Der Stempelpapier- Impost nach Napoleon für die Kasse von Kurhannover/ Königreich Hannover ab 1815 – 1822
 



 

Auf dem Wiener Kongress wurde 1815 das von Napoleon I. aufgelöste Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg („Kurhannover“) als Königreich Hannover neu errichtet. 
Dank des Verhandlungsgeschicks des hannoverschen Kabinettministers am Englischen Hof, Graf Ernst zu Münster, gelang auf dem Wiener Kongress auch eine Arrondierung des Territoriums. 
Dem Königreich Hannover wurden die Niedergrafschaft Lingen, das Herzogtum Arenberg-Meppen, die Grafschaft Bentheim, das Hochstift Hildesheim, die Stadt Goslar, Bereiche des Untereichsfelds und das Fürstentum Ostfriesland zugeteilt.
Die seit 1714 bestehende Personalunion zwischen „Kurhannover“ und Großbritannien setzte sich noch bis zum Tod König Wilhelms IV. 1837 fort.

 

Die Geschichte von BUER und Tittingdorf aus dem diese Urkunden stammen

Südlich des Wiehengebirges liegt in hügeliger Landschaft das Kirchspiel Buer, in den Grenzen etwa identisch mit der ehemaligen Samtgemeinde Buer. Nachweisbare Besiedlungen gab es in der Bronze- und Eisenzeit (ca. 700-500 v.Chr.). Bei Wetter wurde ein Hügelgräberfeld gefunden mit Urnen. Um Christi Geburt lebten in der Gegend germanische Stämme, z.B. die Cherusker. Die Römer versuchten vergeblich ihr Reich nach Norden auszudehnen und haben verschiedene Feldzüge in diese Region unternommen. 
Am Nordrande des Wiehengebirges, 30 km von Buer entfernt, wurden 3 römische Legionen von germanischen Truppen vernichtet. In der Zeit von 500 bis 700 n.Chr. breitete sich der germanische Stamm der Sachsen in Nordwestdeutschland (dem heutigen Niedersachsen) aus. Die Sachsen waren Bauern. 
Die Gegend um Melle nannten sie „Graingau“ (heute Grönegau). Das Gebiet um Buer war damals überwiegend dichter Wald und Buschland, in dem nur kleine Siedlungsinseln existierten.  Die Sachsen bauten rechteckige hölzerne Pfostenhäuser, Vorläufer der niedersächsischen Bauernhäuser. Sie siedelten auf Einzelhöfen oder mit einer Sippe in kleinen Dörfern. Es ist wahrscheinlich, daß folgende Orte bei Buer in dieser Zeit entstanden: Buer, Löhlingdorf, Tittingdorf, Wehringdorf, Düingdorf, Wetter, Sehlingdorf, Meesdorf. 
Ab 772 begann der Kampf der christlichen Franken gegen die heidnischen Sachsenstämme. Er währt bis nach 800. Die Franken gründeten Kirchen in Osnabrück und Melle und missionierten nach und nach die widerspenstigen Sachsen. Durch weitere Rodungen um Buer wurden die Bauernschaften vergrößert. An 8 Stellen bei Buer errichteten die Franken beherrschende Bauernhöfe, die sogenannten Meyerhöfe: Buer, Wetter, Tittingdorf, Bulsten, Barkhausen, Sehlingdorf, Hustädte, Meesdorf. Wann die erste hölzerne Kirche in Buer errichtet wurde, ist unbekannt (vielleicht um 1000). Ein befestigter Kirchenbau aus Stein stammte angeblich aus dem Jahre 1111. 

Die frühesten urkundlichen Erwähnungen von Buer und umliegender Bauernschaften reichen nur in diese Zeit zurück:
1000: Metdisdorphe (Meesdorf),
1050: Thiedeningthorpe (Tittingdorf)
1150: Liudolfinctorpe (Lölingdorf)
12.Jh: Bulseten ( Bulsten )
12.Jh: Ecquardinctorpe (Eggendorf)
1204: Dodinctorpe (Düingdorf)
1215: Wettere (Wetter)
1223: Werßholthusen (Holzhausen)
1223: Selencthorpe (Sehlingdorf)
1230: Eknen (Eicken)
1231: Bure (Buer)
1240: Bareghusen (Barkhausen)
1244: Weringtorpe (Wehringdorf)

Der erste erwähnte Hofname ist Plohr in Wetter (1216). 

Buer lag am östlichen Rand des Bistums Osnabrück; angrenzend an das Bistum Minden. 
Im Mittelalter gab es hier häufig Grenzstreitigkeiten. In dieser Zeit geraten viele Bauern auch in die Fehden der ritterlichen Besitzer des Umlandes und begeben sich nach und nach in den Schutz der Kirche und des Adels. Zwei der adeligen Burghäuser befanden sich am Rande des Kirchspiels Buer: Ostenwalde und Huntemühlen.  

Die meisten Bauern wurden im Mittelalter ihren Grundherren eigenbehörig.
Nur etwa 10% der Höfe in und um Buer blieben frei.
 

Ein Schatzregister aus 1593 zählt insgesamt 298 Bauernhöfe im Kirchspiel Buer. 
Die Klassifizierung der Höfe blieb über Jahrhunderte festgeschrieben: Die Vollerben (113) und Halberben (10) waren die Großbauern; meist die ältesten Stätten im Ortskern. Sie wurden über Generationen vererbt, sofern die Grundherren dem zustimmten. Die Erbkötter (92) und Markkötter (83) waren kleinere, später gegründete Höfe am Ortsrand. Um 1550 ist das Kirchspiel Buer geschlossen zum lutherischen Glauben übergetreten. Ab 1600 nahm die Bevölkerung stetig weiter zu. Es bildete sich der Stand der besitzlosen Heuerlinge heraus, die in Kotten und Backhäusern der Großbauern zur Miete wohnten. Der einsetzende Flachsanbau ermöglichte den Heuerlingsfamilien durch Spinnen und Weben ein zusätzliches Einkommen. Während des 30-jährigen Krieges 1618-1648 wurde die Gegend zwar von Kampfhandlungen verschont, hat aber häufiger Heerlager beherbergen müssen.
Ab 1671 wurde in Buer ein Kirchenbuch geführt. Die Heiratseinträge und Begräbnisse sind vollständig, die Taufen erst ab 1711 erhalten.
Im 18. Jahrhundert nahm die Nutzung des gemeinsamen Weide- und Waldlandes immer mehr zu; die Buersche Mark wurde schonungslos ausgebeutet.
Im Jahre 1763 wurde daher die Markenteilung beschlossen. 
Jeder Bauer erhielt seinem Stande entsprechend einen Teil des umliegenden Waldes.
1807 begann für Norddeutschland die Franzosenzeit. Buer wurde „Mairie“ und damit ein Teil der französischen Verwaltungsstruktur. Auch wenn diese Zeit schon 1813 mit Napoleons Niederlage endete, wurden einige liberale Reformen wirksam.
Die eingeleitete Bauernbefreiung sollte noch auf sich warten lassen. 
Das Königreich Hannover, zu dem Buer nun gehörte, erließ 1831 ein Ablösegesetz. Dieses versprach den Bauern die Möglichkeit, den Hof von den Grundbesitzern „freizukaufen“.
So geschah es in den folgenden Jahren auch in der Vogtei Buer.


 

 



Actum, Tittingdorff 18. Maiy 1815

Fiskalstempel Erler unbekannt!
Aber wieso eigentlich Erler? Das ist ja nun schon längst überholt ...
 

 



2 MGR. für MarienGRoschen und 7PF. für Pfennig
CONV: MZE. für Convenzions Münze

 


 

Währung im Königreich Hannover 

Im Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (umgangssprachlich „Kurhannover“) galt 1813 als Landeswährung der Taler, der in 24 Gutegroschen zu je zwölf Pfennigen oder in 36 Mariengroschen zu je acht Pfennig unterteilt war. 
Das große Zwei-Drittel-Taler-Stück entsprach demnach 16 Gutegroschen oder 24 Mariengroschen.
Man nannte das Geldstück auch „Gulden“ und da 18 dieser Gulden gleich 12 Taler waren, nannte man ihn auch den „18-Gulden-Fuß“. 
Dieses sogenannte „Cassengeld“ diente in Hannover für die Zahlung bei den öffentlichen Kassen, also auch bei der Postkasse, als Grundlage der Berechnung.
Die kleinste ausgeprägte vollwertige Silbermünze war „Ein-Zwölftel-Taler-Stück“, auch 2 Gutegroschen oder 3 Mariengroschen genannt.
Münzen von geringerem Wert waren aus minderwertigen Legierung oder Kupfer. Man musste sie nicht in größeren Mengen annehmen, sie dienten nur zur Ausgleich von Zahlungen bis zum „Ein-Zwölftel-Taler-Stück“. 
Solche Scheidemünzen waren in Hannover ein vierundzwanzigstel Taler = ein Gutegroschen, ein Mariengroschen und vier Pfennig sowie ein Mattier (Matthiasgroschen) oder halber Mariengroschen aus Silber und Zwei- bzw. Ein-Pfennig-Stücke aus Kupfer.
Die Goldmünzen standen in keinem Verhältnis zu den Silbermünzen. Der Preis dieser sogenannten „Handelsmünzen“ richtete sich nach den jeweiligen Goldpreis. 
Ein Dukat (bis 1831 geprägt) entsprach 1813 in etwa 2 Talern 17 Gutegroschen.
An ihre Stelle traten „Pistolen“ die ursprünglich 5 Taler wert waren und 1813 noch 4 Taler 20 Gutegroschen galten.
Neben den im Lande geprägten Münzen waren die unterschiedlichsten Münzen „fremden Gepräges“ im Umlauf.
Hinzu kamen die Münzen aus den neu hinzugekommenen Gebietsteilen, die natürlich auch ihre eigenen Währungen hatten. 
In Ostfriesland galt der Preußische Courant, bei der aus einer Mark Silber 14 Taler (21 Gulden) geprägt worden waren.
Als Scheidemünze war, nach dem Niederländischen Vorbild, der Stüber in Gebrauch. In Hildesheim galt ebenfalls der Preußische Courant, im Emsland das Conventions-Geld und in der Grafschaft Bentheim (meine Heimat) rechnete man in Holländischen Geld.
Das bunte Nebeneinander (18-, 20- und 21-Gulden-Fuß) wurde durch eine Reihe von Verordnungen geregelt.

 


 



Tittingdorff 7. Juni 1815






 9 MGR: für MarienGRoschen 4 PF: für PFennig
und
2 MGR: für MarienGRoschen 7 PF. für Pfennig
CONV. MZE. für Convenzions Münze

 

 

 



Königreich Hannover, Marckentorf 1815 
Conventions Münze schon 1815!

 



Stempel Taxe
2 Gute:Groschen
CONV:MZE

Warum hier ein Stempelpapier schon  1815 in Gute Groschen Konventionsmünze abgerechnet worden ist?
Ganz sicher wurde dieser Kaufvertrag über die ausgelobte Summe Geldes erst im Jahr 1817 nachbesteuert!
Zu sehen an dem durchgestrichenen Wort "Conventions" ; 
darüber wurde das Wort "Gangbare" Müntze gesetzt!
"Von 6 hundert und 50 rl thaler sind 100 in Golde und 550 rl thaler in guten gangbaren Müntze ... 
und alle Jahr hundert drei prozent zins"!


 

  

Währung ab 1. November 1817 

Mit Wirkung vom 1. November 1817 übernahm das Königreich Hannover den Conventions-Fuß, nach dem „20-Gulden-Fuß“, als Landesmünze. So etwas ging nicht von heute auf morgen vonstatten. Convention-Münzen waren bereits seit 1816 geprägt worden.
Die alten „Ein-Zwölftel-Taler-Stücke“ wurden beileibe nicht eingeschränkt, sie wurden noch bis 1839, mit dem Bild des jeweiligen Königs, weitergeprägt. Wieder war das „Zwei-Drittel-Taler-Stück“, mit dem Pferd auf der Vorderseite, größte Scheidemünze mit der Wertbezeichnung „16 Gute Groschen“. Gleichgeachtet wurden die „gerechte Conventions-Münze fremder Landes-herrschaften, auf welcher in der Inschrift angegeben ist, wieviel aus der Mark fein geprägt sind“. Namentlich werden braunschweigische, sächsische und hessische Münzen aufgeführt.
Seit dem 1. Januar 1818 wechselte bei der Berechnung von Mariengroschen auf Gutegroschen zu 12 Pfennigen.
Die silbernen Scheidemünzen des Kassengeldes wurden dem Conventions-Geld gleichgestellt, die kupfernen blieben unverändert.
Bis auf wenige, eigens benannte Ausnahmen, war die „fremde“ Scheidemünze im Königreich verboten.
Der Wert der Goldmünzen wurde neu festgesetzt. 
Der Dukaten entsprach nun ein Taler 23 Gutegroschen 1 Pfg. Conventions-Münze. die Pistole 5 Taler vier Gutegroschen und 5 Pfennige.

 

 



Actum Tittingsdorff 27. Maiy 1817



 


2MGR.7PF:
CONV.MZE.

 

 



Tittingsdorff 27. Maiy 1817. 


 
 



Königreich Hannover, Melle 1818
Klage des Colonum Bulthaupt zu Tittingdorf
Königl.  Großbrit. Hannoversche Amt Grönenberg, gez. F. Durfeld

 


Stempel Taxe
2
G:Groschen
CONV:MZE.

 

 



Königreich Hannover 1822,
Actum Buer, Bauernschaft Düingdorf

 



Actum Buer 1822

 
 

Sicher wäre aus dieser Akte noch viel mehr an Hintergrundinformationen aus dieser Zeit zu erfahren,
aber wir wollen uns ja nur auf den Fiskalischen Aspekt d.h auch auf die Währungskunde konzentrieren!

 Auf jeden Fall wieder ein Stück Geschichte pur anhand und mittels der Fiskalphilatelie! 

Will man philatelistisch in diese Zeit eintauchen, dann geht das eben nur mit der Fiskal-Philatelie!

Deshalb merke: 
Eine Briefmarke flüstert, ein Brief spricht, aber ein Stempelpapier schreit, Punktum!



 

Quellen: 
- Dokumente - wie so oft - aus dem anscheinend unendlichen Stempelpapier Fundus von Gunter Wagner, Filderstadt. 
- weiterhin  mein Handbuch vom Stempelpapier- Impost aus dem Kurfürstentum/Königreich Hannover 
 - ansonsten weitere Infos aus der Freien Enzyklopädie Wikipedia


www.stempelpapier.de