Der Stempelimpost aus einer der kleinsten Reichsherrschaften im 
Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation,
der Burgherrschaft Friedberg - neu aufgefunden!

 
 

Geschichte einer Burg

 
Die Römersiedlung

Unsere kleine Führung durch die Geschichte der Burg in Friedberg beginnt mit einem römischen Badegebäude (entstanden ca. 90 n. Chr.), dessen Ruinen 1963 an der Westseite des Burgbergs entdeckt wurden, als ein Neubau für das dortige Gymnasium errichtet werden sollte. Man restaurierte jene Reste, welche erfreulicherweise gut erhalten waren, und bezog sie in das neue Gebäude mit ein. Das Besondere an der Anlage sind die gut erkennbaren technischen Einzelheiten. Die Benutzung des Badehauses ähnelte sehr dem heutigen Saunasystem. 
Wenn auch schon seit der Frühzeit Besiedlungen auf dem Burgberg festzustellen sind, so ist die Besiedlung Friedbergs durch die Römer im 1. Jahrhundert durch umfangreiche Funde besonders gut belegt. 
Der Name Friedberg bezeichnet einen durch eine Burganlage befestigten Berg. Bei Tacitus in den Annalen 1,56 wird ein ’castellum in monte taunum’ genannt, das ein Römerkastell im Jahr 15 n. Chr. im Aufmarschgebiet der Germanen gegen die Chatten bezeichnet. Sollte dies wirklich der Friedberger Burgberg sein, dann hätte der Hügel bereits damals diesen Namen getragen. Das Wort ’tun’ oder ’taun’ stammt aus dem Keltischen und bedeutet soviel wie Zaun und im übertragenen Sinne umwehrte, umfriedete Siedlung. Dies würde exakt der Bezeichnung Friedberg entsprechen. 
Es gibt einiges, was für diese Namensanalogie spricht, denn die geographische Lage Friedbergs würde in den von Tacitus beschriebenen Zusammenhang passen. Die archäologischen Funde sind allerdings nicht so eindeutig mit den Ereignissen des Jahres 15 n. Chr. in Verbindung zu bringen. Daher ist es unter Archäologen umstritten, ob unsere Friedberger Burg wirklich auf dieses römische Kastell zurückzuführen ist. Es ist jedoch unstreitig, dass zum Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. auf dem Boden der heutigen Stadt Friedberg eine große Römersiedlung existierte. 
 

Die Burg im Mittelalter

Für die Jahrhunderte zwischen der Zeit der römischen Herrschaft und der Gründung der Burg nach 1170 ist eine kontinuierliche Besiedlung nicht nachgewiesen. 
Die Gründung erfolgte durch den Staufer- König Friedrich I. Barbarossa, der unfreie Dienstmannen aus der Umgebung auf den Burgberg setzte und diese die „Burghut“, d.h. militärische Schutzaufgaben, übernehmen ließ. (Keller 1993, 19-22)  Die Dienstmannen wurden zu Rittern oder Burgmannen ernannt. Einige der Familien bauten sich Häuser und Ställe, die man heute als Burgmannenhäuser bezeichnet und die einen großen Teil der Gebäude der Burg ausmachen. Als Oberhaupt gab es von 1310 bis 1806 einen Burggrafen, der von den Burgmannen aus ihrer Mitte gewählt wurde. Natürlich lief das Leben auf der Burg und um die Burg nicht immer reibungslos ab. So lag das politische Gleichgewicht anfangs bei der Burg, doch die Stadt Friedberg wollte eine einseitige Ausnutzung (z.B. bezog die Burg Einnahmen aus der Stadt) nicht länger hinnehmen und verbündete sich 1226 mit Frankfurt und Gelnhausen, was zur Folge hatte, dass Friedberg 1256 dem Rheinischen Städtebund beitrat. Der Konflikt fand sein Ende 1275 in der Zerstörung der Burg durch die Stadt. Da die Stadt mit ihren Mauern immer weiter auf die Burg zurückte, sah man sich gezwungen, einen zweiten Zugang an der schwer zugänglichen Nordseite des Burgberges zu schaffen. Die Zerstörung der Burg wollte man aber nicht so einfach hinnehmen, deshalb wurde im Jahre 1306, zu Zeiten der Habsburger, versucht, die Stadt (wieder) unter die Herrschaft der Burg zu bringen. Da Kaiser Karl IV. die Stadt Friedberg verpfändete, wurde eine starke Abhängigkeit der Burg durch gekaufte Pfandschaften deutlich. Damit konnte die Burg großen Druck auf die Stadt ausüben, dem Burggrafen musste gehuldigt werden und man musste sich zu Gehorsam verpflichten.
1535 gelangte der letzte Anteil der Pfandschaft an die Burg. Diese ließ dann als Zeichen der Oberherrschaft zu Anfang des 16. Jahrhunderts das Wappenschild der Stadt in ihr eigenes einbeziehen. 1698 wurde das größte Burgmannenhaus, der Kronberger Hof - ein stattlicher Renaissancebau aus den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts - von der Burgregierung als Amtssitz für den Burggrafen gekauft. 

Anm.

 

 

 

 Seit dem 17. Jahrhundert entwickelte sich hinter den Mauern der Burg eine mit Schloss, Burggarten, Kirche, Kanzlei und Schule ausgestattete Residenz, die in dieser Form als souveräner Staat existieren konnte. Die Burg bildete eine eigene Burggrafschaft. Die Burggrafschaft war genossenschaftlich organisiert und reichsunmittelbar. Die Rechtsstellung eines Burgmannen war erblich und befand sich in den Händen umliegender adeliger Familien. Es gab etwa 100 Burgmannen. Die Aufgabe der Burg war der Schutz der Wetterau und anderer zeitgleicher Gründungen wie Gelnhausen, Frankfurt, Wetzlar, Glauburg und Büdingen. Um der Residenzpflicht zu genügen, wurden innerhalb der Burg Burgmannenhäuser gebaut. In späterer Zeit wurden die Aufgaben der Burgmannen oft durch deren dort residierende Beamte wahrgenommen. Seit dem 15. Jahrhundert bildete die Burg eine eigene kleine Herrschaft in der Wetterau, indem sie die Pfandschaft über die Stadt Friedberg 1445 und das Freigericht Kaichen erwarb. 

 

Die Burg Friedberg war eine der kleinsten Residenzen (wie die Burggrafschaft in Nürnberg auch) im Römischen Reich Deutscher Nation. 

 
Beide – Burg und Stadt Friedberg – waren selbständige rechtliche Einheiten, später eigene Territorien innerhalb des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation.

 

Die Burg im 19. Jahrhundert

Die Burg behielt ihre staufische Verfassung bis 1806 und wurde dann vom Großherzogtum Hessen- Darmstadt mediatisiert. Erst 1834 wurde die Burg in die Stadt Friedberg eingemeindet.

  

Das erstaunliche ist, dass auch diese kleine Reichsherrschaft Stempelpapiere herausgegeben hatte! 

Da diese Burggrafschaft reichsunmittelbar gestellt war, hatte sie mit der Reichsstadt Friedberg gerichtlich und steuerlich nichts zu tun!

 

Damit ist es wieder gelungen, ein Teilgebiet aus den Altdeutschen Staaten aufzufinden, zu lokalisieren und zuzuordnen!

 

www.stempelpapier.de