Ich schätze die Fiskalphilatelie aufgrund ihrer Vielfalt ... 
ist halt was für uns Spezialisten…, so z. B. hier: 
Die Lustbarkeits-, Vergnügungs- bzw. die Nachtsteuer aus Stuttgart, die sog. Night- Tax

 

 

Nachtstreunen
Wortklasse: Neutrum, Erklärung: wie Nachtgehen.
Belegtext: [daß die Übertreter] ohne einige gnad mit der zu solchem end uffgerichten wippen gestrafft werden sollen, damit mäniglich unser über solches nachtstreünen und rumoren tragendes mißfallen verspüren ... möge
Datierung: 1625 Fundstelle: Kramer,Volks/Ansbach 149 

 

Die Nachtsteuer-Marken
Als in der Inflationszeit nach dem 1. Weltkrieg die Stadtkassen leer waren und neue Steuerquellen gesucht wurden, kamen die Stuttgarter auf die Idee, eine „Nachtsteuer“ einzuführen.
Danach mussten die Wirte in den Wirtschaften, Weinstuben und Nachtlokalen von jedem Gast, der über 23:00 Uhr hinaus im Lokal hocken blieb, eine Nachtsteuer von 15,00 Mark verlangen, wofür der Gast dann eine Nachtsteuer- Marke als Quittung erhielt. Die Stadt Stuttgart führte diese Steuer als 1. deutsche Stadt am 27. Oktober 1921 ein, und schon im März 1922 befanden sich 500.000 Mark im Stadtsäckel, und von April 1922 bis März 1923 waren es gar 1.636.086 Mark. Diese Tatsache ermutigte weitere Städte zur Einführung dieser lukrativen Steuer. Am 11. Dezember 1924 versiegte diese Quelle jedoch wieder. Die Steuer wurde abgeschafft – doch nicht für immer. In den Jahren vor dem 2. Weltkrieg lebte sie in einigen Städten wieder auf, jedoch unter dem Namen „Hockersteuer“.
Als Quittung erhielten die „Wirtshaushocker“ im rheinlandpfälzischen Städtchen Landstuhl statt der Marke einen Zettel, auf dem folgender Vers aufgedruckt war: 
Vom Turm rief schon die Mitternacht, noch kreisen die Pokale. 
Ihr frohen Zecher wohlbedacht, wer Sitzfleisch hat, bezahle.


 

 

 

Stadtgemeine Stuttgart
Nachtsteuermarke über 5 Mark
Lfd. Steuernummer 13491

Erler listet die unter dem Jahr 1921, Nr. 1 und mit - -, 
soll heißen, eine Preisfindung war nicht möglich, 
da die Marke bisher auf dem Markt nicht vorgelegen hatte!


 

  



Oben und untern gezähnt 10,
rechts Seite wohl Markentrennung durch Ausriss mit Lineal
WZ ja! = Netzwerk? schreibt Erler-Jaedecke
Laufende Markennummer = 15252

Erler listet die unter dem Jahr 1921, Nr. 2 und mit - -, 
soll heißen, eine Preisfindung war nicht möglich, 
da die Marke bisher auf dem Markt nicht vorgelegen hatte!


 

 

 



Rückseite der Steuermarke mit Stempel der Lokalität  „Korso Cafe“
Handschriftliche Entwertung mit Datum 13.5.22

 

 

 



Nachtsteuermarke komplett rundherum gezähnt 10

Erler listet die unter dem Jahr 1921, Nr. 2 und mit - -, 
soll heißen, eine Preisfindung war nicht möglich, 
da die Marke bisher auf dem Markt nicht vorgelegen hatte!


 

 



Waldhard`s Künstlerbreit, 
Steuerstempel Entwertung in rot: 2 April 1922

 

 
 

Quellen: 

- Katalog der Fiskalmarken der Stadt Stuttgart, von Erler- Jaedecke
- Steuermarken aus dem Fundus Gunter Wagner

     

www.stempelpapier.de