1700) und Sachsen-Polen (1706) aus dem Krieg ausschieden. 
Als er sich 1708 anschickte, auch Russland in einem letzten Feldzug endgültig zu besiegen, erlitten die Schweden in der Schlacht bei Poltawa im Juli 1709 eine verheerende Niederlage, die die Kriegswende bedeutete. 
Von dieser Niederlage ermutigt, traten die ehemaligen schwedischen Gegner Dänemark und Sachsen rasch wieder in den offenen Krieg gegen Schweden ein. 
Von nun an bis zum Kriegsende hatten die Alliierten die Initiative in ihrer Hand und drängten die Schweden in die Defensive. 
Erst nachdem der als uneinsichtig und stur geltende schwedische König im Herbst 1718 während einer Belagerung von Frederikshald unter ungeklärten Umständen fiel, konnte der für Schweden aussichtslos gewordene ungleiche Krieg beendet werden. 
Die Friedensbedingungen im Frieden von Nystad, dem Frieden von Frederiksborg und dem Frieden von Stockholm bedeuteten das Ende des schwedischen Status als europäische Großmacht und den gleichzeitigen Aufstieg Russlands als neue Großmacht. 
Also war der Pommernfeldzug 1715/1716 ein Feldzug im Großen Nordischen Krieg.
Ein alliiertes Heer, bestehend aus Preußen, Dänen und Sachsen eroberte vom 1. Mai 1715 bis zum 19. April 1716 sämtliche sich noch in schwedischem Besitz befindlichen Gebiete in Norddeutschland. 
Der Feldzug zerfiel in verschiedene Operationen, die teilweise parallel verliefen. 
Sie dienten dabei allerdings nur als Vorbereitung für das Hauptziel, der Eroberung der bis dahin bereits von den Alliierten dreimal erfolglos belagerten Festung Stralsund. 
Neben Stralsund konzentrierten sich die Kämpfe außerdem auf die Inseln Rügen und Usedom, auf Wismar und auf die Ostsee. Dem Feldzug wohnten die gesamte Zeit über der dänische König Friedrich IV. und der preußische König Friedrich Wilhelm I. bei.

 

 

Kriegshandlungen in Schwedisch-Pommern von 1711 bis 1714 

Während des Nordischen Krieges (1700 bis 1721) drangen am 29. August 1711 erstmals dänische Truppen unter dem Kommando Königs Friedrichs IV. von Mecklenburg aus bei Damgarten in Schwedisch-Pommern ein. Die Schweden hatten hier nur 8.000 Mann unter Oberst Karl Gustav Düker stehen. 
Zu den Dänen stießen Anfang September 1711 russische und sächsische Truppen. Sie waren durch die Neumark und die Uckermark gekommen und vereinigten sich bald darauf mit dem dänischen Heer. 
Die zahlenmäßig unterlegenen Schweden beschränkten sich deshalb auf die Verteidigung der beiden Festungen Stettin und Stralsund sowie der Insel Rügen. 
Ab dem 7. September 1711 kam es zu einer ersten Belagerung von Stralsund durch die verbündeten Heere. Jedoch fehlten der Belagerungsarmee schwere Artillerie und genügend Nahrungsmittel für die rund 30.000 Mann starke Truppe. Als am 8. Dezember 1711 = 6.000 Schweden zur Unterstützung Stralsunds auf Rügen landeten, zogen sich die Verbündeten am 7. Januar 1712 nach über 17 Wochen Belagerung zurück und bezogen Winterlager in Mecklenburg. 
Im Mai 1712 rückten erneut russische Soldaten in Pommern ein und es kam zur zweiten Belagerung von Stralsund, bei der die Verbündeten 7.000 Sachsen und 38.000 Russen aufboten. Die Belagerung scheiterte wieder, da am 26. September 1712 =  10.000 Mann unter Kommando des schwedischen Generals Magnus Stenbock auf Rügen landeten und die Eroberung Stralsund unmöglich machten. 
Gegen Ende des Jahres 1712 gelang es dem schwedischen General, die Verbündeten aus Pommern zurückzudrängen und den Krieg nach Mecklenburg und Holstein zu verlagern.
Nachdem die siegreichen Verbündeten aus Holstein wieder nach Pommern einmarschiert waren, erfolgte im Juni 1713 die dritte Belagerung von Stralsund. Diese wurde im Oktober erneut aufgehoben. 
Im August 1713 begannen russische und sächsische Einheiten unter Führung des Fürsten A. D. Menschikoff einen Angriff auf Stettin, welches über eine Garnison von 4300 Mann verfügte. Die Stadt ergab sich am 19. September 1713, nachdem ein achtstündiges Bombardement der sächsischen Belagerungsartillerie große Teile der Stadt zerstört hatte. 
Am 6. Oktober 1713 marschierten, nach Verhandlungen und Zahlung von 400.000 Reichstaler an die Alliierten, preußische Truppen in Stettin ein. 
Schwedisch-Pommern war inzwischen bis auf Stralsund komplett von den verbündeten Dänen, Russen und Sachsen erobert und von Preußen als neutrale Macht besetzt worden.
Da der Schwedenkönig die Zustimmung zu jenem über seinem Kopf getroffenen Abkommen verweigerte, trat Preußen nach weitläufigen Verhandlungen aus seiner neutralen Haltung heraus und schloss zunächst am 12. Juni 1714 einen Vertrag mit Russland ab, in dem Preußen der endgültige Erwerb Vorpommerns bis zur Peene zugesichert wurde. Später folgten gleichlautende Verträge mit Dänemark, England (Hannover) und Sachsen.
 

 

Operationen nach der Belagerung Stralsunds

Am 23. 12. 1715 fällt Stralsund, Karl XIII. flüchtet am 22. 12. 1715 nach Schweden und am 26. Dezember ziehen der preußische und der dänische König an der Spitze ihrer Truppen in die alte deutsche Hansestadt Stralsund ein. 
Die schwedischen Truppen gingen allesamt in Gefangenschaft, wurden aber nach ein paar Monaten wieder entlassen, beziehungsweise traten in alliierte Dienste über. So traten allein am 1. Juni 1716 über 600 schwedische Gefangene in das preußische Infanterie-Regiment Nr. 18 ein.
Nach der Einnahme der Stadt nahm der dän. Generalmajor von Divitz als Generalgouverneur im Namen des dänischen König Friedrich IV. seinen Sitz in Stralsund und regierte das Land absolutistisch.Und nach Übereinkunft mit dem König Friedrich Wilhelm I. von Preussen ließ sich Friedrich IV. von Dänemark auch im Auftrag in Stralsund von den Ständen huldigen. Die Hansestadt Stralsund gelangte so für fast fünf Jahre an das Königreich Dänemark.

 

 

Fall der letzten Schwedischen Festung und Gebietsteile auf dem Boden des Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen

Die Belagerung Wismars, zu der am 2. November noch zwei Bataillone und vier Schwadronen aus Hannover eintrafen, zog sich den Winter über hin und führte bei den Belagerungstruppen wegen der strengen Kälte zu großen Beschwerden.
Nach zehnmonatiger Belagerung wurde schließlich am 19. April 1716 Wismar durch preußische und hannoversche Truppen erobert. Damit fiel auch der letzte schwedische Besitz in Norddeutschland in feindliche Hände. 
Die Festung von Wismar wurde danach geschleift.

 

 

Folgen des Feldzugs

Karl XII. führte nach seiner Rückkehr nach Schweden noch drei Jahre Krieg gegen Dänemark, betrat aber nie wieder deutschen Boden. 
Im Dezember 1718 fiel der schwedische König bei der Belagerung der norwegischen Festung Frederikshall. 
Danach schied Schweden für immer aus der Reihe der europäischen Großmächte aus.
Für Preußen entfiel durch den Sieg jeglicher militärisch-politischer Druck aus dem Norden. 
Im Frieden von Stockholm vom 21. Januar 1720 kam es zum Friedensschluss zwischen Preußen und Schweden.
Als Ergebnis trat Schweden die Stadt Stettin mit dem Gebiet zwischen Oder und Peene, die Inseln Wollin und Usedom, sowie das Frische Haff und die Mündungen der Swine und Dievenow an das Königreich Preußen ab. 
Als Entschädigung erhielt Schweden eine Summe von zwei Millionen Reichstaler von Preußen ausgezahlt. 
Eine Abtretung Vorpommerns nördlich der Peene konnte Schweden vermeiden, so dass es seine faktisch schon verlorene Herrschaft dort wieder ab 17. Januar 1721 errichten konnte und Stralsund de facto bis 1815 bei Schweden verblieb.
Im Frieden von Frederiksborg am 3. Juli 1720 schloss Schweden Frieden mit Dänemark, das musste jedoch seinem einstigen Kriegsgegner 600.000 Reichstaler Kriegsentschädigung zahlen.

 

 

 
Der Stempelpapier- Impost aus der Dänischen Zeit von Vorpommern,
das durch den 3. nordischen Krieges von Dezember 1715 bis Januar 1721 zum Königreich Dänemark
gekommen war. Es ist dies also ein dänisches Stempelpapier, das von Mai 1716 bis 1721 gelaufen sein könnte, also mögliche 5 Jahre!

 

Charta Sigillata vom 5. Dec. 1716 über 2 Lübische Schilling in der Stempelklasse Nr. 1

 

 

 


Brief von 1717 

 

 

 



Charta Sigillata vom 4. Sep. 1717 über 4 Lübische Schilling in der Stempelklasse Nr. 2.  

 

  

Die Stempelpapier- Verordnung wurde im Mai 1716 vom Dänischen König Friedrich IV. wieder eingeführt, 
denn Schweden hatte das Stempelpapier ja schon 1661 in Pommern und 1690 in Vorpommern eingeführt, daher war dieses im Land ja nicht unbekannt.  
Die Anzahl der Klassen und die Höhe der Gebührensätze sind danach aber wohl gleich geblieben. 
So gab es vorher auch eine Klasse 2 in der schwedischen Charta Sigillata mit diesem Gebührenwert von 4 Lübische Schilling. Weil aber nun der König von Dänemark die Macht im Lande repräsentierte und nicht mehr die pommerschen Landstände, so wurden per königlichem Dekret neue Gebührenstempel geschnitten. Diese zwar wieder wie schon zuvor mit dem pommersche Greif, der bekam aber nun eine überdimensional große dänische Königskrone aufgesetzt und wurde auch mit einem Lorbeerkranz (Siegerkranz) umkränzt! 
Die Klassennummern und der Gebührenwert wurden wie in ganz Dänemark bei den Stempelpapieren auch, außerhalb vom eigentlichen Wappenstempel hinzugefügt!
Es galt in Vorpommern nach wie vor der lübische Schilling. 

 

 

  



Charta Sigillata aus Stralsund vom 4. April 1718 mit Vorpommersche Insiegel.
Unterschriften der Pommerschen Regierungsräte 
von links: Gotsche von Thienen, Johann Friedrich von Hohenmühle,
August Bernhard Kampferbeck und August Friedrich Johnn


 


 

Quellen:
- Wikipedia freie Enzyklopädie, 
- Handbuch über den Stempelpapier- Impost aus Pommern- Vorpommern, 
  von Wolfgang Morscheck Bad Säckingen 2003/2009 
- Dokumente aus dem Altbriefe-Fundus von Eckhard Schneider Oranienburg, hierfür vielen Dank! 
- Vorpommern nördlich der Peene unter dänischer Verwaltung 1715 bis 1721 
  von Martin Meier, R.
Oldenbourg Verlag, München 2008

www.stempelpapier.de