Fiskal-Philatelistisches Narrentreffen im BDPh-Forum


Nach Mitgliedsbeitragsmarken des nationalsozialistischen Reichsnährstandes befragt, äussert sich spontan ein "Historiker", der sich beeilt zu sagen, dass er die Marken seinerzeit extrem billig eingekauft habe, klaro - sie sind ja schliesslich "für Philatelisten ... ohne Belang", und dass diese, merke, 
"Mit Fiskalphilatelie überhaupt nichts zu tun" haben.  

Seien wir ihm dankbar, dass er die Erklärung schuldig bleibt, 
denn sonst müssten wir diese auch noch lesen ...

Aber auch die ARGE Fiskalphilatelie im BDPh weiss nicht viel mehr zu vermelden, ausser dass diese Marken - klaro - sehr häufig sind – und schon oft Diskussionen geführt wurden, ob solche Marken zur Fiskalphilatelie gehören oder nicht. 
Sie kamen schliesslich zu dem Ergebnis, "dass es sich bei einer quasi Zwangsmitgliedschaft um eine staatliche Gebühr handelt, die Marken also der Fiskalphilatelie zuzurechnen sind".
Näherer geschichtlicher Hintergrund fehlt auch hier, das habe ich aber auch nicht anders erwartet.


Doch ziehen wir einfach mal die Narrenkappen ab 
und betrachten wir das Problem kurz und bündig:

Es dürfte wohl niemand daran zweifeln, dass im NS-Staat die Bevölkerung mit allen Möglichkeiten zum Zwangssparen genötigt wurde, um die  Kriegswirtschaft anzukurbeln und in Gang zu halten.
So führte durch die Zwangsmitgliedschaft im Reichsnährstand für die Angehörigen dieses Berufsstandes nichts an den Beitragsmarken vorbei, so wurden vom Brutto- Arbeitslohn diese Zwangs- Beiträge einbehalten und als Gegenleistung wurden die Beitragsnmarken verklebt. 
Aber vom all dem Zwangs- Sparen hatten die Volksgenossen rein gar nichts, und mit Beginn des Krieges waren die meisten männlichen Zwangs- Mitglieder in die Armee eingezogen worden!

Ich frage mich allen Ernstes nur, was es da noch zu diskutieren gibt?!

Auf jeden Fall können wir auf die erste Definition von "Fiskalmarken" auf der Seite der Arge Fiskalphilatelie gespannt sein ...

die Narrenzeit ist ja nie ganz vorbei!



gez. Wolfgang Morscheck, Bad Säckingen

 

 

Gefolgsmitglieds-, also eine Zwangs- Beitragskarte 
vom NS- Reichsnährstand Blut und Boden
   
   
   
 
Das muß ich nun doch sagen:
Ich bin überrascht, dass die ARGE Fiskalphilatelie im BDPh über eine Zugehörigkeit dieser Marken - zudem auch noch mit einem  Historiker aus dem BDPh Forum - diskutieren muß.
Das einzige, was nicht ganz klar ist, ist die Frage, ob es eine reine Steuermarke ist, oder ob es eine Gebühr für grundsätzliche Leistungen der Organisation (Reichsnährstand) darstellt, bei der die Zwangsmitgliedschaft besteht.
Aber Fiskalmarken sind es nach meinem Verständnis in jedem Fall, weil sie für den NS- Staat zweckentfremdet verwendet worden sind.
Sie gehören zu dem Kreis der unzähligen NS – Zwangspfennigspenden für den Aufbau der gesamten Wirtschaft. Und davon gibt Martin Erlers Katalog ja wohl zur Genüge Kenntnis.
 
Ich glaube, es ist unbestritten, daß es in diesem Falle in erster Linie um eine staatliche Organisation handelt, die ihre Fiskalmarken aufgelegt hat, um den privaten Konsum zugunsten staatlicher Ausgaben zu beschneiden. Am Ende schöpft der Staat den Verbraucherrahm ab und verwendet diese Steuermehreinnahmen für staatliche Zwecke. Und es war halt Hitlers Rüstungsprogramm, das sollte doch geschichtlich nun schon längst alles bewiesen sein.
 
Deshalb an dieser Stelle meine Empfehlung: Die Leute, die meinen, hier alles in Frage stellen zu müssen, sollten sich schleunigst in die Materie einlesen, es gibt ja genug Bücher und Artikel im Net, die meine Aussagen hier stützen! 
Und sollte jemand eine fundierte Aussage vorbringen, die andere Schlüsse zuläßt, dann lasse ich mich gerne eines Besseren Belehren, aber bitte mit Fakten und nicht mit hingeworfenen philatelistischen Phrasen von studierten Möchtegern-Historikern!
 
Doch zurück zum Reichsnährstand im Dritten Reich mit seinen NS-Fiskalmarken (wie oben gezeigt).
Es gab nur die 30 und 60 Reichspfennig Zwangs- Beitragsmarken, Punktum!
Alles andere hier erzählen zu wollen ist historisch falsch und gehört in die Erzähl- und Märchenkiste!
   
   
Reichsnährstand
Der Reichsnährstand (Abkürzung: RNST) war eine ständische Organisation der nationalsozialistischen Agrarpolitik in den Jahren 1933 bis 1945, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts (Selbstverwaltungskörperschaft) mit eigener Satzung sowie eigenem Haushalts-, Beitrags- und Beamtenrecht eingerichtet war. Sitz des Reichsnährstandes war ab 1933 die spätere Reichsbauernstadt Goslar.
Im Zuge der Machtergreifung 1933 wurden im Reichsnährstand unter der Leitung des Reichsbauernführer Walther Darré (der in Personalunion auch an der Spitze des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und des Reichsamtes für Agrarpolitik stand) sämtliche Personen gleichgeschaltet, die an der Erzeugung und dem Absatz landwirtschaftlicher Produkte beteiligt waren. Organisatorisch wurde dies erreicht durch eine Untergliederung des RNST in Landes-, Kreis- und Ortsbauernschaften, die jeweils von einem Bauernführer kontrolliert wurden.
Institutionell waren von der Vereinheitlichung die landwirtschaftlichen Genossenschaften, Marktverbände und Vereinigungen betroffen.
Die Arbeit des RNST konzentrierte sich vor allem auf die Lenkung der Produktion, des Vertriebs und der Preise von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Zudem gehörten die sozialen und kulturellen Belange seiner Mitglieder zu seinen Aufgaben.
Anhaltende Auseinandersetzungen des RNST mit den Gauleitern und der Deutschen Arbeitsfront führten im Laufe der Jahre zu einer Aushöhlung der organisatorischen Selbstverwaltung. So wurde der RNST, der im polykratisch organisierten nationalsozialistischen Herrschaftssystem eine Politik als „halbstaatliche“ Institution betrieb, mit Beginn des Zweiten Weltkriegs mehr und mehr zu einem Instrument des Landwirtschaftsministeriums bzw. der Partei.
    
   
Entstehung
Der Reichsnährstand entstand acht Wochen nach der Amtsübernahme von Walther Darré, der bereits seit August 1930 erfolgreich einen personell und organisatorisch umfangreichen „agrarpolitischen Apparat“ (aA) im Deutschen Reich aufgebaut hatte, und seinem Staatssekretär Herbert Backe am 13. September 1933 mit dem „Gesetz über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes“. Im § 2 des Gesetzes heißt es: „Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft kann den Reichsnährstand oder einzelne seiner Gruppen ermächtigen, die Erzeugung, den Absatz, sowie die Preise und Preisspannen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu regeln, wenn dies unter Würdigung der Belange der Gesamtwirtschaft und des Gemeinwohls geboten erscheint.“ Am 26. September wurde Darré vorweg ermächtigt, „feste Preise für Getreide festzusetzen“, und am 8. Dezember 1933 folgte die grundlegende „Erste Verordnung über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes“, der sich 1934 eine differenzierte Marktordnung in allen Bereichen der Landwirtschaft anschloss.
Die Nationalsozialisten standen nun vor der Aufgabe, die Bauern auch in den süddeutschen und katholischen Gebieten zu gewinnen, um ihrer Herrschaft eine stabile Basis zu geben und ihr Blut-und-Boden-Programm zu verwirklichen. Zunächst gelang es ihnen, alle namhaften Bauenvereinigungen wie den Reichslandbund oder die einflussreiche Vereinigung der christlichen Bauernvereine zur Reichsführergemeinschaft zu vereinigen. Mit dem Gesetz über den vorläufigen Aufbau des Reichsnährstandes wurden alle in der Landwirtschaft, Fischerei und Gartenbau tätigen Personen und Betriebe gleichgeschaltet und in der Landwirtschaftskammer zwangsvereinigt. Das Reichsgebiet wurde in 26 Landesbauernschaften gegliedert. Diesen unterstand die Kreis- und hierarchisch darunter die Ortsbauernschaft, mit ihren jeweiligen örtlichen Bauernführern. Gestoppt werden sollte mit diesen Maßnahmen auch die Landflucht.
Zwischen 1933 und 1939 verringerten sich die Arbeitsplätze in der Landwirtschaft um 440.000 auf 1,4 Millionen Menschen. Ein weiteres Ziel war die Kontrolle der Produktion, des Vertriebes und der Preise im Agrarbereich. In gewissem Umfang gelang es dem Regime den Selbstversorgungsanteil Deutschlands von 68 (1928) auf 83 Prozent (1938) zu steigern. Auch eine Produktionssteigerung war zu verzeichnen, aber auch höhere Preise landwirtschaftlicher Produkte im Inland im Vergleich zu den Weltmarktpreisen.
   
    
Organisation
Der Reichsnährstand unterteilte sich in drei Hauptabteilungen:
1.     Der Mensch
Diese Abteilung war zuständig für die ideologische Erziehung und die Überwachung der so genannten Blutreinheit der Bauernschaft.
2.     Der Hof
Diese war zuständig für die Produktion und deren Mittel.
3.     Der Markt
Hier wurde die Verteilung organisiert, wurden Angebot und Nachfrage sowie die Preise kontrolliert.
4.      Kennzeichnung der Dienststelle
   
    
Konfliktebenen
Die Streitigkeiten zwischen RNST und Gauleitungen führten im Januar 1935 dazu, dass der „Stellvertreter des Führers“, Rudolf Heß, eine „Verfügung“ über das Verhältnis von Reichsnährstand und Partei aufsetzte. Darin untersagte Hess einerseits „allen Parteigliederungen irgendwelche Eingriffe in die sachlichen Aufgaben des Reichsnährstandes“ vorzunehmen, womit er die Sicherstellung der „Ernährungsgrundlage des deutschen Volkes“ ins Blickfeld nahm. Andererseits legte er fest: „Während der personelle Einfluß der Hoheitsträger der Partei auf das Amt für Agrarpolitik als einer Einrichtung der Partei direkt gewährleistet ist, sollen darüber hinaus künftig auch Neuernennungen von Orts-, Kreis- und Landesbauernführern des Reichsnährstandes nur noch im Benehmen mit den zuständigen Gauleitern erfolgen.“ Zu einem Ende der Kompetenzrangeleien führte diese Verfügung indessen nicht.
   
    
Reichserntedankfest
Das Reichserntedankfest, auch Reichsbauerntag genannt, fand jeweils Anfang Oktober von 1933 bis 1937 auf dem Bückeberg in der Nähe Hamelns statt. Ab 1934 begaben sich nach dem Reichserntedankfest die Parteigrößen von dort in einem umjubelten Autokorso nach Goslar.
In Goslar wurde dann eine Parade der SS, der SA und des Jägerbataillons abgehalten. Bei einem Appell am Abend vor der Kulisse der Kaiserpfalz, beleuchtet von unzähligen Fackeln und unter dem Dach eines von Flugabwehrscheinwerfern gebildeten Lichtdoms, leisteten hier Tausende Bauernführer in fast religiöser Andacht einen Treueschwur auf den Führer.
Die Goslaer Reichsbauernparade fand 1934, 1935, 1936 und 1938 statt. 1937 fiel sie angeblich wegen Maul- und Klauenseuche aus, obwohl das Reichserntedankfest auf dem Bückeberg noch stattgefunden hatte. Ab 1939 fanden die Veranstaltungen auf dem Bückeberg und in Goslar aufgrund des Zweiten Weltkrieges nicht mehr statt.
   
   
Umwandlungsprozess
Rund zwei Wochen nach der endgültigen Entmachtung von Darré unterstellte Herbert Backe, der gleichsam das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft führte, am 16. Mai 1942 die Reichs- und Landeshauptabteilungen I des Reichsnährstandes personell und institutionell dem Reichsamt für Agrarpolitik und den ihm untergeordneten Gauämtern für Agrarpolitik, was einer endgültigen Demontage des ursprünglichen Aufbaus des RNST und einer Umwandlung desselben in einen rein ernährungspolitischen Apparat gleichkam. Die NSDAP übernahm fortan die grundsätzliche agrarpolitische Ausrichtung und die Blut-und-Boden-Apologeten und Agraristen fielen somit in den direkten Zuständigkeitsbereich der NS Partei, und die Partei war nunmal der NS Staat, Punkt.
 
 
Was gibt es da überhaupt noch zu diskutieren?
   
   


 

Quellen: 
- Aus Wikipedia freie Enzyklopädie, 
- die Zwangs- Beitragskarte stammt aus dem Fiskalphilatelie- Fundus von Gunter Wagner, Filderstadt, von wem sonst?


        

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