All denen, die sich in dem neudeutschen Begriff  "Sozialphilatelie" verheddern 
und für diese Ausstellungsklasse mühsam passende Objekte suchen, rufe ich zu:

Seht Euch um, und Ihr werdet feststellen: 
Sozial-Philatelie gibt es schon längst, denn Fiskal-Philatelie ist Sozial-Philatelie pur!

Heute aufgezeigt an dem eigenständigen, riesigen Gebiet der Sozial und Rentenversicherungsmarken,
einem eigenständigen fiskalphilatelistischen Sammelgebiet.
 

Die Sozial- und Rentenversicherungsmarken
von Deutschland
Geschichte der Sozialversicherung in Deutschland
Eine Sozialversicherung ist ein öffentliches oder halböffentliches System der Pflichtversicherungen. Man spricht daher von gesetzlicher Sozialversicherung.
Das System der Sozialversicherungen wird manchmal „Soziales Netz“ genannt, weil es Schutz für die einzelne Person vor persönlichen Notlagen bietet.
    
Allgemeines
Im Gegensatz zu den Leistungen der Gebietskörperschaften (Bund, Länder, Gemeinden) werden Leistungen der Sozialversicherung in erster Linie nicht durch Steuern, sondern durch Beiträge zum jeweiligen Versicherungsträger, der jedoch staatlich kontrolliert wird, finanziert.
Träger der Sozialversicherung sind nicht staatliche Behörden, sondern öffentlich-rechtliche Körperschaften. Die Sozialversicherungen sind in Sparten gegliedert, z. B. in Deutschland:
gesetzliche Rentenversicherung (GRV)
gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
Arbeitslosenversicherung bei der Bundesagentur für Arbeit (AV)
Unfallversicherung (UV)
Pflegeversicherung (PV)
Ein Zweck der Sozialversicherung ist es, Personen eine Versicherung zu ermöglichen, die bei privaten Versicherungen nicht oder nur zu sehr hohen Tarifen aufgenommen würden. Um eine Auslese nach Personen mit hohen und niedrigen Risiken (z.B. Gesunde und Kranke) zu vermeiden, besteht in der Regel Versicherungspflicht.
Die Beiträge werden meist nach den Bruttolöhnen und -gehältern (meist bis zu einer spartenspezifischen Beitragsbemessungsgrenze) berechnet. Die Versicherungen werden durch Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Beiträge je nach Sparte zu unterschiedlichen Teilen finanziert, teilweise gibt es staatliche Steuerzuschüsse (begründet u.a. als Ausgleich für sogenannte versicherungsfremde Leistungen). 
Die Versicherungsbeiträge werden für beide Seiten durch den Arbeitgeber an die Krankenkasse abgeführt. Hierfür erhält er von der örtlichen Agentur für Arbeit eine Betriebsnummer.
Die Auszahlung orientiert sich nach erworbenen Ansprüchen (z.B. bei Renten oder Krankengeld) oder es gibt für alle gleiche Sachleistungen bei Eintritt des Versicherungsfalles.
    
Ursprünge der Sozialversicherungen
Die berufsspezifischen Versorgungssysteme der Zünfte und Gilden des Bergbaus sind als die Vorläufer der heutigen Sozialversicherungen zu sehen.
    
Entstehung der Sozialversicherungen
Die gesetzlichen Sozialversicherungen wurden zumeist in der zweiten Hälfte des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts (Beginn der Großindustrie) ins Leben gerufen. Im Jahr 1883 setzte sich Reichskanzler Bismarck über die Bedenken seiner Berater hinweg und führte gesetzliche Krankenversicherungen in Deutschland ein. Sie waren überwiegend auf die Arbeiterschaft ausgerichtet.
„Mein Gedanke war, die arbeitenden Klassen zu gewinnen, oder soll ich sagen zu bestechen, den Staat als soziale Einrichtung anzusehen, die ihretwegen besteht und für ihr Wohl sorgen möchte“
– Otto von Bismarck: Gesammelte Werke (Friedrichsruher Ausgabe) 1924/1935, Band 9, S.195/196
Damit sollte einerseits sozialen Unruhen und dem Sozialismus begegnet werden, andererseits sollte bereits bestehenden, freiwilligen Sozialversicherungen der Gewerkschaften und der kirchlichen Arbeiterverbände die wirtschaftliche Grundlage entzogen werden.
1883 Krankenversicherung
1884 Unfallversicherung
1889 gesetzliche Rentenversicherung (ursprünglich Invaliditäts- und Altersversicherung)
1927 Arbeitslosenversicherung
1953 Rentenreform: Einführung der dynamischen Rente
1995 Pflegeversicherung (der Krankenversicherung angegliedert)
   
Deutsches Kaiserreich
Staatliche Systeme entstanden im deutschen Kaiserreich bereits am Ende des 19. Jahrhunderts. 
Das Deutsche Kaiserreich war damit weltweit der Vorreiter beim Aufbau von staatlichen Sozialsystemen.
   
Kaiserliche Botschaft 17. November 1881
Wegen des wachsenden Einflusses der Sozialdemokratie sah sich Kaiser Wilhelm I. auf Anraten des Reichskanzlers Otto von Bismarck veranlasst, seine Auffassung vorzutragen, der Reichstag solle Gesetze zur finanziellen Absicherung der Arbeiter gegen Krankheit, Unfall, Invalidität und Alter beschließen.
Er sandte daher zur Eröffnung des deutschen Reichstages am 17. November 1881 folgende, auf Bismarck zurückgehende Kaiserliche Botschaft. In den folgenden Sitzungsperioden beschloss der Reichstag verschiedene Gesetze zur sozialen Sicherung.
  
Krankenversicherungsgesetz 1883 (Gesetzliche Krankenversicherung = GKV)
Am 29. Mai 1883 verabschiedete der Reichstag als erstes das Gesetz betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter (KGV), das am 15. Juni verkündet wurde und mit dem 1. Dezember 1884 in Kraft trat.
Für die Versicherten wurden folgende Leistungen eingeführt:
- Krankengeld ab dem 3. Tag, 50 Prozent bis zu 26 Wochen
- ärztliche Behandlung, Arznei und Hilfsmittel
- Krankenhausbehandlung
- Sterbegeld
- Wöchnerinnenunterstützung (Mutterschaftshilfe)
Die Beiträge trugen der Arbeitgeber zu 1/3 und Arbeitnehmer zu 2/3. 
Für beide Zahlungen wurde eine Beitragsbemessungsgrenze festgelegt. 
Träger wurden die:
- Ortskrankenkassen (OK),
- Innungskrankenkassen (IKK),
- Gemeindekrankenkassen,
- Hilfskrankenkassen,
- Betriebskrankenkassen und
- Baukrankenkassen.
   
Unfallversicherungsgesetz
Das Unfallversicherungsgesetz wurde am 6. Juli 1884 vom Reichstag beschlossen und trat ab dem 
1. Oktober 1885 in Kraft. Für die Versicherten wurden bei Betriebsunfällen folgende Leistungen eingeführt:
- Unfallrenten ab der 14. Woche, die Rentenhöhe war vom jeweiligen Verdienst abhängig
- Medizinische Heilbehandlung
- Unfallverhütung: Beweispflicht des Verunglückten entfiel
Der Arbeitgeber zahlte zu 100 Prozent die Beiträge. Träger wurden die Gewerblichen, Bau-, See-, Land- und Forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften.
In der Folgezeit wurde der Kreis der versicherten Personen sukzessive durch folgende Gesetze erweitert:
- Gesetz über die Ausdehnung der Unfall- und Krankenversicherung vom 28. Mai 1885 (RGBl. 1885 S. 159)
- Gesetz, betreffend die Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen, vom 5. Mai 1886 (RGBl. 1886 S. 132)
- Gesetz, betreffend die Unfallversicherung der bei Bauten beschäftigten Personen, vom 11. Juli 1887 (RGBl. 1887 S. 287)
- Gesetz, betreffend die Unfallversicherung der Seeleute und anderer bei der Seeschiffahrt beteiligter Personen, vom 13. Juli 1887 (RGBl. 329)
- Gesetz, betreffend die Unfallfürsorge für Gefangene, vom 30. Juni 1900 (RGBl. S. 536) 
Das Gesetz, betreffend die Abänderung der Unfallversicherungsgesetze („Mantelgesetz“), vom 30. Juni 1900 (RGBl. 1900 S. 335) und das Gewerbe-Unfallversicherungsgesetz vom 30. Juni 1900 (RGBl. 1900 S. 573) fassten die zwischen 1885 und 1887 erlassenen Gesetze zusammen.
   
Invaliditäts- und Alterssicherung 1889 (Gesetzliche Rentenversicherung = GRV)
Das Gesetz betreffend der Invaliditäts- und Altersversicherung wurde am 22. Juni 1889 vom Reichstag beschlossen und trat ab dem 1. Januar 1891 in Kraft. Folgende Leistungen wurden festgelegt:
- Übergangsgeld während medizinischer Heilbehandlung
- Altersrenten ab dem 70. Lebensjahr
- Invaliditätsrenten
Die Beiträge kamen zu gleichen Teilen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Zusätzlich gab es einen Reichszuschuss. Träger wurden Regionale Versicherungsanstalten für Arbeiter.
   
Reichsversicherungsordnung (RVO)
Am 19. Juni 1911 wurde die Reichsversicherungsordnung (RVO) verabschiedet, die von 1914 bis in die Jahre 1991 / 1992 hauptsächlich die deutsche Sozialversicherung regelte und inzwischen weitestgehend im Sozialgesetzbuch aufgegangen ist. In ihr wurden die früheren Gesetze zusammengefasst und weiterentwickelt. Die wichtigste Neuerung umfasste die Einführung der Hinterbliebenenrenten. 
Die Voraussetzungen für eine Leistung waren entweder die Invalidität der Witwe oder die Bedürftigkeit des Witwers. Zudem mussten die Hilfskrankenkassen eine Zulassung als Ersatzkasse beantragen und dazu mindestens 1.000 Versicherte vorweisen.
Hinzu kam, dass im Jahre 1911 die Angestelltenversicherung (AnV) geschaffen wurde. Danach erhielten Angestellte eine Altersrente ab dem 65. Lebensjahr und ihre Witwen - ohne Rücksicht auf ihre Arbeitsfähigkeit und ihr Alter - 40 Prozent der Altersrente ihres verstorbenen Ehegatten. Die Angestellten waren damals eine eigenständige soziale Gruppe zwischen den Arbeitern und den Beamten.
   
Weimarer Republik
- 1921 bis 1923 - Durch die Geldentwertung von 1921 verlor die deutsche Rentenversicherung fast ihr gesamtes Vermögen.
- 16. Juli 1927 - Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, in Kraft ab 1. Oktober 1927
     
Nationalsozialismus
- 1936 durften die Ersatzkassen keine freiwillig Versicherten mehr aufnehmen und überführten diese in ausgegründete Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit. Dies war der Beginn mehrerer Unternehmen der privaten Krankenversicherung.
- 1939 Einführung des Handwerker - Versorgungs - Gesetzes (HVG). Dies beinhaltete die Versicherungspflicht für selbständige Handwerker.
- 1941 wurden alle Rentner in die Krankenversicherung übernommen und sind seitdem automatisch krankenversichert.
     

Die Sozial- Versicherungsmarken von Deutschland

Beitragsmarken der Rentenversicherung der Arbeiter für die Pflicht- und freiwilligen Versicherung 
vom 1.1.1891 – 31.12.1899
    
   
Vom 1.1.1900 – 31.12.1911

   
   
   Vom 1.1.1912 – 31.12.1916
  
   
Vom 1.1.1917 – 31.12.1920
  
   
Vom 1.8.1920 – 30.9.1921
   
   
Vom 1.10.1921 – 31.12.1922
   
    
Vom 1.1.1923 – 30.12.1923

    
    
Vom 31.12.1923-27.9.1925
   
   
Vom 1.2.1925 – 27.9.1925
   
  
Vom 28.9.1925 – 26.6.1927
   
    
27.6.1927 – 29.9.1929
  
   
Vom 30.9.1929 – 31.12.1933
   
   
Vom 1.1.1934 – 4.4.1937
Vom 5.4.1937 – bis Kriegsende
    
    
Nach Kriegsende bis 1946/1947



   
   
Neudrucke des Hauptmünzamtes in München ab 25.10.1946,
gültig bis zur Währungsreform 20.6.1948
    
   
Neudrucke der LVA Schleswig- Holstein ab 13.6.1946
Neudrucke der Gebietswertzeichenverwaltung Braunschweig
   
  
Beitragsmarken in der britischen und amerikanischen Besatzungszone Deutschlands 
vom 21.6.1948 – 29.5.1949
Wellenlinien Netzmuster im freien Mittelfeld als zusätzliche Unterscheidung zu der Ausgabe 
vom Hauptmünzamtes München ab 25.10.1946
   
   
Pflicht und freiwillige Versicherung vom 30.5.1949 – 27.3.1955
  
   
Beitragsmarken mit Aufdruck des Ankaufjahres gültig vom 1.1.1952
   
    
Komplette Serie an Beitragsmarken der Klasse IV.
   
   
Beitragsmarken mit Aufdruck des Ankaufjahres gültig vom 11.3.1955
Komplette Serie an Beitragsmarken der Klasse II und V
  
   
Pflichtversicherungsmarken vom 1.3.1957 – 31.12.1960
  
   
Freiwillige Versicherungsmarken vom 1.1.1957 – 31.12.1960
Serie an Beitragsmarken der Klasse A
   
   
   
   
Beitragsmarken für die freiwillige Versicherung vom 1.1.1961 – 31.12.1967
   
   
Serie an Beitragsmarken der Klasse A
    
   


 

Hinweise zu Quellen, Marken und Produktnamen

Alle aufgeführten Firmen-, Markennamen und Warenzeichen sind Eigentum der jeweiligen Hersteller und dienen lediglich der Beschreibung, Orientierung sowie der eindeutigen Identifikation. 
Wie die Beitragsmarken der deutschen Rentenversicherung, Herausgeber Verband Deutscher Rentenversicherungsträger 1974,
und Abbildungen mit denen von Nazi- Symbolen dienen hier ausschließlich nur zur alleinigen Erklärung der Fiskal-Philatelie und auch nur zum Aufzeigen unserer Sozialgeschichte!


 

        

www.stempelpapier.de