Der Stempelpapier- Impost aus dem Fürstentum Fürstenberg, 
auch noch nach der Mediatisierung (1806) vorerst  alles beim Alten!
   
   
Das Fürstentum Fürstenberg ist der Oberbegriff für die von den Reichsfürsten zu Fürstenberg regierten Gebiete im schwäbischen Reichskreis. Als reichsunmittelbares Territorium existierte das Fürstentum von der Erhebung Hermann Egons in den Reichsfürstenstand (1664) bis zur Mediatisierung 1806.
       

       
Größe und Bevölkerung
Unter Froben Ferdinand von Fürstenberg-Mößkirch (1664–1741) reichte das nach modernen und effizienten Verwaltungsgesichtspunkten organisierte Herrschaftskonglomerat von Löffingen im Westen bis nach Neufra an der Donau und vom Bodensee bis nach Trochtelfingen. 
Bei der Mediatisierung 1806 kam das Fürstentum Fürstenberg überwiegend zum Großherzogtum Baden. Dieser Teil machte 29,96 Quadratmeilen mit 71 699 Einwohnern aus. Für das gesamte Fürstentum werden als Schätzwert für das Jahr 1770 ca. 2 000 km² mit 79 000 Einwohnern angegeben. Die Markgrafschaft Baden-Durlach umfasste etwa 1 631 km² und hatte 1746 ca. 90 000 Einwohner, d.h. das Fürstentum Fürstenberg war in der Mitte des 18. Jahrhunderts neben dem Herzogtum Württemberg und der Markgrafschaft Baden-Durlach das bedeutendste Territorium im schwäbischen Reichskreis.
   
  
Residenzstädte
Von 1664 bis 1716 war die Residenz in Heiligenberg. 1716 bis 1723 waren die Residenzen der beiden Teil-Fürstentümer in Stühlingen und Meßkirch. 1723 verlegte Fürst Joseph Wilhelm seine Residenz von Stühlingen nach Donaueschingen, das auch nach dem Absterben der Linie Fürstenberg-Mößkirch die Residenzstadt des nun vereinigten Fürstentums blieb.
   
   
Territoriale Entwicklung
Von 1664 bis 1716 umfasste das Fürstentum nur die der Linie Fürstenberg-Heiligenberg gehörigen Gebiete - insbesondere die Grafschaft Heiligenberg.
Von 1716 bis 1744 existierten die Fürstentümer Fürstenberg-Stühlingen und Fürstenberg-Meßkirch nebeneinander.
Nach dem Aussterben der Linie Fürstenberg-Meßkirch im Jahre 1744 vereinigte Fürst Joseph Wilhelm Ernst zu Fürstenberg-Stühlingen alle schwäbischen Besitzungen des Gesamthauses Fürstenberg.
   
  
Politisches Gewicht im Reich
Das Fürstentum hatte auf dem Reichstag eine Virilstimme auf der weltlichen Fürstenbank. 
Im schwäbischen Kreis hatte Fürstenberg eine Stimme auf der Fürstenbank und fünf Stimmen auf der Herrenbank. Fürstenberg gehörte als katholisches Haus im Reichstag zum Corpus Catholicorum.
   
   
Wappen
Das fürstenbergische Wappen führt Bestandteile des Wappens der Zähringer und der Grafen von Urach zusammen - beides Vorfahren des Fürstenhauses Fürstenberg. Der rote Adler im goldenen Feld kommt von den Zähringern, die Umrahmung mit blauem und weißem Pelzwerk (heraldischer Kürsch) ist dem unteren Teil des Uracher Wappens entlehnt. Der Adler hat einen quadrierten Herzschild, der die Wappen von Werdenberg (silberne Kirchenfahne in rot) und Heiligenberg (schwarzer Schrägbalken) enthält.
   
   
Fürstenhaus
Die Geschichte der Grafen von Fürstenberg reicht bis in das 11. Jahrhundert zurück. 1664 wurde Hermann Egon in den Reichsfürstenstand erhoben. Die bedeutenden Mitglieder des Fürstenhauses widmeten sich vornehmlich dem Dienst für die Häuser Wittelsbach und Habsburg und kümmerten sich relativ wenig um das Fürstentum, wo sie sich auch nur selten aufhielten. Die späteren Fürsten erwarben sich im Reich keine Verdienste mehr, entwickelten das Land jedoch auch wenig, sondern förderten die Künste.
   
  
Verwaltung
Das Fürstentum war in 14 Oberämter eingeteilt (Hüfingen, Möhringen, Blumberg, Löffingen, Neustadt, Stühlingen, Heiligenberg, Trochtelfingen, Jungnau, Neufra, Wolfach, Haslach, Meßkirch, Engen). Der Regierung in Donaueschingen gehörten ein Kanzler, drei Hof- und zwei Kammerräte, sowie der fürstliche Archivar an. Ihr unterstanden das Hofzahlamt und die Finanzverwaltung.
  
  
Finanzwesen
Das Fürstentum war bereits um 1750 mit etwa 1 Million Gulden verschuldet. Nach dem Regierungsantritt von Fürst Josef Wenzel (1762) stieg die Verschuldung stark an und belief sich bei seinem Tod (1783) auf 1.8 Millionen Gulden. Sein Nachfolger war gezwungen mit den Landschaften des Fürstentums über eine Sondersteuer zu verhandeln.
   
   
Große Rarität, ein sehr, sehr seltener Reisepass vom Fürstentum Fürstenberg von 1807
welcher in Neustadt (heute Titisee ) ausgestellt wurde. 
Der Pass hat ein sehr schönes großes Wachssiegel / Papiersiegel 
und einen Fiskalstempel ( 2. K. ) auf der Vorderseite. 
Und auf der Rückseite sind Visa / Reisestempel vorhanden; 
so z. B. ein schönes Papiersiegel von Carlsruhe (=Karlsruhe) und französische Einträge 
(Strasbourg = Straßburg, Paris
...)
Besonders ist zu erwähnen, dass der Reisepass erst 1807 ausgestellt wurde, als das Heilige Römische Reich - nach dem Napoleonischen Kriegen - von Napoleon regiert wurde und der Reichsbund gegründet war. Der Fürst von Fürstenberg war nunmehr nur noch Standesherr unter Baden.
Größe: 33,5 x 20 cm, Neustadt, den 17. August 1807
     
    A very rare passport from the Principality Fürstenberg of 1807 which in  Neustadt (today Titisee) was issued. The pass has a very nice large wax seal / paper seal and a fiscal stamp (2 K.) an the front 
and in the back  Visa / travel temple exist. For example, there is a beautiful paper seal from Carlsruhe (= Karlsruhe) and french entries. (Strasbourg = Strasbourg, Paris) ... 
Especially it should be noted, that the passport was issued until 1807, when the Holy Roman Empire - after the Napoleonic wars - was ruled by Napoleon and the Imperial Federation was founded. 
The Prince of Fürstenberg was now only able reign in Baden.
Size: 13.19 x 7.87 Inch, Neustadt, den 17. August 1807
     
Reisepass von 1807 für Georg Binkle,
ausgestellt in Neustadt vom Hochfürstlich Fürstenberg(ischen) Obervogteyamts
     

Komplett ohne Stempelmarke, mit Fürstlichem Insiegel der Fürstenberger
   
Transcription des Textes:
......von Seiten hiesigen Hochfürstlich Fürstenberg. Obervogteyamtswegen ......
  Vorzeiger dieses Georg Binkle Uhrenhändler gebürtig von Neustatt wohnhaft zu Neustatt
Mittler von Statur 5 Schuh 3 Zoll hoch Schwarzen Haaren Breitter Stirne
Schwarzen Augenbraunen Schwarzen Augen Mittlere Nase Vollen
Wangen Mittleren Mund Rothen Lippen Weißen Zähnen Ohne Bart
Rundem Kinn Lebhaftem Angesicht Mitlern Schultern
Ohne Gebrechen 21 Jahre alt, der des Vorhabens ist, mit hölzern Uhren
von Neustatt ab, durch Breisgau nach Frankreich zu reisen, ....... innerhalb einer Zeit von einem Jahr ....... als für welche Zeit allein dieser Paß für gültig zu erken-
  nen ist, ungehindert hin und her reisen zu lassen, und gleiche Rechts-Gefälligkeit von hier zu erwarten.
Urkundlich des vorgedruckten Kanzley Siegels und Unterschrift.  Gegeben Neustatt unterm Schwarzwald
                                                                                          den 17tn. august 1807                                    Hochfürstlich Fürstenberg. .. Amts Kanzley
                                                                                               Georg Binkle                                                    Hofrath Schneider
   
   
Linke Seite vom Stempelpapier
   
Stempelmarke über 2 Kr. für Kreuzer in der Klasse N.1
   
Rechte Seite vom Stempelpapier
Visa- und Passier,- bzw. Reisestempel
Oben statt mit Stempel sogar ein geprägtes Karlsruher Papiersiegel
   
Rückseitig der Stempel in Rot aus Paris von 1807 mit der Inschrift:
„GENERALE DE L` EMPIRE MINISTRE DE LA POLICE“
   
Rückseitig rechts, weitere handschriftliche Vermerke ...
   
No. 1069 Signalement de Georg Binkle ...
    
Khel = Kehl am Rhein, zu der Zeit wohl auch ein Übergang über den Rhein nach Frankreich hin,
denn der Rheinlauf wurde ja nun Grenze mit Frankreich
   
   


Quellen:
- Handbuch über den Stempelpapier- Impost aus dem Fürstentum Fürstenberg von 2003
(Wolfgang Morscheck, Bad Säckingen) 
- Wikipedia, die freie Enzyklopädie

-  Beleg aus dem Stempelpapier- Fundus von Gunter Wagner, Filderstadt, von wem denn sonst? 



        

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