Theilscheinmarken 
-
woher leitet sich ihr Name ab?



Theilscheinmarken  sind Gebührenmarken, die man auf FRACHTVERTRÄGE klebte. 
Diese Dokumente sind / waren ja auch immer abgabepflichtig / steuerpflichtig!


Erklärung, warum THEIL-SCHEIN: Der FRACHTVERTRAG heißt auf Englisch CHARTER PARTY, das kommt aus dem Französischen CHARTE PARTIE also: GETEILTES PAPIER!

Aber warum geteilt? Wenn die Makler und Broker nun Reeder- Frachtverträge aushandeln und aushandelten, wurden immer 2 Exemplare gemacht, eines für den Broker des Reeders (also der, der das Schiff zur Verfügung stellt), und eines für den Broker des Charterers, also der das Schiff mietet. 
Der Wortlaut war beides mal natürlich derselbe, und wenn der Schreiber das Dokument erstellt hatte, wurde dieses Doppeldokument natürlich von beiden Parteien unterschrieben, dann auseinandergetrennt ... und jeder bekam sein Stück für die Akten. 

Aber nur die gesamte Akte wurde besteuert und mit einer dieser Stempelmarken beklebt und die Steuer damit entwertet! 

Die CHARTE PARTIE ist also ein THEIL-SCHEIN, weil er geteilt wurde. 

 
Daß ausgerechnet diese Marke nicht geteilt wurde, ist ein wenig verwunderlich, denn das kam  in der Fiskalphilatelie Deutschlands ja oft vor, siehe Wechselsteuer-, Lotteriesteuer-, bzw. Warenterminhandelssteuer- Marken usw., und diese Marken wurden geteilt. 

Diese Stempelsteuer galt es überall in den Häfen von Deutschland bzw. in den Häfen der Altdeutschen Staaten zu bezahlen, so eben auch in Bremen, Danzig, Emden, Kiel, Lübeck, Hamburg, Stettin, Stralsund usw. 

Die erste Stempelsteuer- Verordnung die ich kenne, stammt aus dem Herzogtum Mecklenburg- Schwerin aus dem Jahr 1704, und auch damals wurde diese Stempelabgabe "Charte Partie" benannt!

Solch eine große Reederei wie die Woermann- Linie hat natürlich auch solche Charterverträge en masse geschlossen. Und diese Verträge mussten alle mit dieser Teilschein Marke = Gebührenmarke laut Gesetz bestempelt werden und die Woermann Linie hatte aufgrund ihres großen Geschäftsvolumens für die Kai- Quai- Lager- Liegegebühren und auch für die Charter- Verträge bzw. für die Frachtverträge sich eigene Marken drucken lassen, damit diese immer vorrätig waren! 

Die Stempelsteuer Abgaben gingen in diesem Fall an die Freie Reichsstadt Hamburg!
 

Ein kompletter Charter- Vertrag ist mir bis dato noch nicht untergekommen, aber vielleicht kann damit  ja mal ein europäischer Fiskalsammler aushelfen!

 



 


Kaibetrieb der Deutsche Ostafrika Linie
Hier eine Teilschein Marke über 30 Pfennig
23. DEZ. 12

 

 



Teilschein Marke der Woermann Linie zu 30 Pfennig
Stempelinschrift und Datum:
30.DEZ.12, Hauptkasse d. WL. u. d. D. O. A. L. 
= (Hauptkasse der Woermann Linie oder der Deutschen Ost Afrika Linie)



www.stempelpapier.de