Ein als Brief versendetes Stempelpapier 

 

In der postalischen Philatelie wird immer noch häufig nur vom Brief geredet; und beschrieben werden zumeist der Kopf vom Brief, eventuell noch die Taxe und der Laufweg, aber das war's dann auch schon! Den Versuch, den Inhalt oder das Papier an sich auch zu beschreiben, wurde jedoch früher seltenst unternommen!

Erst heutzutage springen die postalischen Philatelisten auf diesen Geschichtszug auf, damit ihnen ja bloß nicht noch die wahre philatelistische Geschichte davonfährt. Na besser spät als nie! 



Ich zeige nun hier ein gelaufenes / versendetes Stempelpapier aus der Churpfalz auf, das zu einem Brief zusammengefaltet worden war.  Und dieser Umschlag wurde am Ende mit einer Wachs-Präge-Petschaft  versiegelt, wobei das Siegel beim Öffnen des Umschlages am Ende zerrissen werden musste. 

Dieses zu einem Brief gefaltete und vorab gestempelte Papier stellt den Ursprung unserer Philatelie dar! 
Und wer etwas anderes erzählt, hat die wahre Geschichte der Papiersteuer noch nicht gelesen!

An Frau Mayerin
zum Mayerhoff
in Mannheim

Extractus 

Wachenheimer StattRaths protocolli d d. 27tn. 7bris (septembris) 1779 

In Sachen Frau Mayerin zu Mannheim a. Johann Jörg Kolb, Johannes Mayers Wittib, und Philipps Jacob Müller pto (in puncto) debitorum Hypotheciorum (Hypothekenschuldner) ad. 200.- f dito 200.- f und 600.- f (......).
Erstere übergibt schriftliche Vorstellung und bittet denen debitoribus (Schuldnern) die Capitalien gerichtlich auf zu kündigen, und ihr Extractum protocollum zuzusenden. 

denen schuldnern, welchen das petitum (Verlangen) vorgelesen wurde, wurde auferlegt: 

gleich nach dem Herbst  die Interesse, das Capital aber in Zeit 3. Monath (binnen 3 Mon.) unter Vermeidung der Execution abzuzahlen, oder die Verstei(ge)rung deren unterpfändern zu gewärtigen. 

in fidem Extractus [so viel wie: für die Gewissenhaftigkeit, Richtigkeit]

Stam .....





 



Stempel: DE TURCKHEIM
Röteltaxe: 4 

 

 



Ein vorab bezahltes und gestempeltes Papier, 
bei uns Fiskalphilatelisten wird das "Stempelpapier" genannt!

 

 



Extractus, zu bezahlen mit 2: Kr für Kreuzer in der Klasse N. 1
Stempelentwertung wie vorgeschrieben mit Paraphe = hier Namenskürzel!



In dieser Klasse wurde im Stempelpapier- Edikt von 1701 beschrieben, welche staatlichen und behördlichen Leistungen auf Stempelpapier gefertigt werden mussten und dann am Ende auch im voraus zu bezahlen waren. 

Wenn nicht auf Stempelpapier gefertigt und geschrieben bzw. nicht im voraus bezahlt, 
waren solche Schriftstücke null und nichtig, bzw. galten als nicht eingegangen oder angenommen!

 

 

 
Quelle: Stempelpapier- Fundus Gunter Wagner Filderstadt

 

        

www.stempelpapier.de